Die Luft ist staubtrocken, flockige Hobelspäne fliegen durch den Raum. Eine Bohrmaschine rattert ununterbrochen und übertönt das laute Hämmern und Feilen. Es herrscht eine Geschäftigkeit im Raum, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Plötzlich erklingt ein schriller Pfiff, der die Maschinen verklingen lässt.

Wir befinden uns mitten in der Vorausscheidung für die Schreiner-Weltmeisterschaften an der AMA. Die 30 besten Lehrlinge der Zentral- und Nordwestschweiz werken an einem Vasenständer, für welchen die anspruchsvollsten Fertigkeiten gefragt sind: Aufzeichnen, Sägen von Hand und mit der Maschine, Ausstemmen, Bohren, Schleifen und Verleimen. Auf Hilfe angewiesen scheint hier jedoch niemand zu sein. Die Kandidaten sägen konzentriert und selbstbewusst an ihren Holzbalken herum und lösen sich wortlos an den grossen Maschinen ab.

Schweizweit haben sich rund 900 Lehrlinge angemeldet. Die zwei Besten können dann im August 2015 an der Weltmeisterschaft in São Paulo gegen die internationale Konkurrenz antreten.

Einer, der schon Erfahrung hat, ist Prisco Egli. Selber stand er vor zwei Jahren an der Hobelbank und sägte und zeichnete sich bis in die Schweizer Nationalmannschaft der Schreinerlehrlinge. In Leipzig dann gewann er dank perfekter Planung den Weltmeistertitel und ist nun als Experte an den diesjährigen Vorausscheidungen dabei. Rivalitäten gebe es unter den Kandidaten selten: «Man weiss zwar, wie gut man selber gearbeitet hat und wie gut das Objekt ist. Was aber die Konkurrenz erstellt hat, das erfährt man erst ganz am Schluss», sagt Egli. Mühe bereite ihm momentan nur das Zuschauen, wenn einem Kandidaten ein Fehler unterlaufe und er ihm nicht weiterhelfen dürfe.

Bis anhin nur eine Fräse kaputtgemacht hat Samuel Friess aus Unterentfelden. Der 19-jährige Schreinerlehrling ist im dritten Lehrjahr und hat sich rund 200 Stunden lang für die diesjährige Meisterschaft vorbereitet. Es brauche Durchhaltewille und eine unbändige Motivation, meint er. Und Selbstvertrauen: «Meine Unterstiften wollten alle nicht mitmachen. Sie meinten, ich könne das Schreinern halt am besten.»

Ein zweiter, schriller Pfiff erklingt nach 15 Minuten Pause in der Halle. Samuel setzt sich seine Ohrenschützer auf und stellt sich wieder an die Hobelbank. Unter lautem Hämmern und Sägen wird weiter ambitioniert am Vasenständer gearbeitet. Die Rangverkündigung der drei besten Kandidaten findet heute Sonntag um 14 Uhr im Aarauer Schachen an der AMA statt.