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Sport-Discounter greift an: Decathlon eröffnet seine erste Filiale der Deutschschweiz in Suhr

Dort, wo bis im Dezember das Athleticum war, ist jetzt Decathlon-Filialleiter René Stephan tätig.

Dort, wo bis im Dezember das Athleticum war, ist jetzt Decathlon-Filialleiter René Stephan tätig.

In der Westschweiz war Decathlon auch vor seiner ersten Filialeröffnung ein Begriff. Für den deutschschweizerischen Markteintritt wird der Französische Sport-Riese einige Anpassungen vornehmen müssen.

Zeltler kennen die Marke Quechua von den Campingplätzen im Ausland. So sind jene Zelte angeschrieben, die mit einem Handgriff aufgestellt sind. Sogenannte Wurfzelte, die in kreisrunden Taschen verstaut werden, eine zeit- und nervensparende Erfindung von Quechua. Die Marke ist eine der vielen Eigenmarken von Decathlon, dem Sportartikel-Giganten aus Frankreich. In Suhr, auf der Fläche des ehemaligen Athleticums, hat Decathlon gestern eine Filiale eröffnet. Auf 1700 Quadratmetern locken Kleider, Outdoor-Artikel und Sportgeräte. Nach dem österreichischen Möbelgeschäft XXXLutz (siehe Box) ist Decathlon die nächste Kette aus dem Ausland, die die Schweiz erobern will.

Die Preise im Sport-Discounter sind tief. Einen Sport-BH gibt es für 8 Franken, Laufschuhe ab 18 Franken und eine Yogamatte für 3.30 Franken. «Wir wollen, dass der Sport für alle zugänglich wird», sagt Filialleiter René Stephan. Amateure wie Experten sollen hier fündig werden. Decathlon bietet Artikel für 140 Sportarten an. Da nicht alle Platz haben im Laden in Suhr, setzt der Konzern auf den Onlinehandel. Im Geschäft können die Kunden Bestellungen an Computern tätigen.

Anspruchsvolle Deutschschweizer

«Die tiefen Preise kommen zustande, weil Decathlon hauptsächlich Eigenmarken anbietet», sagt Stephan. Jeder Sportbereich hat seine eigene Marke. Die Produkte sind bunt und funktional, wie man es von Sportbekleidung kennt. Doch können sie mit den Topmarken mithalten? Ein Mann in einer Mammut-Jacke begutachtet am Eröffnungstag in Suhr eine Quechua-Wanderhose. «Die tiefen Preise werden beim internen Vertrieb generiert. Wir müssen auch weniger für Marketing ausgeben», sagt Kommunikationsmanager Romain Robert-Nicoud. An Qualität werde nicht gespart. Die Produkte für Berggänger beispielsweise würden in Chamonix entwickelt und gleichen Tests ausgesetzt wie die anderer Marken. Auch eigene Velos produziert Decathlon, die hätten eine lebenslange Garantie.

Decathlon wurde 1976 in Lille gegründet und betreibt heute weltweit über 1000 Filialen, davon aktuell 10 in der Schweiz. Hier startete der Sport-Riese den Angriff über die Westschweiz, wo der Name gemäss Robert-Nicoud schon bekannt gewesen sei. In der Deutschschweiz muss sich Decathlon mehr Mühe geben. «Wir müssen den Kunden zuerst erklären, wer wir sind.» Die tiefen Preise sind ein Magnet. Aber sie können die kaufkräftige, markenaffine Deutschschweizer Kundschaft auch abschrecken, ganz nach dem Motto: Was so billig ist, kann nicht gut sein. Decathlon glaubt an den Erfolg in der Deutschschweiz, innerhalb dieses Jahres soll die Anzahl der Geschäfte in der Schweiz auf 23 wachsen. Auch das Bewertungssystem wurde an die Schweizer angepasst: Wenn ein Produkt online durchschnittlich weniger als drei von fünf Sternen erhält, wird es aus dem Sortiment gestrichen. «In der Schweiz nehmen wir es schon bei weniger als vier Sternen raus», sagt Robert-Nicoud.

Das Geschäft in Suhr beschäftigt 26 Mitarbeitende, davon drei Lehrlinge und hat eine Pionierrolle. Es sei quasi das erste Geschäft in der Deutschschweiz. Die Filiale in Basel sei aufgrund ihrer Lage nicht rein deutschschweizerisch.

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