Aarau
Stadt schliesst per sofort 5 WC-Anlagen – sie wurden zu selten genutzt

Die acht öffentlichen Toiletten auf dem Stadtgebiet werden so schlecht genutzt, dass sich die Stadt einen Teil der Ausgaben per sofort spart und fünf Anlagen schliesst.

Katja Schlegel
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Grüne WC-Standorte bleiben bestehen, rote sind geschlossen. Es fehlen Viehmarkt und Telliring.

Grüne WC-Standorte bleiben bestehen, rote sind geschlossen. Es fehlen Viehmarkt und Telliring.

AZ
WC-Anlagen Aarau

WC-Anlagen Aarau

Sabine Kuster

Wer in Aarau mal muss, verklemmts oder steuert die nächste Beiz oder Warenhaus-Toilette an. Um die öffentlichen Toiletten jedenfalls scheinen die Leute einen grossen Bogen zu machen. Die Auslastungszahlen sind so schlecht, dass der Stadtrat beschlossen hat, fünf der acht öffentlichen Toiletten per sofort zu schliessen. Das hat er am Mittwoch mitgeteilt.

Betroffen sind die WC-Anlagen in der Igelweid, im Casino-Park, beim Viehmarkt im Schachen, auf der Schanz und im Telliring. Bestehen bleiben hingegen die rollstuhlgängigen Toiletten beim Durchgang zwischen Färberplatz und Pelzgasse, beim Parking Flösserplatz und bei den Sportanlagen Schachen.

Nur alle zwei Tage benutzt

«Wir haben die Anzahl der Benützer gezählt», sagt die für öffentliche Anlagen und Entsorgung zuständige Stadträtin Regina Jäggi. «Im Schnitt wurden die Toiletten einmal pro Tag besucht, manche sogar nur alle zwei Tage.» Da sei sogar das Reinigungspersonal unverrichteter Dinge wieder abgezogen, weil kein Mensch die Toilette benutzt hatte.

Jäggi glaubt, viele Leute überkomme auf öffentlichen Toiletten ein ungutes Gefühl. Ist es wirklich sauber? Und was, wenn die Tür nicht richtig verriegelt ist, aufspringt und man mit heruntergelassenen Hosen mitten im Getümmel hockt? «Da suchen sich viele lieber ein stilles Örtchen in einer der Beizen oder einem Einkaufszentrum – oder pinkeln wild», meint Jäggi.

In der Altstadt herrsche mit drei öffentlichen Anlagen ausserdem ein Überangebot. Ein Luxus, den sich der Stadtrat nicht mehr länger leisten will. Denn bei monatlichen Mietkosten von 3650 Franken zuzüglich Reinigungskosten und Einnahmen von knapp 800 Franken ergebe sich ein Sparpotenzial von jährlich 43000 Franken.

Marktfahrer stört das nicht

Ein Problem für Marktfahrer, Flohmarktverkäufer und Touristen sieht Jäggi in der Schliessung der Toiletten nicht: «Wir haben uns bei den Marktfahrern umgehört: Die gehen nicht auf die öffentlichen WCs, sondern haben Abmachungen mit Restaurantbetreibern und Ladeninhabern, dass sie deren Toiletten benützen dürfen.»

Stadt prüft «Nette Toilette»

Um den Touristen das Leben einfacher zu machen, soll die einzige in der Altstadt verbleibende Toilette im Durchgang zwischen Färberplatz und Pelzgasse laut Jäggi besser signalisiert werden. Auch das Projekt «Nette Toilette» sei für den Stadtrat eine interessante Option: Bei diesem Prinzip stellen Restaurants und Hotels ihre Toiletten auch Passanten zur Verfügung, ohne dass diese etwas konsumieren müssen.

Die Lokale werden mit einem Aufkleber markiert und erhalten im Gegenzug von der Stadt eine Entschädigung. Die Städte Thun und Luzern haben dieses Projekt bereits lanciert, Bern will ab 2016 einen Pilotversuch starten. «Wir klären derzeit ab, welche Restaurants dafür geeignet sein könnten und ob die ‹Nette Toilette› für sie überhaupt infrage kommt», so Jäggi.