Aarau
Stadtrat lässt sich nicht umstimmen: Ist der Zug für Baufeld 8 abgefahren?

Der Stadtrat lehnt die Aarenau-Motion von Pro Aarau ab. Eine Standort- und Marktanalyse, die von der Ortsbürgergemeinde in Auftrag gegeben wurde, fiel negativ aus. Die «Investitionstauglichkeit» von Baufeld 8 sei «fraglich».

Ueli WIld
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Im Vordergrund liegt das Baufeld 8; dahinter, vor der Wohnsiedlung auf Baufeld 4, schliesst das Baufeld 6 an.

Im Vordergrund liegt das Baufeld 8; dahinter, vor der Wohnsiedlung auf Baufeld 4, schliesst das Baufeld 6 an.

UW

Der Stadtrat hat im letzten Herbst das Angebot der Ortsbürgergemeinde abgelehnt, das den Ortsbürgern gehörende Baufeld 8 in der Aarenau im Baurecht zu übernehmen. Demgegenüber sind die Einwohnerratsmitglieder von Pro Aarau unter Führung des Architekten Ueli Hertig der Meinung, dass eine Investition aus dem «IBA-Vermögen» in der Aarenau eine finanziell lohnende Anlage mit sehr geringem Risiko wäre. Pro Aarau möchte den Stadtrat deshalb mit einer Motion beauftragen, «dem Einwohnerrat einen Kredit zu beantragen, mit welchem eine Investition ins Baufeld 8 detailliert geprüft werden kann» (die az berichtete).

Die Motion ist für die kommende Einwohnerratssitzung vom 20. Juni traktandiert. Der Stadtrat freilich hat sich nicht umstimmen lassen. Er beantragt dem Einwohnerrat, die Motion nicht zu überweisen. Erstens, weil er die Realisierung des ausgewählten Projekts auf dem Baufeld 8 als für die Einwohnergemeinde zu riskant beurteile. Zweitens, weil die Vermarktung des Baufeldes 8 durch die Ortsbürgergemeinde nun schon weit fortgeschrittenen sei.

Aufgrund einer Gegenüberstellung der jeweiligen Argumente räumt der Stadtrat ein, dass die Investition in eine Direktanlage in Immobilien im Vergleich zum Anlagefonds gut abschneide. «Dies wegen der konstanteren Rendite, der langfristigen Optik, welche dem Ziel ‹Erhalt der IBA-Gelder› entspricht und wegen der zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten.» Der Stadtrat habe deshalb eine Investition in die Aarenau vertieft geprüft.

Landwert rund 35 Prozent tiefer

Noch bevor die Ortsbürgergemeinde beschloss, ins Baufeld 6 selber zu investieren, das Baufeld 8 im Baurecht abzugeben und über die beide aareseitigen Baufelder 5 und 7 – die sogenannten «Filetstücke» – erst später zu entscheiden, gab die Einwohnergemeinde bei der Firma Fahrländer Partner AG Zürich eine weitere Standort- und Marktanalyse in Auftrag, um eine Zweitmeinung einzuholen. Das Ergebnis fiel in Bezug auf das Baufeld 8 nicht allzu positiv aus. «Im Gegensatz zu den Baufeldern 5, 6 und 7», hiess es in dem Bericht, «ist die ‹Investitionstauglichkeit› von Baufeld 8 fraglich.» Eine ineffiziente Bauweise und hohe Baukosten bildeten ein Risiko, «welches Investoren bei Vorliegen von Alternativen eher nicht eingehen dürften». Nach Schätzung der Firma Fahrländer Partner AG liegt der Landwert des Baufeldes 8 deshalb rund 35 Prozent unter dem Landwert der übrigen Baufelder.

Der Stadtrat weist in seiner Botschaft darauf hin, dass sowohl die Firma Fahrländer Partner AG als auch die von der Ortsbürgergemeinde beauftragte Firma Realit Treuhand AG Lenzburg in ihren Analysen zum Schluss kamen, dass die für das Baufeld 8 erwarteten Nettorenditen erheblich unter den in den letzten Jahren erzielten Nettorenditen aus dem Anlagefonds liegen würden. Auch dem Baufeld 8 werde Marktfähigkeit attestiert, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Projekt stark überarbeitet würde. Sollte der Studienauftrag weiterbearbeitet werden, ginge es daher gemäss dem Stadtrat darum, zu prüfen, ob sich die Rentabilität des Baufeldes 8 massgeblich verbessern liesse.

Verfahren weit fortgeschritten

Falls der Einwohnerrat die Motion von Pro Aarau überweisen würde, ginge es darum zu klären, inwiefern sich die Einwohnergemeinde überhaupt noch in das Abgabeverfahren um das Baufeld 8 einschalten könnte. Am 14. April hat nämlich die Ortsbürgergutsverwaltung das Bietverfahren anlaufen lassen. Wenn der Einwohnerrat am 20. Juni über die Motion befindet, geschieht dies zu einem Zeitpunkt, in dem bereits die Angebote der zweiten Angebotsrunde vorliegen. Die Abschlussverfahren stehen dann womöglich unmittelbar bevor. Werde die Motion überwiesen, so der Stadtrat, lasse sich der weitere Zeitplan der Ortsbürgergemeinde nicht mehr einhalten und der Stadtrat könnte das Baufeld an der Sitzung von 4. Juli kaum einem der Anbieter zusprechen.»

Unberechenbare Stadt?

Klarheit besteht dann erst, wenn der Einwohnerrat nach vertieften Abklärungen über eine Investition in die Aarenau entschieden hat. Nach Schätzungen des Stadtrates dürfte dies nicht vor anfangs 2017 der Fall sein. Eine «Ausbootung» der Anbieter zu diesem Zeitpunkt, befürchtet der Stadtrat, «könnte das Ansehen der Stadt auf dem Markt beeinträchtigen», weil sie als unberechenbare Partnerin wahrgenommen werden könnte.

Der Stadtrat bleibt dem eingeschlagenen Kurs treu. Geht es nach ihm, wird eine Investition in Baufeld 5 oder 7 geprüft, wenn die Ortsbürger dieses Land zur Überbauung freigeben. Falls die Ortsbürgergemeinde entgegen ihrer bisherigen Absicht das Baufeld 6 nicht selber überbauen wolle, schreibt er in seiner Botschaft, würde sich die Einwohnergemeinde auch für dieses interessieren.

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