Aarau

Stadtrat lehnt Petition ab: Bus fährt weiterhin durch Altstadt

Enge Situation für die Chauffeure der Busbetriebe Aarau am oberen Ende des Zollrains.

Enge Situation für die Chauffeure der Busbetriebe Aarau am oberen Ende des Zollrains.

Der Aarauer Stadtrat hat sich entschlossen, nicht auf die Petition zur bus- und postautofreien Altstadt einzugehen. Eine Abwägung der Vor- und Nachteile hat ergeben, dass durch die Petition deutlich mehr Nachteile entstehen würden.

Kürzlich sei er fast in die Bachrinne gefallen, als der Bus unvermittelt vor ihm aufgetaucht sei, nachdem er kurz in eine andere Richtung geschaut habe, sagt Werner Erne.

Er ist Altstadtbewohner und Initiant der Petition für Gassen ohne Busse. «Am Rüeblimärt erschraken die Auswärtigen, wenn plötzlich ein Bus in der Laurenzentorgasse auftauchte.»

Doch auf das Begehren der Petition nach einer busfreie Altstadt geht der Stadtrat nicht ein. Man habe zwar Verständnis für das Anliegen einer bus- und postautofreien Altstadt, schreibt er in seiner Antwort.

Doch aufgrund einer Abwägung von Vor- und Nachteilen sei der Stadtrat zum Schluss gekommen, dass der vom Einwohnerrat gutgeheissene Kompromiss nach wie vor die einzige sinnvolle Möglichkeit für eine Entlastung der Altstadt sei.

Mit dem Kompromiss ist die seit 2011 gültige Praxis der Busse gemeint, welche ab 19.40 Uhr nicht mehr durch die Rathausgasse fahren, sondern ab Kettenbrücke einen Umweg machen via Tellirain, Laurenzenvorstadt und Kasinostrasse zum Bahnhof.

Stadtrat: «Zu viele Nachteile»

Wenn die Busse diesen Umweg immer fahren würden, gäbe es keine erschreckten Fussgänger mehr. Doch für den Stadtrat überwiegen die Nachteile: «Es ist unbestritten, dass eine bus- und postautofreie Altstadt eine Verschlechterung des öV-Angebotes bedeuten würde.»

Dies, weil die Fahrten für täglich rund 12 000 Fahrgäste aus den nördlichen Stadtgebieten und aus Erlinsbach, Küttigen und Biberstein länger würden. Zudem würde der Fahrplan in den Stosszeiten nicht eingehalten werden können.

Auch Initiant Werner Erne sieht das Problem: «Die Kasinostrasse ist oft so stark verstopft, dass man vom Tellirain eine Viertelstunde bis zur Bahnhofstrasse braucht. Das ist ein Argument, das schwierig zu widerlegen ist.»

Es sei eben ein Abwägen zwischen Funktionieren des öffentlichen Verkehrs und der Lebensqualität in der Aarauer Altstadt.

Felicitas Oehler, Mit-Petitionärin, findet: «Es ist eine Frage des Willens.» Die Attraktivität, welche die Altstadt ohne Busse gewinnen würde, sei es Wert, ein paar Schritte mehr zu Fuss gehen. Sie fragt sich, warum der Sauerländertunnel nicht für die Busse genutzt wird.

Der Sauerländertunnel war gebaut worden, um die Altstadt autofrei machen zu können. Der Stadtrat erinnert in seiner Antwort aber daran, dass schon damals festgehalten worden sei, dass die Busse weiter durch die Altstadt verkehren würden.

Der Kanton habe den Anteil der Stadt für den Tunnelbau nur von 60 auf 42 Prozent reduziert, weil der Tunell mit der Verbesserung des öVs zusammen hing. Auch der Bund habe sich deswegen grosszügig daran beteiligt. Stadtrat Werner Schib sagt, es sei «denkbar», dass Bund und Kanton Rückzahlungsforderungen «bis zu 10 Millionen Franken» stellen könnten, würde dies geändert.

«Ein optimales öV-Angebot ist zentral für uns», sagt Werner Schib, «wir sind froh um jeden, der auf den Bus umsteigt und von Küttigen oder Erlinsbach nicht mit dem Auto nach Aarau fährt.»

Zweite Petition noch hängig

«Diese Petition war aber schnell vom Tisch», sagt Andreas Ott. Er und René Moor sind die Initianten einer zweiten Petition für eine busfreie Altstadt.

Die beiden habe online Unterschriften gesammelt. Bisher sind es 396 – angestrebt haben sie mindestens 581, also eine mehr als täglich Busse durch die Altstadt fahren.

Nach dem abschlägigen Bescheid des Stadtrates zur ersten Petition wissen die beiden nun aber nicht, ob sie ihre noch einreichen. Auf jeden Fall wollen sie bis im Frühling warten, bis mehr Leute in den Gassen sind und das Thema wieder aktueller ist.

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