Nächstes Jahr wird es Veränderungen am schönsten Tag im Aarauer Jahreslauf geben. Die per Schuljahr 2018/19 umgesetzte Kreisschule Aarau-Buchs werde sich auf den Maienzug auswirken, liess im Juni dieses Jahres Stadträtin Suzanne Marclay-Merz, die neue Präsidentin der Maienzugkommission, durchblicken. «Der Maienzug wird in seinen Grundzügen unverändert erhalten bleiben», sagte Marclay, «doch werden wir kleine Anpassungen vornehmen.»

Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass nicht nur kosmetische Retuschen vorgenommen werden, ja vorgenommen werden müssen. Erstens könnte das bei den älteren Schülerinnen und Schülern unbeliebte Nachmittags-Sportprogramm ins Wanken geraten. Marclay deutet schon im Juni an, dass die Petition, welche 280 Schülerinnen und Schüler von Bezirksschule, Sek und Real eingereicht hatten, nicht auf gänzlich taube Ohren stossen dürfte. In der Tat ist es einigermassen paradox, nach dem feierlichen Morgen, die Blumen aus den schön geflochtenen Haaren zu klauben, schwitzend über ein Spielfeld zu rennen und sich am Abend aufs Neue hübsch zu machen.

So regnerisch war die Morgenfeier dieses Jahr: 

Regentanz: die Morgenfeier 2018 im Video

Regentanz: die Morgenfeier 2018 im Video

Der Regen wollte erst gegen Schluss der Morgenfeier eine Pause machen, doch wie es Suzanne Marclay-Merz, Stadträtin und Präsidentin der Maienzugkommission, so schön sagte: «Mer lönd is trotz em Räge di guet Luune ned verdärbe.»

Eine Baustelle, die erst am Maienzug 2018 so richtig aufbrach, ist das Bankett-Menü. Das bislang ungelöste Problem: Auch Bankett-Gäste, die auf Fleisch verzichten möchten, sollten ein Menü erhalten, bei dem das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Hier sind die Kommission und der Caterer gefordert.

Abendprogramm auf der Schanz

Seit Montagabend sieht sich die Maienzugkommission mit einer weiteren Aufgabe konfrontiert: mit der Wiederbelebung des Maienzug-Abendprogramms auf der Schanz.
Mit 28 Ja gegen 18 Nein bei 3 Enthaltungen hat der Einwohnerrat bei der Budgetberatung einen überparteilichen Antrag gutgeheissen, mit dem das Maienzugbudget um 15 000 Franken auf 339 600 Franken erhöht wurde. Mit dem ausdrücklichen Wunsch, die zusätzlichen Mittel, soweit sie benötigt würden, in ein Abendprogramm auf der Schanz zu investieren, wie es bis vor einem Jahrzehnt üblich war – für eine Tanzmusik und einen Teilumbau von Bestuhlung und Bühne.

Urheber des erfolgreichen Antrags war SVP-Einwohnerrat Beat Krättli. Mitunterzeichnet hatten ihn Ueli Hertig (Pro Aarau), Eva Schaffner (SP), Peter Roschi (CVP) und Christoph Waldmeier (EVP). Mit der Wiederbelebung der Schanz, sagte Krättli am Montag, werde vor allem den älteren Maienzüglern die Möglichkeit gegeben, «ihren» Maienzug in einem traditionellen einfachen Rahmen zu feiern – abseits vom Rummel im Schachen. Ziel sei es, «der Seele des Maienzugs eine Chance zu geben», eine Alternative zu bieten zu «Glamour und Fast Food» im Schachen.

Das sind die schönsten Bilder vom Maienzug 2018:

Nicht als Konkurrenz gedacht

Krättli stellte klar, dass es keineswegs darum gehe, ein im Schachen bestehendes Angebot zu konkurrenzieren. Dies war eine Anspielung auf eine Medienmitteilung, in der sich Präsidentin und Vizepräsident des Vereins «Das MaienzugZelt» im Vorfeld der Einwohnerratssitzung dezidiert gegen den Antrag ausgesprochen hatten. Sollte wieder ein Abendprogramm auf der Schanz stattfinden, schrieben Danièle Zatti Kuhn und Dieter Felber, wäre dies für den «Zelt»-Verein unverständlich. «Weshalb sollte noch jemand gewillt sein, einen privaten Beitrag für eine Zeltinfrastruktur auf dem Maienzugplatz zu bezahlen, wenn ein anderer Festplatz mit städtischen Geldern finanziert wird?»

Allerdings machte in der Parlamentssitzung Peter Roschi (CVP), Mitglied der erweiterten Maienzugskommission, deutlich, dass «Das MaienzugZelt» seinerseits mit Tausenden von Franken aus der städtischen Maienzug-Schatulle unterstützt wird. Zum einen bezahle die Stadt für die im Zelt aufspielende Tanzkapelle, zum andern stelle sie Teile der Infrastruktur wie Wasser und Elektrizität kostenlos zur Verfügung.

Die 15'000 Franken für das Programm auf der Schanz, erklärte Beat Krättli, seien grosszügig gerechnet. Stadträtin Suzanne Marclay-Merz versuchte es mit der Argumentation, der Maienzug sei doch ein Fest der Kinder. Wenn schon, solle man mehr ins Kinderprogramm investieren – und den überparteilichen Antrag ablehnen. Eine klare Ratsmehrheit entschied jedoch, dass die Tradition des Abendprogramms auf der Schanz nach dem 2008 vom Stadtrat verfügten Unterbruch wieder aufgenommen werden solle.

Bankett auf der Schanz gerettet?

«Ich bin froh, dass das geklappt hat», sagte Beat Krättli am Dienstag auf Anfrage der AZ. In der Maienzugkommission habe es nämlich einen Antrag gegeben, auch das verbliebene Programm auf der Schanz – das Bankett am Mittag – in den Schachen zu verlegen. Krättlis Erkenntnis: «Da sind wir mit unserem Antrag wohl gerade noch zur rechten Zeit gekommen.»
Nun geht es darum, dass die Maienzugkommission den Auftrag auch umsetzt. Im Rahmen der Budgetberatung liess sich ja nur der für den Maienzug eingestellte Betrag um 15 000 Franken erhöhen. Freilich hat der Einwohnerrat das zusätzliche Geld im Hinblick auf einen klar definierten Verwendungszweck bewilligt. Und in der erweiterten Maienzugkommission gibt es durchaus auch Fürsprecher des Anliegens. Man überlasse die konkrete Ausgestaltung nun einmal der Kommission, sagt Krättli. Falls sich zeigen sollte, dass diese keinen Plan habe, könnten ihr die Antragsteller aber durchaus helfend zur Seite stehen.