Es ist eine herzige Schar, die da im Kreis auf den kleinen Stühlen sitzt und der Geschichte über «das schönste Ei der Welt» lauscht. Der Raum ist hell, die Spielzeuge zahlreich, ein guter Ort für eine Spielgruppe wie jene von Monika Stampfli.

Seit sechs Jahren betreut sie in einem Raum des Zwinglihauses im Scheibenschachen rund ein Dutzend Kinder im Vorschulalter. Sie lernen, zehn Minuten im Kreis still zu sitzen oder den roten Bobby-Car miteinander zu teilen. Gerade fährt oder vielmehr kriecht ein ganzer Tatzelwurm aus Kindern mit und hinter dem Plastikauto durch den Raum. Es ist eine gute Sache auch für die Eltern, die währenddessen zur Arbeit gehen oder Besorgungen machen.

Doch Ende Juni muss Monika Stampfli raus. Dann wird dieser und der nebenanliegende Raum im Zwinglihaus für den Kindergarten Scheibenschachen umgebaut. Zwei Klassen ziehen provisorisch hier ein, während nebenan auf dem Schulareal drei neue Kindergärten gebaut werden. Der Einwohnerrat hat dies im Januar beschlossen, ein Referendum gegen den 3,9 Millionen teuren Bau kam nicht zustande.

Kündigung ohne Warnung

Die Spielgruppenleiterin Monika Stampfli ist konsterniert: Dass der Kindergarten wichtiger ist als die Spielgruppe, sieht sie ein, doch nicht die Art, wie ihr gekündigt wurde. «Ich bin enttäuscht», so Stampfli.

Das Zwinglihaus gehört der reformierten Kirchgemeinde Aarau. Diese wusste schon seit letztem September, dass der Kindergarten einziehen will, wenn gebaut wird, und willigte dazu auch ein.

Die Kündigung erhielt Stampfli jedoch erst nach den Skiferien, das Gespräch wurde nie gesucht. «Das lief nicht optimal bei uns», gibt Kirchenpflegepräsident Frank Gantner zu.

Die Spielgruppe hatte im Zwinglihaus für nur 350 Franken pro Monat eine Art Dauerreservation. Stampfli konnte sich einrichten und musste den Raum für den Nachmittag jeweils nicht leeren.

Die reformierte Kirche überlässt ihre Räume auch anderen Gruppen sehr günstig, wie dem Blauen Kreuz für den Mittagstisch oder Pro Senectute fürs Turnen. So war es jedenfalls bis jetzt. «Aufgrund der künftigen finanziellen Lage der Kirche ist es nicht sicher, ob wir das weiter so handhaben können», sagt Gantner.

Neuer Raum gesucht

Für Monika Stampfli ist es schwierig, in der kurzen Zeit einen neuen bezahlbaren Raum im Scheibenschachen oder in Rombach zu finden. Pro Kind kostet ein Spielgruppen-Morgen bei ihr nur 22 Franken. «Ich mache es nicht des Geldes wegen», sagt Stampfli, «es macht mir Freude.»

Sie hat bereits Neuanmeldungen für nach den Sommerferien, weiss nun aber nicht, ob sie die Spielgruppe an einem anderen Ort weiterführen kann. Auch kann ihr die reformierte Kirchgemeinde keine Garantie geben, ob sie in einem Jahr, wenn der Kindergarten fertig gebaut ist, wieder einziehen kann.