Aarau Rohr
Sportanlage Winkel: Der Widerstand erwacht

Gegen den Ausbau der Sportanlage im Aarauer Stadtteil Rohr wehren sich nun Anwohner. Sie fürchten, dass vor ihrer Haustüre bald «im ganz grossen Stil Fussball gespielt wird».

Nadja Rohner
Drucken
Teilen
Der Sportplatz Winkel liegt direkt neben dem Wald – und neben Siedlungen wie der Überbauung «Fuchswinkel».

Der Sportplatz Winkel liegt direkt neben dem Wald – und neben Siedlungen wie der Überbauung «Fuchswinkel».

nro (15.7.19

Schon gegen Ende des Jahres 2021 will die Stadt die Fussballanlage Winkel um- und ausbauen. Das Geld ist im Investitionsbudget vorgemerkt, über das der Einwohnerrat am Montag entscheidet. Künftig sollen im Winkel neben dem FC Rohr auch die FC Aarau Frauen trainieren. Aber es ist alles andere als sicher, dass der Bau bereits nächstes Jahr starten kann. Denn nun tritt Opposition zu Tage.

Konkret sollen zwei Kunstrasen-Felder und ein Naturrasenspielfeld angelegt werden. Es gibt eine neue Garderobe und eine neue Beleuchtung. So war es zumindest im Mai angedacht, als dem Einwohnerrat zum ersten Mal ein Projektierungs- und Baukreditantrag über 5,131 Mio. Franken vorgelegt wurde. Dem Parlament war die Vorlage allerdings zu wenig gut ausgearbeitet. Die neue Einwohnerratsbotschaft wurde diese Woche verschickt, die Beschlussfassung dürfte für die Oktobersitzung des Parlaments traktandiert werden. Und danach braucht es selbstredend noch ein Baubewilligungsverfahren.

«Sind Rohrer Lückenbüsser fürs Brügglifeld?»

Schon im Mai waren aus dem angrenzenden Quartier Fuchswinkel erste kritische Stimmen zu hören gewesen. Diese haben sich nun in einem «Anwohnerkomitee Fuchswinkel Rohr» zusammengetan – es besteht aus sechs Personen. In einer Mitteilung mit dem Titel «Brügglifeld: Sind die Rohrerinnen und Rohrer die Lückenbüsser?» schreiben sie: Die Pläne «lassen vermuten, dass im Winkel in Rohr im ganz grossen Stil Fussball gespielt werden soll». Und weiter: «Die Stadt Aarau plant auf dem Sportplatz Winkel in Rohr zwei Kunstrasenfelder, die Einzäunung und Absperrung der Anlage und damit eine Zugangsbeschränkung für die Öffentlichkeit, ein zusätzliches Garderobengebäude, eine Lautsprecheranlage (die Rupperswiler wissen, wovon die Rede ist), kostenpflichtige Parkplätze – darunter auch Carparkplätze – und den Ausbau des Busbetriebs im Viertelstundentakt bis spät in die Nacht hinein.» Für das Anwohnerkomitee stellt die Erweiterung eine «faktische Enteignung» der Rohrerinnen und Rohrer dar, weil der Winkel ihre einzige Begegnungs- und Freizeitfläche sei, die als parkähnliche Anlage nebst dem Sport vielseitig genutzt werde. «Mitten in einem Wohnquartier entsteht ein Sportzentrum, das ausschliesslich den Interessen des Fussballs dient», schreibt das Komitee weiter. «Damit nimmt die Stadt Aarau erneut den Ärger von Anwohnerinnen und Anwohnern und juristische Streitereien in Kauf.»

«Jetzt fordert der Fussball ganzjährig sein Vergnügen»

Was genau sind die Probleme der Anwohnerschaft? Offenbar stehen ökologische Bedenken sowie Angst vor weiteren Emissionen im Zentrum. Das Komitee schreibt: «In Zeiten, da der Kanton sich in vorbildlicher Weise mit dem Mehrjahresprogramm Natur 2020 um den Natur- und Landschaftsschutz sorgt und in diesem Rahmen auch die Natur in den Siedlungen begünstigen will, plant die Stadt Aarau die Vernichtung einer grossen Rasenfläche, einer natürlichen Sauerstoffquelle, und will über 20 Tonnen Kunststofffasern verbauen.» Es scheine in der heutigen Zeit niemand mehr bereit zu sein, zu warten oder zu verzichten: «Anstatt die alljährliche Ruhezeit des Rasens im Winter zu berücksichtigen, die auch für die Anwohnerinnen und Anwohner erholend war und viel zu Ihrem Wohlwollen gegenüber dem Sportplatz beigetragen hat, fordert der Fussball jetzt ganzjährig sein Vergnügen.»

Das Anwohnerkomitee wirft zudem die Frage nach der Finanzierung auf, nun, da die Stadt aufgrund der Coronakrise mit Steuerausfällen rechnen müsse. Ob es angemessen sei, einer «kleinen aber lauten Interessengemeinschaft» – also dem Fussball – so viele Ressourcen zuzusprechen? «Was ist mit allen anderen Sportarten und Freizeitinteressen?»