FC Aarau

«Stadion oder Geld zurück»: Private wollen 4 Millionen bis Ende März sammeln

Auf www.meinstadion.ch wird jetzt Geld für das neue FC-Aarau-Stadion im Torfeld Süd gesammelt. Mit der privaten Initiative will man das Loch bei der Stadionfinanzierung schliessen – innert kürzester Zeit.

Es war Zufall, dass die Pressekonferenz der meinstadion.ch GmbH just auf den 52. Geburtstag von Initiant Michael Hunziker fiel. Dennoch platzierte er den Wunsch: Er möchte nicht bis zum nächsten «Runden» warten, bis der FC Aarau das Eröffnungsspiel im neuen Stadion abhalten kann. Im Frühling 2021 soll es so weit sein.

Der Stadion-Neubau im Aarauer Torfeld Süd ist ein Krampf. Als im Mai 2016 nach langem Rechtsstreit die Baubewilligung für das Stadionprojekt mit Mantelnutzung (Einkaufsflächen) rechtskräftig wurde, hatte sich das Projekt massiv verteuert. 36 Millionen Franken sollte es laut Vorvertrag aus dem Jahr 2007 kosten, nun sind es – so sagt Hunziker – 50 Millionen Franken.

Die Quersubventionierung durch die Verkaufsflächen im Erdgeschoss ist wegen des Wandels im Retail-Geschäft heute unrealistisch. Die Stadt und die Bauherrin, die HRS Real Estate AG, arbeiten derzeit einen «Plan B» aus: Verzicht auf die Mantelnutzung, dafür Bau dreier Wohn- und Geschäfts-Hochhäuser neben dem Stadion. Dies bedingt aber umfassende Nutzungsplanänderungen und dauert gemäss Michael Hunziker viel zu lange.

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Bis zum 18. Mai 2018 müssen 16 Mio. Franken dafür zusammenkommen, sonst ist es mit dem Profi-Fussball vorbei. So soll das bewerkstelligt werden.

Die neu gegründete meinstadion.ch GmbH will nicht warten. In der Organisation sind neben Hunziker diverse Sponsorenvereinigungen und Fangruppen des FC Aarau, der Verein FC Aarau Frauen und der Aargauische Fussballverband vertreten. Die Initianten legten gestern ein Konzept vor, wie die 50 Mio. Franken aufgebracht werden könnten (siehe Tabelle), damit «Plan A» mit oder ohne Mantelnutzung möglichst bald umgesetzt werden kann. Der Spatenstich muss zwingend vor dem 18. Mai 2018 erfolgen, sonst verfällt die Baubewilligung.

Schon beim ursprünglichen Projekt war vorgesehen, dass der FC Aarau selber 2 Mio. Franken auftreibt. Daraus will man nun 4 Mio. machen – und zwar mittels Crowdfunding, bei dem Kleinstbeträge, aber auch fünfstellige Spenden möglich sind.

«Stadion oder Geld zurück», lautet das Motto. Die Spendengelder wandern auf ein Sperrkonto bei der Neuen Aargauer Bank, die sich als langjähriger FCA-Sponsor ebenfalls beim Crowdfunding engagiert. Spätestens am 30. September 2018 muss ein unterschriebener Grundstückkaufvertrag der Stadion Aarau AG mit der HRS vorliegen, sonst gehen die Gelder zurück an die Spender.

Sehen Sie hier die Pressekonferenz nach:

Ambitionierter Zeitplan

Bis Ende Dezember will man die erste Million beisammen haben. Ziel ist, dass bis dahin 2000 Fans 50 Franken einbezahlt haben. Michael Hunziker: «Die 250'000 Franken sind nicht viel. Aber wenn wir es nicht schaffen würden, 2000 Fans zu mobilisieren, muss man sich fragen, wofür man überhaupt ein Stadion bauen soll.» Die restlichen 3 Mio. Franken sollen bis Ende März 2018 zusammenkommen. Aus dem Swisslos-Fonds des Kantons erwarten die Initianten zudem neu 10 statt 6 Mio. Franken – eine erste mündliche Zusage des Regierungsrats liege laut Hunziker vor.

Das grösste Kuchenstück des neuen Finanzierungsplans von meinstadion.ch sind die 8 Millionen Franken, die über Bankkredite hereingeholt werden sollen. Kreditnehmerin wäre die Stadion Aarau AG. Diese gehört der Stadt. Werden die Steuerzahler also zusätzlich zur Kasse gebeten? «Nein», betont Michael Hunziker. «Vorgesehen ist, dass die FC Aarau AG einen Pachtzins von maximal 600'000 Franken pro Jahr zahlt. Das reicht für den Hypothekarzins, Rückzahlungen und für die Unterhaltsarbeiten, die nicht bereits vom FCA übernommen werden.» Als Sicherheit für die Banken diene das Grundstück samt Stadion.

Zurück zum Crowdfunding-Projekt: Das gespendete Geld wird nicht freigegeben, wenn der Stadionbau an eine Änderung der Nutzungsordnung geknüpft wäre oder wenn man gar nochmals komplett neue Standorte evaluieren würde. «Dafür», so Michael Hunziker, «haben wir weder Zeit noch Geld.» Er persönlich würde es aber befürworten, wenn im Torfeld auch noch Hochhäuser entstünden. Der dafür nötige politische Prozess müsste aber vom Stadionbau entkoppelt werden.

Es braucht neues Baugesuch

Fakt ist: Verzichtet man auf die Mantelnutzung im Erdgeschoss, wird das Stadion etwa 7 bis 8 Meter tiefer – und geschätzt rund 5 Mio. billiger. Aber es braucht eine Neuauflage des Baugesuchs. Da verschiedene Fragen vom Bundesgericht bereits geklärt wurden, ist Michael Hunziker zuversichtlich, dass ein allfälliges Beschwerdeverfahren rasch über die Bühne ginge.

Erst am Freitag orientierte Michael Hunziker «in groben Zügen» die Verantwortlichen der Stadt sowie HRS-CEO Martin Kull. Details zum Finanzierungskonzept erfuhr der zuständige Stadtrat Lukas Pfisterer erst gestern an der Pressekonferenz, er konnte sich deshalb noch nicht näher dazu äussern. Der Initiative von meinstadion.ch steht Pfisterer aber positiv gegenüber: «Alles, was das Stadionprojekt unterstützt, ist sehr willkommen.» Auch die HRS freut sich «über alle Aktivitäten, die helfen, das neue Fussballstadion zu finanzieren», wie Mediensprecher Sven Bradke sagt. Zur Frage, ob das zusätzliche Geld ausreichen würde, um das Stadion zu bauen, äusserte sich die HRS gestern nicht konkret.

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