Aarau
Spezielle Markierungen führen Blinde durch die Bahnhof-Baustelle

Der übliche Weg zur Beratungsstelle des «Schweizerischen Blindenhunds» ist gesperrt wegen der Baustelle für den Zugang zum Aarauer Bahnhof Süd. Deshalb werden für blinde Menschen spezielle Markierungen auf die Strasse gemacht.

Sarah Künzli
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Die Arbeiter der Morf AG markieren vom Bahnhof bis in die Konradstrasse den Weg für die Blinden.

Die Arbeiter der Morf AG markieren vom Bahnhof bis in die Konradstrasse den Weg für die Blinden.

Sarah Künzli

An der Hinteren Bahnhofstrasse stehen Baustellen-Signalisationen: «Markierung». Die Arbeiter giessen eine zähflüssige weisse Masse auf eine Schablone und verteilen sie mit einem Spachtel gleichmässig. So entstehen entlang der Hinteren Bahnhofstrasse zwei Spuren. Doch was markieren die Linien? «Es sind Blindenmarkierungen», weiss Andreas Häfliger, Filialleiter der Morf AG Aargau, welche viele Arten von Markierungen ausführen.

Eigentlich würden sie solche Markierungen im Sommer machen, sagt Häfliger: «Die Trocknungszeit im Winter beträgt zwei bis drei Stunden, im Sommer hingegen nur 15 bis 30 Minuten.» Dies aber sei ein ganz spezieller Auftrag. Ein dringender noch dazu. Die Streifen am Boden führen blinde und sehbehinderte Menschen vom Bahnhof zur Beratungsstelle des «Schweizerischen Blindenhunds» in der Konradstrasse. Durch die Baustelle für das neue Veloparking und den Zugang zum Bahnhof Süd (siehe Box) werde der übliche Weg versperrt, so Häfliger. Deshalb sei es wichtig, dass die Blindenmarkierung noch vor dem Baustart am 4. Februar fertig sei und Blinde über die hintere Bahnhofstrasse und die Bachstrasse zur Beratungsstelle geführt würden.

Ab 4. Februar Neue Wegführungen für Fussgänger

Die Bauarbeiten für das Veloparking auf der Südseite des Bahnhofs beginnen am 4. Februar und dauern rund 15 Monate bis Mitte 2014. Enge Raumverhältnisse und die Rücksichtnahme auf den Bahnbetrieb der WSB sowie die gleichzeitig stattfindenden Arbeiten an diversen Werkleitungen machen das Bauvorhaben sehr anspruchsvoll. Der Zugang zur Personenunterführung an der Bleichemattstrasse ist während der Bauzeit gesperrt. Die Aufgänge zur Hinteren Bahnhofstrasse und zum Perron der WSB bleiben normal benutzbar. Für die Südquartiere wird während der Bauzeit die Treppenanlage mit Lift direkt beim Bahnhof WSB als Zugang zur Personenunterführung dienen. Es wird eine provisorische Wegverbindung für Fussgänger von der Bleichematt-Strasse via Electrolux-Areal und WSB-Gelände zur Hinteren Bahnhofstrasse gewährleistet.
Am 4. Februar beginnen die Arbeiten im Strassenbereich, das bestehende Velohaus wird geräumt. Die Bleichemattstrasse und die Frey-Herosé-Strasse sind für den Autoverkehr ab dann nicht mehr durchgehend befahrbar. Für Fussgänger und Velofahrer kann während der Bauzeit eine Verbindung der beiden Strassen aufrechterhalten werden. Die Stadt hat Info-Tafeln vor Ort aufgestellt, welche die Details zur Wegführung erläutern. (az)

Ungewohnt kalte Temperaturen

Frierend legen die Arbeiter weitere Schablonen auf den Boden und befestigen sie mit Klebeband. Sie sind sie sich nicht gewohnt, bei eisigen Temperaturen zu arbeiten. «Im Winter arbeiten wir vor allem in der Werkstatt. Bei diesen Temperaturen ist es richtig unangenehm», meint Ramon Rohner, einer der Arbeiter. «Viele haben im Moment Ferien und bauen so ihre Überzeiten vom Sommer ab», ergänzt Andreas Häfliger.

Am 1. Januar haben sich die Morf AG und die Firma Spannagel zusammengeschlossen. «Durch die Fusion sind wir grösser, flexibler und schneller», sagt Häfliger. Nun hätten sie im Aargau ein Team von 15 Mann.

Präzision ist wichtig

«Die dritte Schablone muss noch ein bisschen nach rechts», ruft einer der Arbeiter. Sie wird ein paar Millimeter verschoben. Alles muss genau stimmen. Die Schablone gibt genau die Dicke und die Länge der Streifen an. «Jeden Meter gibt es einen kleinen Spalt, damit das Wasser nicht hängen bleibt und gefrieren kann», erklärt Häfliger.

Alles habe seine genaue Bestimmung, sagt er und zeigt auf eine spezielle Markierung. «Das eine Kontaktfeld da ist wie eine Weiche, die anzeigt, dass von da aus zwei Wege möglich sind. Andere Markierungen signalisieren den Blinden eine Treppe oder weisen auf eine Strassenüberquerung hin.»

Die Arbeiter ziehen die Schablonen ab. Zurück bleiben zwei Streifen, die leicht zu übersehen sind, doch den Blinden den Weg zeigen werden.