Sex-Prozess
Staatsanwalt erwägt Ermittlungen gegen Sex-Opfer

Nach der Verurteilung eines Lehrers wegen Sex mit einer Schülerin könnte jetzt gegen das Opfer eine Strafuntersuchung wegen falscher Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege eingeleitet werden.

Thomas Röthlin
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Der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht (Archiv)

Der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht (Archiv)

Alois Felber

Der Verteidiger des Lehrers sagte am Mittwoch vor Bezirksgericht Aarau, die nachweislich «abstrusen Lügengebilde» der heute 24-jährigen Frau und deren Weigerung, bei einem Glaubwürdigkeitsgutachten mitzumachen, seien Indizien für eine falsche Anschuldigung seines Mandanten und Irreführung der Rechtspflege.

Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken gab sich diesbezüglich zurückhaltend, das Opfer sei schon gestraft genug. Die ehemalige Schülerin war laut Anklage während Jahren brutal vergewaltigt worden.

Berufung durch Opferanwalt

Weil der Lehrer die Anwendung von Gewalt bestritt und Beweise dafür fehlten, sprach ihn das Gericht von diesem Vorwurf frei - allerdings nicht einstimmig. Der Opferanwalt gab gestern bekannt, er lege Berufung ein.

Falsche Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege sind Offizialdelikte. Das heisst, der Staat muss auch ohne Vorliegen eines Strafantrags ermitteln. «Die Staatsanwaltschaft wird sich daher die Frage stellen», sagte der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht am Freitag auf Anfrage. «Die Frage ist aber noch nicht beantwortet.»