Aarau
Stadtbach-Sanierung wird die Bus-Passagiere hart treffen

Vorübergehende Vollsperrung der «Vorderen Vorstadt» beim Denner. Betroffen sein werden die Linien 1, 2, 4 und 6 (jeweils in beiden Richtungen).

Nadja Rohner
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Vordere Vorstadt – kritisch ist die vierte Bauphase, während welcher der Abschnitt im Vordergrund gesperrt wird.Ueli Wild

Vordere Vorstadt – kritisch ist die vierte Bauphase, während welcher der Abschnitt im Vordergrund gesperrt wird.Ueli Wild

Ueli Wild

Vor etwas mehr als einem Jahr hat der Aarauer Einwohnerrat Ja gesagt zur Sanierung und Umgestaltung der Vorderen Vorstadt. Respektive: zum entsprechenden Verpflichtungskredit über 1,76 Millionen Franken. Ursprünglich war geplant gewesen, dass die Bauarbeiten 2018 starten sollten, sofern das Baubewilligungsverfahren widerstandslos über die Bühne gehen würde. Doch das Projekt hat noch nicht einmal aufgelegen.

Der Grund: Ein Zusatzantrag, den der Einwohnerrat gutgeheissen hat. Der Stadtrat wurde damit beauftragt, gleichzeitig mit der Sanierung der Vorderen Vorstadt den Hochwasserschutz zu planen und zu realisieren. Nun sind die nötigen Abklärungen so weit fortgeschritten, dass der Stadtrat beim Einwohnerrat für die Umsetzung der Hochwasserschutzmassnahmen einen Kredit beantragen kann: 393 000 Franken für einen Leitungsausbau in der Vorderen Vorstadt.

«Grossflächiges Schutzdefizit»

Das ist aber längst nicht alles, was hier auf die Stadt zukommt. Denn eine detaillierte Analyse des Ingenieurbüros Hunziker, Zarn & Partner AG hat verschiedene Hochwasserschutzdefizite aufgezeigt. Nicht ganz überraschend, ist doch bereits in der kantonalen Gefahrenkarte Hochwasserschutz festgehalten, dass vom Stadtbach eine geringe bis mittlere Gefährdung ausgeht. Dies hat sich in der Analyse bestätigt beziehungsweise konkretisiert.

«Am Stadtbach ist die bestehende Situation in einem Hochwasserfall bereits ab dem 30-Jahr-Hochwasser über weite Strecken kritisch», schreibt der Stadtrat in der Einwohnerratsbotschaft. «Es besteht auf dem Gemeindegebiet von Suhr und in der Innenstadt von Aarau ein grossflächiges Schutzdefizit. Das dort vorhandene Schadenpotenzial rechtfertigt Massnahmen zur Behebung der Hochwassergefährdung.»

Der Stadtrat liess Konzeptstudien erstellen. Aus wirtschaftlichen Überlegungen, so schreibt er, werde nun ab der Asylstrasse ein Abflusskorridor durch den Schachen weiterverfolgt. Im Oberlauf – also auch an der Vorderen Vorstadt – schlage das Ingenieurbüro mangels Alternative eine Kapazitätssteigerung direkt am Stadtbachgerinne vor.

Insgesamt schlagen die Planer elf Massnahmenpakete vor, die insgesamt ungefähr zwei bis drei Millionen Franken kosten sollen. Diese Massnahmen sollen aber sukzessive im Laufe der nächsten 20 Jahre umgesetzt werden, abgestuft nach Priorität.

Das Massnahmenpaket erster Priorität umfasst den Ersatz der Leitung in der Oberen und der Vorderen Vorstadt, Anpassungen am Einlaufbauwerk Behmen, einen Ausbau des Gerinnes entlang der Bachstrasse (Hintere Bahnhofstrasse bis Behmen), eine Anpassung des Durchlasses an der Hinteren Bahnhofstrasse und den Ausbau der Bachstrasse oberhalb der Hinteren Bahnhofstrasse.

«Die gefährdete Innenstadt und insbesondere der Bahnhof sind von grosser Bedeutung», hält der Stadtrat fest. Entsprechend sollen die Massnahmen der 1. Priorität innert einer Frist von zehn Jahren umgesetzt werden.» Erst, wenn sämtliche Massnahmenpakete umgesetzt sind, kann auch ein 100-Jahr-Hochwasser abgeleitet werden.

Grössere Leitung

Für das Bauprojekt Vordere Vorstadt heisst das nun, dass eine grössere Leitung für den Stadtbach eingebaut wird. Das kann zwar im Rahmen der geplanten Sanierung erfolgen. Aber die Bauzeit verlängert sich dadurch gemäss Stadtrat um zirka drei Monate auf gesamthaft acht bis neun Monate. Als «zeitkritisch» bezeichnet der Stadtrat die vierte Bauphase, bei der eine Sperrung des Abschnitts zwischen dem Rain und dem Ziegelrain nötig ist. Diese Phase hätte in die Sommerferien fallen sollen. «Durch die zusätzlichen Arbeiten wird eine Verkehrssperrung und die damit verbundene Busumleitung jedoch einige Wochen über die Sommerferien hinaus erfolgen», heisst es weiter in der Einwohnerratsbotschaft. Man werde bei der Submission Wert auf eine möglichst kurze Bauzeit legen, ausserdem ist ein Zweischichtbetrieb geplant.

Der Stadtrat verspricht, die Baustelle werde so eingerichtet, dass bedeutende Anlässe wie der Maienzug oder das Eidgenössische Turnfest 2019 «erfolgen können».

Baustart frühestens 2019

Wann die Bauarbeiten losgehen können, ist noch völlig offen. Zunächst muss der Einwohnerrat an seiner Sitzung vom 24. September Ja sagen zum Hochwasserschutz-Kredit. Dann wird das Projekt öffentlich aufgelegt. Das Sanierungs- und Umgestaltungsprojekt Vordere Vorstadt sieht vor, die bestehende Begegnungszone (Tempo 20) vom Graben und der Altstadt bis in die Vordere Vorstadt hinein zu erweitern. Die Fahrbahn wird künftig schmaler sein, die Trottoirs dafür viel breiter, sodass auch Platz für Aussennutzungen (etwa Bestuhlung) möglich sind. Statt der heutigen Pflastersteine wird es jedoch künftig Asphalt geben, vergeblich hatten sich einzelne Einwohnerräte für die Beibehaltung der «Bsetzistei» eingesetzt.

33 historische Bilder von Aarau:

Kettenbrücke ca. 1860 Blick vom Zollrain auf die Kettenbrücke und den dazugehörigen Gasthof.
33 Bilder
Die Maturandenklasse der Kantonsschule Aarau von 1896. Der Herr links in der vorderen Reihe ist übrigens Albert Einstein.
Bahnhofstrasse 1915 Das Postgebäude wurde in diesem Jahr eröffnet.
Postkarte 1916 Die Stadt Aarau vor rund 100 Jahren.
Im Torfeld, irgendwann zwischen 1918 und 1937. Mit den Werkhallen der Firma Oehler & Cie.
Bahnhofplatz 1918 Der Bahnhofplatz mit einem Zug der Wynentalbahn.
Postkarte 1918 Der Stempel datiert vom 12. Juni 1918.
Schachen 1919 Der Aarauer Schachen von der Luft aus 600 Metern.
Postkarte 1919 Aufgenommen an der Kreuzung Pestalozzi-/Schanzmättelistrasse. Das 1911 erbaute Schulhaus war noch fast neu.
Luftaufnahme 1919
Postkarte 1919 Der Rathausplatz mit Kindern und einem Fahrzeug.
Am Rain um 1919. Im Hintergrund der Turm des Obertors.
Aarau anno dazumals
Luftaufnahme 1919 Der Rain und Vorstadt aus der Vogelperspektive. Die Fussgänger sind noch klar in der Überzahl.
Luftaufnahme 1919 Das grosse Gebäude unten rechts ist das Zelglischulhaus.
Die Obere Vorstadt um 1921. So leer sieht man die Strasse heute selten.
Kettenbrücke 1921 Die Hängebrücke mit Stahlketten stand fast 100 Jahre lang. Ihr Nachfolger behielt im Volksmund den Namen «Kettenbrücke». In den kommenden Jahren wird auch dieser durch einen Neubau ersetzt.
Ein Blick in die Rathausgasse (1921) An den Gebäuden links erkennt man die bemalten Dachgiebel. Nicht umsonst gilt Aarau als «Stadt der schönen Giebel». Die Rathausuhr ist noch üppig dekoriert.
Steinbruch Zurlinden 1923 Der Grundstein für die späteren Jura-Cement-Fabriken.
Postkarte 1927 Blick vom Stadtturm Richtung Regierungsgebäude.
Postkarte1928 Die Stadt Aarau um 1928.
Kettenbrücke ca. 1930 Auffällig sind die markanten Torbögen der Brücke.
Die alte Badi (1932) Das Schwimmbad lag früher noch am linken Aareufer.
Alpenzeiger 1947 Ein Spaziergang zu diesem Aussichtspunkt lohnt sich auch heute noch.
Kettenbrücke 1948 Die Kettenbrücke wird abgerissen.
Katholische Kirche 1948
Aarebrücke 1948/49 Bald sieht es wohl wieder so ähnlich aus.
Luftaufnahme 1958 Der Kantonsspital Aarau sah früher noch ganz anders aus.
Maienzug 1964
Telli 1964 Die Kunath Futterfabrik in der Telli. Heute ist dieser Ort weit über die Region als Konzertlokal «Kiff» (Kultur in der Futterfabrik) bekannt.
Schachen 1964 Tausende pilgerten an das Schwing- und Älplerfest im Schachen.
Luftaufnahme 1966 Der Aarauer Bahnhof aus der Luft.
Luftaufnahme 1979 Die Stadt Aarau vor knapp 40 Jahren.

Kettenbrücke ca. 1860 Blick vom Zollrain auf die Kettenbrücke und den dazugehörigen Gasthof.

ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Friedrich Gysi