Region Aarau

Stadt als Wirtschaftsmotor: Region Aarau erwirtschaftet über sechs Milliarden

Grossbaustellen prägen die Wirtschaftslandschaft, im Bild Arbeiter im neuen Aeschbachquartier in Aarau. Chris Iseli/Archiv

Grossbaustellen prägen die Wirtschaftslandschaft, im Bild Arbeiter im neuen Aeschbachquartier in Aarau. Chris Iseli/Archiv

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region Aarau liegt bei über sechs Milliarden Franken – die Wirtschaft ist innert zehn Jahren um 20 Prozent gewachsen.

Im Jahr 2014 erzielte die Region Aarau ein reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über 6,2 Milliarden Franken. Damit erreicht die Region Aarau zwar nicht das Niveau von Baden Regio mit 8,5 Milliarden Franken und liegt nur knapp über Fricktal Regio. Dennoch, die Einschätzung von Andreas Burri ist eindeutig positiv: «Die Wirtschaftsregion Aarau ist stark. Und sie ist geprägt vom Finanz-, Gesundheits- und Energiesektor.»

Andreas Burri ist Leiter der Wirtschaftsfachstelle Aarau. Die Regionen Aarau und Baden unterscheiden sich laut Burri vor allem in der Zusammensetzung der Branchen. In Baden sind wertschöpfungsintensive Firmen der Energiebranche domiziliert. Wenn es diesen gut geht, geht es Baden ausgezeichnet, doch ist das Klumpenrisiko, wie das Beispiel Olten mit Alpiq beweist, wesentlich höher. Die Region Aarau stützt sich auf ein breiteres Firmenspektrum.

Das Untere Fricktal, fast gleich stark wie die Region Aarau, profitiert von der enormen Wirtschaftskraft der Pharma-Industrie. Die Region Lenzburg-Seetal wies im Jahr 2014 ein BIP von 3 Milliarden Franken aus. Die Regionen aargauSüd impuls (1 Mrd.) und Suhrental (rund 400 Millionen) bilden im kantonalen Vergleich die Schlusslichter. In den ländlichen Regionen prägen die klassischen KMU die Wirtschaft.

Mehr Beschäftigte als Einwohner

Im Vergleich der Beschäftigtenzahlen sind die Regionen Baden und Aarau näher zusammen. In der Region Baden arbeiten knapp 70 000 Personen, in der Region Aarau sind es etwas über 60 000. Daraus leitet sich ab, dass die Wertschöpfung im Osten des Kantons pro Arbeitsplatz höher ist als in der Region Aarau. Umso grösser ist die Wertschöpfung pro Arbeitsplatz in der Region Fricktal, wo die Beschäftigtenzahl verglichen mit den Grossregionen Aarau und Baden deutlich niedriger ist, die Wertschöpfung aber annähernd so gut wie in Aarau. Im Fricktal sind rund 38 000 Personen erwerbstätig. Die Vergleichszahlen beziehen sich übrigens auf die Gemeinden des Planungsverbandes Region Aarau (PRA), ausgenommen sind die PRA-Gemeinden im Kanton Solothurn.

Interessant ist der Vergleich zwischen Stadt und Region: Die Stadt Aarau hat etwas mehr als 20 000 Einwohner und zählt 32 000 Beschäftigte. Für die Region ist das Verhältnis gerade umgekehrt: Auf 100 000 Einwohner kommen rund 50 000 Arbeitsplätze. Die Stadt ist somit der eigentliche Wirtschaftsmotor der Region.

Das Mittelland boomt entlang der A 1. Grund für die starke Entwicklung der Wirtschaft ist nicht zuletzt die verkehrstechnisch gute Erschliessung.

Das Beispiel dafür bietet Swissgrid. Ende 2017 wird die nationale Netzgesellschaft die heutigen Standorte Laufenburg und Frick in Aarau hinter dem Bahnhof zusammenziehen. Der Entscheid, nach Aarau zu zügeln, hatte im Fricktal für Unruhe gesorgt. Das Filetstück werde nach Aarau verschoben, die Schaltanlage, die Hochspannungsleitungen und den Elektrosmog dürften die Fricktaler behalten, hiess es.

Verkehrstechnisch günstig

«Es kamen auch andere Standorte infrage», sagte Walter Wirz, Leiter Transformation Office bei Swissgrid, bei früherer Gelegenheit. Nicht zuletzt wegen der Mitarbeitenden habe aber Aarau am besten abgeschnitten. Es sei einfacher, Personal für den Standort Aarau zu gewinnen, der aus allen Landesteilen gut erreichbar sei. Natürlich ist für Swissgrid ebenso zentral, die Geschäftsbereiche Netzbetrieb sowie Netzinstandhaltung und -ausbau an einem Standort zu vereinen.

Von 2003 bis 2013 ist die Wirtschaft in der Region Aarau um gut 20 Prozent gewachsen. Damit liegt sie knapp hinter dem kantonalen und schweizerischen Mittel. Auch hier setzen sich Baden und vor allem das Fricktal klar ab. Die Region Lenzburg-Seetal hat in den letzten zehn Jahren mächtig aufgeholt und verzeichnet eine BIP-Wachstumsrate von über 25 Prozent. Schlusslicht im kantonalen Vergleich bildet die Region von aargauSüd impuls, das bezüglich Lage und Wirtschaftsstruktur benachteiligt ist und an Wirtschaftskraft gar leicht eingebüsst hat.

In der Region Aarau hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem der Dienstleistungssektor stark zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt verdoppelte sich im Sektor «Sonstige Dienstleistungen» von deutlich unter einer Milliarde Franken im Jahr 1980 auf fast 1,81 Milliarden Franken. Firmen im Bereich der Gesundheit, zum Beispiel Arztpraxen, wie sie rund um den Bahnhof zahlreich sind, Anwalts- und Beratungsbüros, Gastro-Betriebe, Firmen der Immobilienbranche und Verwaltungen werden dem Sektor «sonstige Dienstleistungen» zugeordnet. Der Finanzsektor und Unternehmensdienstleistungen gehören diesem Sektor nicht an.

Dass Logistikbetriebe, Firmen aus den Bereichen Handel, Verkehr und Lager mit einer Wertschöpfung von
1,2 Milliarden Franken stark sind, ist der verkehrsgünstigen Lage geschuldet. Aber auch der Finanzsektor ist mit ebenfalls 1,2 Milliarden für die Region Aarau bedeutend.

Im Kontakt mit den Firmen

Der Leiter der Wirtschaftsfachstelle, Andreas Burri, und Stadtpräsidentin Jolanda Urech besuchen regelmässig Firmen und pflegen mit sogenannten Wirtschaftslunchs den Kontakt zu bestehenden Firmen. So waren Unternehmerinnen und Unternehmer der Energiebranche Mitte Oktober eingeladen, sich über die Chancen und Risiken der Energieunternehmen im aktuellen Marktumfeld auszutauschen.

Eindrücklich ist die Zahl der Neugründungen. Burri beziffert sie, bezogen auf die Region, auf 170 allein in diesem Jahr. Im Stadtgebiet werden jährlich zwischen 80 und 90 neue Firmen gegründet. Die meisten dieser Start-ups sind Einpersonenfirmen. «Unser Ziel ist, die Unternehmen vom Evaluationsprozess bis zum operativen Start zu begleiten», sagt Burri.

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