Küttigen
SP-Ortspartei fordert doch noch Prüfung der Fusion mit Aarau

Die SP Küttigen-Rombach will, dass sich die Gemeinde weiterhin am Zukunftsraum Aarau beteiligt. Der Gemeinderat hatte letzte Woche überraschend verkündet, dass sich Küttigen aus dem Projekt zurückziehe.

Nadja Rohner
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Die Nachricht kurz vor Auffahrt kam überraschend. Erst teilte die Stadt Aarau im Namen der verbliebenen Zukunftsraum-Gemeinden mit, welche fünf in die Ausarbeitungsphase gehen, sprich konkrete Fusionsprojekte prüfen. Neben Aarau sind das Suhr, die beiden Entfelden und Densbüren. Küttigen war nicht dabei. Die fusionsfreudigen Küttiger Kräfte fielen darob aus allen Wolken. Denn erst vor einem Monat hatte Gemeindeammann Dieter Hauser im az-Interview die Resultate einer Bevölkerungsumfrage erklärt und gesagt: «Die Euphorie für eine Fusion mit Aarau und Biberstein ist sicher nicht riesig, aber es ist eine gewisse Offenheit spürbar.»

Nun will der Küttiger Gemeinderat vom Zukunftsraum nichts mehr wissen und keine Fusionen prüfen. Wie kommt das? «Im Zukunftsraum ging es ursprünglich darum, die Vor- und Nachteile einer verstärkten Zusammenarbeit mit denen von Fusionen zu vergleichen», sagt Dieter Hauser. Die Zusammenarbeit wird nun im Rahmen des neuen Planungsverbandes Aarau Regio intensiviert. Weil in der Ausarbeitungsphase des Zukunftsraums jetzt nur noch Fusionen geprüft würden und weil die beiden Nachbarn links und rechts, Erlinsbach und Biberstein, aus dem Zukunftsraum ausgestiegen seien, hätten sich die Rahmenbedingungen geändert und Küttigen höre nun ebenfalls auf. «Was vom Zukunftsraum übrig geblieben ist, entspricht nicht mehr der ursprünglichen Idee der Initianten», sagt Hauser. Nach einer Fusion mit den fünf verbliebenen Gemeinden habe man in der Bevölkerungsumfrage zudem nicht explizit gefragt. Zwar wäre es möglich, dass Küttigen in der Ausarbeitungsphase mitmacht und sich dabei auf eine Fusion nur mit Aarau beschränkt. «Das Gros der Gesamtbeurteilung», so Dieter Hauser, habe den Gemeinderat aber dazu bewogen, das nicht zu tun.

«Nicht nachvollziehbar»

Das kommt im Dorf nicht bei allen gut an. Die SP Küttigen-Rombach fühlt sich durch die gemeinderätliche Kehrtwende vor den Kopf gestossen. Eben erst hatte Präsidentin Marianne Schmid noch eine freudige Rundmail an die Mitglieder versandt: «Wir haben es geschafft, jetzt geht es in die Ausarbeitungsphase.» Und nun das. «Wir sind erstaunt und irritiert», sagt Schmid im Namen ihrer Partei. Die SP Küttigen-Rombach könne «nicht nachvollziehen, wieso der Gemeinderat einen Entscheid fällt, bevor die definitiven Resultate der Befragung vorliegen, diese vertieft bearbeitet und der Bevölkerung vorgestellt wurden». Marianne Schmid verweist auf die Infoveranstaltung zum Zukunftsraum, die im Februar im Spittel stattgefunden hatte. Ein Votant sagte damals sinngemäss, er könne sich nicht entscheiden, ob eine Fusion Sinn machen würde – dazu brauche er mehr Informationen. «Ich gehe davon aus», so Schmid, «dass es auch vielen Teilnehmenden der Umfrage so gegangen ist.»

Damit könnte Schmid recht haben – wie Ammann Dieter Hauser im az-Interview vom 8. April ausführte, hatte punkto Fusion Aarau–Küttigen eine «rechte Anzahl der Teilnehmer» ihre Meinung als ‹unsicher› deklariert. Die Universität Bern interpretierte dies in der Auswertung als «Befürworter und Gegner einer Fusion halten sich die Waage».

«Der Gemeinderat brüskiert also die Hälfte der Bevölkerung», gibt Marianne Schmid zu bedenken. «Sein Argument, die Rahmenbedingungen hätten sich geändert, können wir nicht nachvollziehen – denn der Gemeinderat schuldet uns immer noch die genauen Resultate.» Bisher, so Schmid, sehe es aus, als sei die Umfrage alles andere als eindeutig gewesen. Die SP fordert, der Gemeinderat möge den Entscheid noch einmal überdenken. «Wir überlegen uns auch, wie wir politisch darauf reagieren», sagt Schmid. «Durch die Ausarbeitung von konkreten Fusionsprojekten verlieren wir nichts, im Gegenteil. Wir können uns einbringen.» Der Gemeinderat stehe in der Verantwortung, fundierte Grundlagen zu erarbeiten und den Einwohnerinnen und Einwohnern die Vor- und Nachteile einer möglichen Fusion aufzuzeigen. Dabei sollen verschiedene Partner ins Auge gefasst werden. «Der Entscheid von Biberstein und Erlinsbach kann diese Auseinandersetzung für Küttigen nicht vorwegnehmen», so die Meinung der Sozialdemokraten.

Infos an Gmeind

Die SP sieht in einer Fusion mit Aarau durchaus Vorteile. So weist die Ortsparteipräsidentin auf Probleme hin, die auf die Gemeinde zukämen, wie etwa die drohende Schliessung des Oberstufenstandorts auf Stock. «Wären wir ein Stadtteil von Aarau, könnte man die Schulraumplanung gemeinsam angehen.»

Laut Ammann Dieter Hauser werde man an der Gemeindeversammlung vom 1. Juni über die Ergebnisse der Umfrage orientieren. Möglich, dass die SP dann mit einem Vorstoss fordert, die Fusion mit Aarau doch noch zu prüfen.