Aarau
Stadt Aarau auf Budgetkurs - verfehlt das Ziel aber beim Steuerertrag klar

Mit der Rechnung 2015 gelingt der Einwohnergemeinde quasi eine Punktlandung. Doch zu begeistern mögen die Zahlen niemanden. Bei den Steuern fehlen Millionenbeträge.

Ueli Wild
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Zum hohen Anteil der getätigten Investitionsausgaben trug unter anderem der Kauf der Liegenschaft Heinerich-Wirri-Strasse 3 bei

Zum hohen Anteil der getätigten Investitionsausgaben trug unter anderem der Kauf der Liegenschaft Heinerich-Wirri-Strasse 3 bei

Archiv/Hubert Keller

Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen zeigen es: Mit der Rechnung 2015 ist die Stadt Aarau auf Budgetkurs. Trotzdem, heisst es in der Medienmitteilung der Stadt, vermöge das Rechnungsergebnis wenig zu begeistern.

Der Wermutstropfen: Der budgetierte Steuerertrag wird um 3 Mio. Franken verfehlt. Während bei den Aktiensteuern mit 13,3 Mio. Franken rund 300 000 Franken mehr eingingen als budgetiert, liegt der Steuerertrag bei den natürlichen Personen um 2,9 Mio. Franken beziehungsweise rund 5 Steuerprozente unter den Erwartungen.

Budgetiert gewesen waren hier 61,7 Mio. Franken. Der Ertrag der gesamten Steuern liegt sogar um 1,8 Mio. Franken unter den Erträgen des Rechnungsabschlusses 2014. Die Stadt erzielt über 70 Prozent ihrer gesamten Erträge aus dem Steuerertrag.

Schon das Budget 2015 der Einwohnergemeinde (ohne Spezialfinanzierungen) hatte beim operativen Ergebnis einen Verlust vorgesehen. In der Rechnung ist dieser mit 5,1 Mio. Franken um 0,8 Mio. Franken geringfügiger ausgefallen als budgetiert. «Mit diesem Ergebnis», heisst es in der Medienmitteilung der Stadt, «kann bei einem Umsatz von 152 Mio. Franken von einer Punktlandung gesprochen werden.»

Aus der betrieblichen Tätigkeit resultiert insgesamt ein Verlust von 19,1 Mio. Franken. Dieses Resultat ist massgeblich geprägt vom negativen Ergebnis bei den Steuererträgen. Budgetiert gewesen war ein Verlust von 17,8 Mio. Franken. Im betrieblichen Ergebnis sind Abschreibungen von 12,8 Mio. Franken enthalten. Die betrieblichen Aufwände entsprechen ziemlich exakt den Budgetvorgaben.

Anlagefonds-Rendite 1,13 Prozent

Das Ergebnis aus Finanzierung fällt um 2,1 Mio. Franken besser aus als erwartet. Im Vergleich mit der Rechnung 2014 fehlt allerdings, wie die Kommunikationsstelle der Stadt festhält, ein Betrag von 3,6 Mio. Franken.

Obwohl der Anlagefonds in Anbetracht der gegebenen wirtschaftlichen Umstände mit einer Rendite von 1,13 Prozent ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt habe, seien die Erträge rund 0,9 Mio. Franken unter dem Budget und sogar 5,3 Mio. Franken unter der Rechnung 2014 geblieben. Die Beteiligungserträge hingegen sind um 1,5 Mio. Franken höher ausgefallen als budgetiert.

Buchgewinne

Das Ergebnis ebenfalls positiv beeinflusst haben Buchgewinne aus Aktienverkäufen und von Baulandverkäufen in der Gemeinde Erlinsbach von total 0,9 Mio. Franken. «Ohne diese Buchgewinne», heisst es in der Medienmitteilung», wäre das operative Ergebnis schlechter ausgefallen als budgetiert.

Das Gesamtergebnis wird gegenüber dem Budget um die Entnahme von 0,9 Mio. Franken aus der Schwankungsreserve verbessert. Die Entnahme dient dazu, die Differenz zwischen dem Ergebnis des Anlagefonds und der budgetierten Sollrendite von 2 Prozent auszugleichen. Auf Entnahmen aus den Aufwertungsreserven analog zum Rechnungsjahr 2014 (Einmaleffekt) wird ab dem Jahr 2015 verzichtet.

Die Nettoinvestitionen betragen 29,4 Mio. Franken. Das Budget sah solche in der Höhe von 34,4 Mio. Franken vor. Der realisierten Investitionsausgaben erreichten damit – gemessen an den geplanten – einen hohen Anteil von 86,6 Prozent. Dies unter anderem, weil die Liegenschaft Heinerich-Wirri-Strasse 3 mit dem bisherigen Gebäude von Gastrosocial bereits im Jahr 2015 für 7,9 Mio. Franken gekauft wurde.

Einwohnerrat und Volk haben dem Kauf der Liegenschaft 2011 zugestimmt. Diese ergänzt die historischen Gönhard-Güter, die sich schon länger im Besitz der Einwohnergemeinde befinden.

Niedrige Selbstfinanzierung

Auch die Selbstfinanzierung weicht nur unwesentlich – um 0,6 Mio. Franken – vom Budget ab. Sie beträgt bloss 7,7 Mio. Franken, was zu einem Finanzierungsfehlbetrag von 21,7 Mio. Franken führt. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Selbstfinanzierung der letzten zwei Rechnungsjahre lag bei 13,6 Mio. Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad betrug letztes Jahr 21,6 Prozent.

Mit Ausnahme der Spezialfinanzierung Abfall erzielten alle Betriebe ein positives operatives Ergebnis und schliessen nach Abzug der Nettoinvestitionen mit einem Finanzierungsüberschuss ab.