Aarau
Stadtmusik konzertierte mit Eleganz, Dramatik und südlichem Temperament

Giuseppe Verdi und Richard Wagner im gleichen Konzert zu begegnen, ist spannend. Die Stadtmusik Aarau hat sie einander gegenüber gestellt, und ein aufmerksames Publikum staunte über die präzisen und musikalisch hochstehenden Darbietungen.

Jürg Nyffenegger
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Die Stadtmusik wagte sich mit Erfolg an Opernmusik, die auch für Berufsmusiker keine leichte Kost ist.

Die Stadtmusik wagte sich mit Erfolg an Opernmusik, die auch für Berufsmusiker keine leichte Kost ist.

zvg

In verdankenswerter Weise hatte Herbert Wendel anstelle des im August überraschend verstorbenen André Wey die Leitung des Kirchenkonzertes übernommen. Das Programm stellte an den Dirigenten und die rund 70 Musikerinnen und Musiker hohe Anforderungen.

Verdis Opernmusik ist auch für Berufsmusiker keine leichte Kost, muss doch südliches Temperament, Eleganz und dramatisches Geschehen in der Erzählung zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Dramatik, Ruhe und einige unüberhörbare Patzer

Zum Auftakt erklang der altbekannte Triumphmarsch aus «Aida». Nach einigen Einstiegsunsicherheiten der äusserst exponierten Trompeten und ein paar rhythmischen Unebenheiten fand sich das Orchester zu einem homogenen Klangkörper.

Der Ouvertüre zu «Aroldo» verlieh die Stadtmusik Glanz, im Mittelteil konnte man die Rückkehr des Protagonisten nach Kent fast bildlich miterleben, in der Schlussapotheose auch die Dramatik, als Ritter Aroldo erfahren muss, dass ihn seine Frau betrogen hat. Beeindruckend gelang das schwierige Piccolo-Solo.

Die weit bekanntere Ouvertüre, jene zu «Nabucco», wurde von den tiefen Bläsern tonschön und mit grosser Ruhe eingeleitet. In den Begleitstimmen zum Thema des berühmten Gefangenenchors schlichen sich indessen einige unüberhörbare Patzer ein.

Verdi ist auch ein Meister der Chöre, in den Opern, in der Messa da Requiem. Der Tessiner Franco Cesarini hat den Zigeuner- und den Soldatenchor aus «Il Trovatore» gekonnt arrangiert, die Stadtmusik sorgte für eine packende Umsetzung.

Überraschendes Zwischenspiel

Zwischen Verdi und Wagner nahm sich die Stadtmusik Aarau eines farbigen Werkes des Holländers Hardy Mertens aus dem Jahr 1996 an. «Xenia Sarda» beschreibt die Landschaften und die Menschen Sardiniens.

Zahlreiche Soli fordern die Interpreten heraus. Besonderes Lob verdienten die Soli des Englischhorns, der Flöte, der Klarinette und des Horns. Beim Genuss des fünfzehnminütigen Stücks fühlte man sich auf die prächtige Insel versetzt.

Pompös und eindrücklich

Zum Schluss erklang Richard Wagners «Huldigungsmarsch für König Ludwig II. von Bayern»», ein Stück, das Wagner auch original für Blasorchester gesetzt hat. Die Stadtmusik wählte indessen eine Bearbeitung von Tony Kurmann und spielte das Stück mit sicherer Intonation, grosser Feierlichkeit und homogenem Klang.

Dasselbe galt für Elsas Einzug zur Hochzeit ins Münster, ein fünfminütiger Ausschnitt aus der mehrstündigen Oper «Lohengrin».

Erica Ghisalberti führte charmant durchs Programm, das mit einer feinen Zugabe des 75-jährigen Bündners Gion Balzer Casanova beschlossen wurde.

«Insieme», also «zusammen», heisst es, und gemeinsam schafften Musiker und Dirigent nicht nur in grossartiger Weise das lange Crescendo dieses Stücks, sondern ein Kirchenkonzert, das allen in bester Erinnerung bleiben wird.