Aarau
Stadt Aarau will die Brutplätze der gefiederten Segler zählen

Sie fühlen sich wohl unter den Gibeln von Aarau: Die Stadt will die Standorte von Brutplätzen der Mauer- und Alpensegler zählen und registrieren. Aarauer können bekannte Nistplätze der Stadt melden.

Sibylle Haltiner
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Die Exkursionsteilnehmer beobachten den Flug der Segler auf dem Gelände der Alten Kantonsschule.

Die Exkursionsteilnehmer beobachten den Flug der Segler auf dem Gelände der Alten Kantonsschule.

Sibylle Haltiner

Auf dem Areal der Alten Kantonsschule standen mehr als 50 Leute, die den Kopf in den Nacken gelegt mit dem Feldstecher oder mit blossem Auge angestrengt nach oben schauten.

Wer ihrem Blick folgte, sah die Dachunterkanten der Gebäude oder den Himmel. Manche zeigten mit dem Finger in die Luft und ab und zu rief jemand: «Jetzt ist einer ausgeflogen.»

Die Stadt Aarau hatte zu einer Exkursion zum Thema «Segler» eingeladen und es der Dienstagabend war der ideale Zeitpunkt, um die Alpen- und Mauersegler zu beobachteten.

Altstadtbewohnern sind die Vögel bekannt – sie sausen im Sommer manchmal in ganzen Schwärmen durch die Altstadtgassen.

Um die Brutplätze zu erhalten, hat die Stadt Aarau ein Inventarisierungsprojekt in Auftrag gegeben. Unter der Leitung von Iris Scholl vom Büro für Verhaltensforschung und Ökologie in Uster nehmen Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins/BirdLife Aarau die Niststandorte auf.

«Bei Bau- oder Abbruchgesuchen soll auf die Segler Rücksicht genommen werden», erklärte Carmen Hitz von der Umweltfachstelle. «Neue Nistplätze sind ja relativ einfach zu realisieren.» Die Vögel nehmen auch Nistkästen an.

Alpensegler teilen sich gerne einen grösseren Raum. «Mauersegler brauchen aber ein Einzelzimmer», informierte Iris Scholl.

Generell brauchen die Segler dunkle Hohlräume zum Nisten, zum Beispiel unter Dächern. Ausserdem sind sie standorttreu und kehren nach ihrem Winterquartier in Afrika wieder zu ihren alten Nistorten zurück.

Iris Scholl sowie Bruno Zeller vom Natur- und Vogelschutzverein/BirdLife Aarau erzählten den Teilnehmenden der Exkursion viel Interessantes über die Vögel, die früher an Felswänden brüteten, heute aber hauptsächlich an Gebäuden nisten.

Der Mauersegler hat einen dunklen Bauch und eine Flügelspannweite von etwa 42 Zentimetern. Der Alpensegler unterscheidet sich durch seinen hellen Bauch und ist mit 55 Zentimeter Spannweite grösser.

«Das ist ein ziemlich grosser Kahn, der da durch die Luft segelt», meinte Iris Scholl. Beide Arten seien perfekt an das Leben in der Luft angepasst. «Mauersegler übernachten sogar in der Luft», erklärte Bruno Zeller.

Die Mundspalte reicht bis unter die Augen, was das Fangen von Insekten im Flug erleichtert. Sie haben lange Flügel und einen stromlinienförmigen Körper, jedoch ganz kurze Beine.

Ob es sich um soziale Tiere handle, wollte ein Exkursionsteilnehmer wissen. Man sehe die Segler oft zusammen ausfliegen. Bruno Zeller bestätigte: «Diese Vögel veranstalten richtige Flugspiele und man hat das Gefühl, dass sie dies geniessen.»

Gut konnten die Exkursionsteilnehmer den Flug der Segler beobachten. Dabei wurden bereits fachkundig die beiden Arten anhand der Farbe ihres Bauches unterschieden.

Mit dem Feldstecher konnte man sogar ein vorwitziges Jungvogelköpfchen aus einem der Einfluglöcher unter dem Dach des Albert-Einstein-Hauses hervorgucken sehen.