Stadion-Neubau
Stadtrat: Deal zwischen Beschwerdeführer und Bauherrschaft wäre illegal

Die Hintertür zum neuen Stadion Torfeld Süd ist zu. Die Stadt hätte einem etwaigen Deal um die Parkplätze nicht zugestimmt. Nun liegt der Fall beim Verwaltungsgericht. Die Hoffnung, trotz des hängigen Verfahrens mit dem Bau zu beginnen, ist klein.

Fabian Hägler
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Geht es nach dem Beschwerdeführer, soll das Rockwell-Parkhaus am Sonntag leer bleiben.

Geht es nach dem Beschwerdeführer, soll das Rockwell-Parkhaus am Sonntag leer bleiben.

Jiri Reiner

Heute in einer Woche spielt der FC Aarau im Brügglifeld gegen den FC St. Gallen. Wann das erste Heimspiel im neuen Stadion im Torfeld Süd stattfindet, ist seit Dienstag wieder völlig offen. Derselbe Anwohner, der mit einer Beschwerde gegen die Baubewilligung beim Regierungrat abgeblitzt ist, hat den Fall nun ans Verwaltungsgericht weitergezogen. Sollte auch diese Instanz die Baubewilligung bestätigen, könnte der Beschwerdeführer noch ans Bundesgericht gelangen.

Die Auseinandersetzung um das Stadion wird aber nicht nur auf juristischer Ebene geführt. Laut einem Beitrag von «Tele M1» versuchte der Beschwerdeführer, mit der HRS AG als Bauherrin und mit der Stadt Aarau einen Deal zu machen. «Ich kann bestätigen, dass im vergangenen Herbst mehrere Gesprächsrunden zwischen dem Beschwerdeführer, der Stadt und der HRS AG stattgefunden haben», sagt Stadtrat Lukas Pfisterer.

Dabei habe der Beschwerdeführer unter anderem gefordert, «dass an Sonntagen niemand im Parkhaus der Firma Rockwell parkieren dürfe – und wenn seine verschiedenen Bedingungen erfüllt werden, würde er seine Beschwerde zurückziehen.» Die HRS AG habe die Forderung, die in diversen Leserkommentaren auf aargauerzeitung.ch als Nötigung oder Erpressung bezeichnet wird, allerdings abgelehnt.

«Die Bauherrschaft ist verpflichtet, genügend Parkplätze rund um das Stadion bereitzustellen, dies abgestuft nach Zuschauerandrang», erklärt Pfisterer. Die HRS sei dem Beschwerdeführer zwar bei anderen Punkten entgegengekommen, «auf die Plätze im Parkhaus konnte sie aber nicht verzichten», sagt Pfisterer.

Auch die Stadt hätte einer solchen Vereinbarung nicht zugestimmt: «Gemäss unserer Beurteilung ist die Forderung nach einem Parkverbot am Sonntag rechtlich nicht haltbar», sagt Pfisterer. Sie widerspreche den Bauvorschriften im Torfeld Süd und würde andere Parkplatzeigentümer rechtsungleich behandeln, die ihre Plätze weiterhin zur Verfügung stellen müssten. «Es macht auch keinen Sinn, das Parkhaus direkt neben dem Stadion bei Spielen leer zu lassen.»

Das geplante Fussballstadion im Aarauer Quartier Torfeld Süd.
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Das geplante neue Aarauer Fussballstadion und Stimmen aus der Facebook-Gruppe «Pro Torfeld Süd».
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Geplantes Fussballstadion im Aarauer Quartier Torfeld Süd
FCA will weitere 3 Millionen von der Stadt Aarau
Das Brügglifeld beim Match zwischen dem FC Aarau gegen den FC Sion im Juli 2014.

Das geplante Fussballstadion im Aarauer Quartier Torfeld Süd.

ZVG

Pfisterer betont, der Spielraum der Stadt für «Deals» mit dem Beschwerdeführer sei klein. «Grundsätzlich müsste sich die HRS mit dem Mann einigen, um einen Rückzug der Beschwerde zu erreichen.» Aufgabe der Stadt als Baubewilligungsbehörde sei es, eine allfällige Vereinbarung daraufhin zu prüfen, ob die baurechtlichen Vorgaben eingehalten sind und ob sie für die Stadt beim späteren Betrieb des Stadions Nachteile hat.

Nun scheint die Zeit für Verhandlungen aber ohnehin abgelaufen, stattdessen sind die Verwaltungsrichter am Zug. Um das Verfahren zu beschleunigen, will die Stadt ihre Rechtsschriften «möglichst rasch einreichen, damit das Verwaltungsgericht vorwärtsmachen kann», wie Pfisterer sagt. «Wir haben aber keinen Einfluss darauf, wie rasch die Gegenseite arbeitet – wenn diese die gesetzten Fristen ausnützt, lässt sich das Verfahren kaum beschleunigen.»

Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit: Die HRS oder die Stadt könnten beim Verwaltungsgericht beantragen, der Stadion-Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Das würde bedeuten, dass bereits mit dem Bau begonnen werden könnte und die strittigen Fragen später geklärt würden.

Pfisterer kündigt an, die Stadt werde einen möglichen Antrag zum Entzug der aufschiebenden Wirkung mit ihrem Anwalt prüfen. Grundsätzlich gelte aber das Prinzip der Unteilbarkeit einer Baubewilligung. «Es ist unzulässig, einzelne Elemente aus einem Projekt herauszuschneiden und separat zu bewilligen oder gar zu bauen, wenn nicht das gesamte Paket bewilligt ist.»

Im bisherigen Beschwerdeverfahren ging es um Fragen zur Mantelnutzung, zur Parkierung und Zufahrtsregelung. «Wenn diese nicht geklärt sind, kann das Stadion nicht gebaut werden. Deshalb dürfte ein Entzug der aufschiebenden Wirkung schwierig zu erreichen sein», gibt Pfisterer zu bedenken.

Der renommierte Aarauer Baujurist Markus Siegrist teilt diese Einschätzung. «Ich sehe kaum Chancen für einen Entzug der aufschiebenden Wirkung bei dieser Beschwerde», sagt er. Dies sei bei kleineren, einfachen Bauprojekten möglich. «Wenn Sie zum Beispiel ein Einfamilienhaus bauen und strittig ist, ob Sie drei oder vier Parkplätze erstellen müssen, kann der Richter entscheiden, dass der Hausbau beginnen kann und über die Zahl der Parkplätze später entschieden wird», sagt er. Bei einem derart komplexen Projekt wie dem Stadion im Torfeld Süd sei dies aber kaum denkbar.