Aarau

Stadion-Bewilligung: Verhindert ein Einsprecher sie im letzten Moment?

Zukunft und Vergangenheit: Oben schwenken die Profilstangen im Wind, unten wuchert das Unkraut rund um die Industriebauten.Emanuel Freudiger

Zukunft und Vergangenheit: Oben schwenken die Profilstangen im Wind, unten wuchert das Unkraut rund um die Industriebauten.Emanuel Freudiger

Die Rechtskraft der Baubewilligung des Aarauer Fussballstadions lässt auf sich warten: Die Frist für die Anfechtung ist abgelaufen. Aber der Kanton will die Rechtskraft noch nicht bestätigen. Das Areal liegt derweil im Dornröschenschlaf.

Die Ungeduld wächst: Drei von vier möglichen Einsprechern haben der Baubewilligung für das Stadion grünes Licht erteilt – ein einzelner kann die Rechtskraft noch verhindern.

Letzte Woche wäre die 30-tägige Frist zur Anfechtung abgelaufen. Am Freitag nach dem Maienzug hofften alle vergeblich darauf, dass Stadtpräsidentin Jolanda Urech bei ihrer Bankettrede verkünden könnte, die Baubewilligung sei rechtskräftig.

Gestern nun wäre eigentlich die Frist für die B-Post abgelaufen – doch beim Kanton will man die Rechtskraft noch immer nicht definitiv bestätigen.

Die Ungeduld wächst – da, wo das Stadion einmal stehen wird, wächst derweil nur eines: das Grünzeug. Wo der Mensch einen Spalt gelassen hat, da quetscht es sich hindurch, bäumt sich dem Licht entgegen mitsamt dem Strassenbelag.

Da umarmen dornige Brombeerstauden entsorgte Kühlschränke und aufgestapelte Pneus, da rennen erschreckte Eidechsen um ihr Leben, und da lässt ein Kirschbaum seine reifen Früchtchen in die schlickige Pfütze fallen.

Als wäre eine Naht geplatzt, quillt der Löwenzahn aus dem Beton wie Stopfwatte aus einem Plüschtier. Und über allem schwenken die Profilstangen für das Stadion im Wind.

Es herrscht eine eigentümliche Stimmung auf dem Areal. Verlassen wirkt es, die Architekten, Musiker, Vereine, Transportunternehmer und Handwerker, die das Areal einst so lebendig gemacht hatten, sind fast alle verschwunden. Und doch ist es noch belebt.

Mal schletzt eine Tür, irgendwo wird gebohrt, ein Hubstapler kurvt um eine Ecke. Der Fahrer guckt argwöhnisch aus den Augenwinkeln.

Und überall stehen Autos, als hätte die Industriebrache sie angezogen wie das Licht die Motten. Fast alle sind sie ohne Nummernschilder, bis unter den Dachhimmel vollgestopft mit Gerümpel.

Manche Autos sind auf ihren Achsen eingesunken, die Frontscheiben blind vom Staub der Jahrzehnte. Eigentlich nichts Schönes, dieses Torfeld Süd, und doch versprüht es einen faszinierenden Charme. Die Tage dieser Brache sind gezählt, Warten hin oder her.

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