Zwei FDP (Ammann Urs Affolter und Gemeinderat Anton Kleiber), je einer aus der EVP (Walte Wyler), CVP (Tony Süess) und SVP (Vizeammann Hansruedi Werder) - alles Bisherige.

Nun präsentieren die Sozialdemokraten doch noch einen Kandidaten. Mit Dimitri Spiess (29) wollen sie den Sitz zurückholen, den sie vor vier Jahren mangels Kandidaten kampflos aufgegeben hatten. Spiess bewirbt sich ausserdem als Vizeammann.

Die SP schickt damit ihr bestes Pferd ins Rennen: 2013 wurde der Newcomer mit dem Top-Resultat aller Sozialdemokraten in den Einwohnerrat gewählt, wo er als engagierter Redner auffällt. Dimitri Spiess sitzt auch in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission, in der Ortsparteileitung, im Kreisschulrat, im Vorstand der Gewerkschaft VPOD Aarau.

Und er ist einer der führenden Köpfe hinter dem gewonnenen Bärenplatz-Referendum in Buchs. Kurz: Wenn einer gegen die Bisherigen Chancen hat, dann Spiess.

Ein richtiger Genosse

Wes Geistes Kind Dimitri Spiess ist, wird schon bei seinen E-Mails klar. Unterschrieben sind sie mit «solidarische Grüsse», er schreibt von «dem/der Fotograph*in». Er kommt aus einer politischen Familie.

Vater Beat sitzt auch im Buchser Einwohnerrat, allerdings auf der anderen Seite des Saals, bei der FDP. Die Mutter wollte einst für die LDU in den Grossrat, der Grossvater war Gemeindeammann in Hausen, der Götti ist Vizeammann in Sarmenstorf. Dimitri Spiess, der Menschenrechte als «das höchste Gut überhaupt» bezeichnet, hat seine politische Heimat bei der SP gefunden. Politisch aktiv ist er schon lange – bereits in der Oberstufe hat er ein Schülerparlament gegründet.

Nach der Schulzeit in Gränichen und Buchs besuchte Spiess die Alte Kanti in Aarau und war Wachtmeister im Militär (Sanität), bevor er sich nach drei WK entschied, in den Zivildienst zu wechseln.

Später liess er sich an der Höheren Fachschule zum Pflegefachmann ausbilden, arbeitete in verschiedenen Spitälern – unter anderem drei Monate in Äthiopien – und ist im Moment am Kantonsspital Aarau tätig. Er wird sein Arbeitspensum reduzieren; entweder, um als Gemeinderat zu amten oder um Pflege an der Fachhochschule zu studieren.

«Sehe Steigerungspotenzial»

Spiess ist liiert und wohnt heute im Quartier Torfeld. In der Freizeit spielt er Posaune in der Band Beat Moustache und Hockey bei den Egerkinger Blue Kings. Er sagt von sich, er könne berufsbedingt gut Gespräche führen – auch in sehr schwierigen Situationen.

Er sei zudem jung, flexibel, engagiert und ein analytischer Schnelldenker – «und das ist noch nicht einmal alles», sagt er und lacht. Im Gemeinderat will er eine Stimme sein für das linke Spektrum, das im Moment nicht vertreten sei.

An Gestaltungsideen mangelt es Dimitri Spiess nicht. Er kritisiert den aktuellen Gemeinderat zwar nur zurückhaltend – man habe vieles auf den Weg bringen können in der letzten Amtsperiode, «aber ich sehe noch Steigerungspotenzial». Ein dringendes Anliegen ist ihm der Erholungsraum, die Grünflächen. «Im Zusammenhang mit dem geplanten Bau von Kleinwasserkraftwerken durch die IBAarau soll der Suhrenraum renaturiert werden.»

Er will sich ausserdem einsetzen für «Verdichtung, dort wo es Sinn macht», für bessere Einbindung der Jugendlichen in die Dorfpolitik, für ein angemessenes Angebot an Alterswohnungen, für ausgeweitete Kinderbetreuungs-Strukturen und mehr Investitionen ins Dorfleben. «Wir kürzen den Vereinen die Beiträge und sparen so den gesellschaftlichen Klebstoff weg. Buchs braucht mehr Vereinsleben, mehr Quartierfeste, mehr kulturelle Anlässe.»

Steuern zehn Prozent erhöhen

Doch das alles kostet. Buchs sieht sich mit sinkenden Steuereinnahmen, vor allem bei den Aktiensteuern, konfrontiert. Gleichzeitig kommen in den nächsten Jahren hohe Investitionen auf die Gemeinde zu, vor allem in Sachen Schulbauten. Um eine Steuerfusserhöhung komme man deshalb nicht herum, so Spiess.

110 Prozent schwebt ihm vor, 10 Prozentpunkte mehr als heute. «Wir müssen uns an Suhr orientieren, nicht an Aarau», sagt er. Und: «Viele Bürgerliche hoffen, dass das Steuersubstrat von alleine wieder ansteigt. Ein Roger Federer wird aber nicht nach Buchs ziehen, dafür haben wir zu wenig attraktive Wohnlagen.»

Es brauche deshalb «eine nachhaltige Finanzpolitik, damit wir mehr Spielraum haben. Wenn wir weiter Schulden machen, sägen wir uns ins eigene Bein und verbauen den kommenden Generationen ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Es treibt uns in eine Fusion.» Was, das sagt Spiess offen, in seinem Sinne wäre: «Ich bin Mitglied im Verein InFusion. Meiner Meinung nach ist eine engere Zusammenarbeit, vor allem mit Aarau, erstrebenswert.»