Lenzburg/Oberentfelden

Spardruck belastet Behinderten-Stiftung

Die «Stiftung für Behinderte» verfügt an den Standorten Lenzburg und Oberentfelden über 280 Arbeits- und Beschäftigungsplätze. (Symbolbild)

Die «Stiftung für Behinderte» verfügt an den Standorten Lenzburg und Oberentfelden über 280 Arbeits- und Beschäftigungsplätze. (Symbolbild)

Die «Stiftung für Behinderte» muss wegen der schlechten Zinslage Freizeitaktivitäten streichen. Zudem muss man aufgrund des Spardrucks vom Kanton an Personal sparen.

Die Zinserträge sind momentan für alle tief. Und die «Negativ-Zinsen» sind in aller Munde. Das spüren nicht nur Privatanleger, sondern speziell auch Stiftungen. Bei der «Stiftung für Behinderte – Orte zum Leben» haben die tiefen Zinsen dazu geführt, dass der Stiftungsrat dieses Jahr erstmals das Stiftungsvermögen anzapfen musste.

Die «Stiftung für Behinderte» verfügt an den Standorten Lenzburg und Oberentfelden über 280 Arbeits- und Beschäftigungsplätze für Personen mit einer Behinderung. Darüber hinaus bietet die Stiftung ihren Klienten betreutes Wohnen, Bildungsmöglichkeiten sowie diverse Freizeitaktivitäten. Finanziert wird die Stiftung einerseits durch Erträge aus Arbeitsleistungen der betreuten Personen. Am Standort Lenzburg gibt es unter anderem eine Velowerkstatt, eine Teppichweberei und einen Verkaufsladen mit diversen selbst hergestellten Produkten. Weitere Einnahmequellen sind Betriebsbeiträge vom Kanton, die zur Deckung von Betriebskosten vorgesehen sind. Hinzu kommen Spendeneinnahmen und Zinserträge aus dem Stiftungsvermögen.

Freizeitaktivitäten reduziert

Ebenjene Zinserträge sind laut Stiftungsleiter Martin Bhend in den letzten fünf Jahren sehr tief. Das Vermögen der Stiftung für Behinderte ist in unterschiedlichen zweckgebundenen Fonds angelegt und wirft entsprechend dem Zinsniveau höhere oder tiefere Erträge ab. Einer dieser aus Spendengeldern gespeisten Fonds ist für die Finanzierung von Weiterbildungen und Freizeitaktivitäten vorgesehen. Da die Zinserträge des besagten Fonds in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sind, musste der Stiftungsrat dieses Jahr erstmals das Fondskapital anzapfen. «Dass wir Grundkapital abschöpfen, war nie vorgesehen», sagt Martin Bhend. Angesichts des geringen Zinsertrags von rund 1000 Franken sei dieser Schritt jedoch notwendig gewesen.

Leidtragende der tiefen Zinserträge sind die Behinderten. Die Stiftung hat ein vielseitiges Angebot an Freizeitaktivitäten. Dazu gehören Kinobesuche, Disco-Veranstaltungen, Theatergruppen, ein Behinderten-Sportclub, die Organisation von Gruppenreisen und ein alljährliches Ferienlager am Hallwilersee. Dieses Freizeitangebot muss nun eingeschränkt werden. Das Ferienlager kann nur dank der Hilfe von Freiwilligen durchgeführt werden und die Gruppenreisen mussten laut Martin Bhend in den letzten Jahren sogar komplett gestrichen werden. «Das ist sehr schade», sagt Stiftungsratspräsidentin Sabine Sutter-Suter. «Es ist wichtig, dass die Behinderten auch ausserhalb der Arbeit Zeit miteinander verbringen können.»

Kantonale Sparvorgaben

Die «Stiftung für Behinderte» muss allerdings nicht nur beim Freizeitangebot, sondern auch bei den Betriebskosten sparen. Der Grund dafür ist der Spardruck des Kantons. Das vom Grossen Rat verabschiedete Budget 2016 sieht vor, dass Stiftungen jährlich 2 Prozent weniger Betriebsbeiträge erhalten. Gleichzeitig erhöhe man laut Martin Bhend laufend die Qualitätsrichtlinien für Stiftungen. «Es wird für uns zunehmend schwierig werden, den kantonalen Leistungsauftrag zu erfüllen.» Schon in den letzten sechs Jahren konnten keine Lohnanpassungen vorgenommen werden. Bereits seien einige Leistungsträger abgesprungen und auch künftig werde man immer grössere Schwierigkeiten haben, gut ausgebildetes Personal zu rekrutieren.

Direkt betroffen von den kantonalen Sparvorgaben ist zwar nur das Betreuungspersonal der Stiftung, indirekt werden aber auch die Behinderten darunter leiden, so Bhend. «Sie verlieren durch den Weggang von langjährigen Betreuern wichtige Bezugspersonen.»

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