Verkehrsprojekt

Spezial-Busspur in der Mitte der Strasse – und was sonst noch neu wird zwischen Aarau und Suhr

Von Suhr nach Aarau: So sieht die Tramstrasse im Moment aus – und das soll neu werden.

Von Suhr nach Aarau: So sieht die Tramstrasse im Moment aus – und das soll neu werden.

Der Kanton will für 25 Millionen Franken neue Verkehrsknoten und Busspuren bauen. Unter anderem soll eine Spezial-Busspur in der Mitte der Fahrbahn stehen und von den Bussen in beide Richtungen befahrbar sein. Eine Video-Fahrt zeigt wo.

Wer zu Stosszeiten in Aarau unterwegs ist, der kennt es: Schon wieder Stau, schon wieder Zeit vertrödelt. Das gilt auch für öV-Passagiere. Bis zu 15 Minuten Verspätung haben die Busse in der Rushhour. Das bestätigt Erwin Rosenast, Mediensprecher der AAR bus+bahn. «Der Autoverkehr hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Die Pünktlichkeit, die wir gerne bieten wollen, ist so schwierig zu erreichen.»

Mit Verspätungen leben müssen zum Beispiel die Passagiere der Linien 1, 4 und 6 von Buchs beziehungsweise Suhr. Ihr Bus steht auf der Buchserstrasse, teilweise auch auf der Tramstrasse im Stau.

Die Lösung wäre eine separate Busspur. Der Platz dafür ist vorhanden: Neben der Tramstrasse liegt das alte Trassee der Wynental-Suhrentalbahn. Wenn dieses dem Strassenraum zugeschlagen wird, passt eine Busspur rein.

Doch auf die Umsetzung des Projekts warten die Passagiere schon lange. Wer sich in Buchs oder Suhr umhört, stösst auf Verständnislosigkeit – man könne nicht verstehen, dass der Kanton der prekären Stausituation so lange zuschaue. Denn gebaut wird nicht vor 2020, so viel ist sicher.

Vorprojekt liegt bereit

Aber immerhin bewegt sich jetzt etwas: Das Vorprojekt ist fast fertig und wird im kommenden Herbst den beteiligten Gemeinden Suhr, Buchs und Aarau in die Vernehmlassung gegeben. Das bestätigt Markus Kissling, Projektleiter beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Allerdings wird die separate Bus-Spur nicht ganz durchgehend gebaut. «Es braucht sie dort, wo der Bus eine Kolonne überholen muss», sagt Kissling. Die Busspur zieht sich vom Suhrer Waldhofweg bis zum Kreisel Gais in Aarau, das ist eine Strecke von rund 1,6 Kilometern. Auf der ganzen Strecke gibt es zahlreiche Änderungen – und einige neue Lichtsignalanlagen.

Einmal von Suhr zum Gais-Kreisel

Das Projekt lässt sich am besten mit einer virtuellen Fahrt entlang der Tramstrasse erklären. Beginnen wir in Suhr. Hier wird die Tramstrasse zur Kernfahrbahn. Das heisst: Der weisse Mittelstreifen entfällt, links und rechts sind Velostreifen mit gelben Strichen abgetrennt, daneben Trottoirs. Die Fussgängerstreifen erhalten Inseln, die alten WSB-Geleise kommen raus. Der Bus fährt mit dem Verkehr Richtung Aarau.

Erst ab Höhe Waldhofweg (Suhr) gibts eine Busspur. Und zwar eine ganz Spezielle: Sie liegt in der Mitte der Strasse, zwischen den beiden Fahrbahnen. Auf dieser Busspur kann der Bus sowohl stadtein- als auch stadtauswärts fahren und wenn nötig stehende Kolonnen überholen. Eine Lichtsignalanlage sorgt dafür, dass nur ein Bus aufs Mal die rund 300 Meter lange Spur nutzt.

Von anderen Verkehrsteilnehmern darf sie nicht befahren werden. Diese Busspur ist ein Novum im Kanton – es gibt sie aber zum Beispiel in der Stadt Zug.

Bei der Kreuzung Gönhardweg (Aarau) respektive Bühlstrasse (Buchs) endet die Spezial-Busspur. Ab hier ist beidseits der Tramstrasse ein kombinierter Rad-Gehweg geplant, der Bus fährt auf einer neuen Busspur stadteinwärts.

Für den normalen Verkehr gibt es bei der Einfahrt Südallee – der Haupterschliessungsstrasse des Kantonsspitals – Linksabbiegespuren auf der Tramstrasse sowie auf der Südallee. Beide sind lichtsignalgesteuert. Das soll die heute oft lange Warterei bei der Wegfahrt vom Spital verkürzen. 

Auf einen Blick zeigt die Karte den geplanten Ausbau der Tram- und Buchserstrasse.

Busspur wird unterbrochen

Ab der Südallee fährt der Bus weiter auf einer eigenen Busspur stadteinwärts bis zum Knoten Bavaria. Diese Kreuzung wird zu einem Kreisel umgebaut. Nach dem Kreisel entfällt die Busspur noch einmal für ein paar Meter, die Buchserstrasse wird als Kernfahrbahn bis zur Florastrasse geführt.

Denn: Zwischen Barbaraweg und Florastrasse stehen Liegenschaften dicht an der Strasse. Für eine Busspur müsste man sie abreissen. «Das wäre unverhältnismässig», sagt Projektleiter Markus Kissling.

Nach der Einmündung Florastrasse hat es wieder mehr Platz. Hier wird die Buchserstrasse zu einem Boulevard ausgebaut. Zwischen den Fahrbahnen liegt ein Mehrzweckstreifen (wie bei der Bahnhofstrasse Aarau). Auf der Nordseite gibt es eine Busspur stadteinwärts bis zum Gais-Kreisel, auf der auch Velos fahren dürfen. Daneben liegt ein überbreites Trottoir mit Baumallee.

«Grosser Einfluss auf Pünktlichkeit»

Die Grobkostenschätzung beläuft sich auf rund 25 Mio. Franken. Weil im Innerortsbereich gebaut wird, müssen Buchs, Suhr und Aarau einen Teil übernehmen. Projektleiter Kissling rechnet auch mit einem Zustupf aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes.

Derweil bleibt den Passagieren und Buschauffeuren nichts anderes übrig, als zu warten. Im Stau und auf die Busspur. «Sie wird einen sehr grossen Einfluss auf unsere Pünktlichkeit haben», sagt AAR bus+bahn -Sprecher Erwin Rosenast. Ob er denn zufrieden sei mit dem Tempo, mit dem das Projekt vorangetrieben wird? Rosenast lacht. «Entscheidend ist, dass es gemacht wird», sagt er.

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