Der Überraschungsgast kam zu spät: Der Spatenstich für die neuen Fuss- und Velobrücken zwischen Auenstein und Rupperswil war vollzogen, die Reden gehalten und der Weisswein beim Apérobuffet wurde immer wärmer. Doch für einen solch spektakulären Auftritt, den es wohl noch bei keinem Spatenstich gegeben hat, wartet man gerne etwas länger: SP-Grossrat Martin Brügger, ehemaliger Fallschirmgrenadier, löste ein Versprechen gegenüber Regierungsrat Stephan Attiger und Kantonsingenieur Rolf H. Meier ein.

Brügger habe schon lange mit einer solchen Aktion «plagiert», scherzte Meier, und am Morgen vor dem Spatenstich habe ihn der Grossrat dann angerufen und seinen Absprung aus einem Kleinflugzeug angekündigt. Brügger brachte nicht nur die Aargauer Fahne mit, sondern auch «ein Späteli» – für zwei Fuss- und Radwegbrücken reiche das.

Strasse gehört den SBB

Die beiden fast 100 Meter langen Bauwerke werden parallel zu den bestehenden Brücken über die Aare und den Unterwasserkanal gebaut. Sie sollen die Sicherheit für den Langsamverkehr erhöhen, denn die bestehenden Autobrücken sind extrem schmal.

Kantonsingenieur Rolf H. Meier betonte, das Projekt sei in mehrfacher Hinsicht einzigartig: Erstens schliesse es eine Schlüsselstelle im rund 900 Kilometer langen Aargauer Radwegnetz. «Zweitens handelt es sich bei den Brücken um das einzige Stück Kantonsstrasse im Aargau, das nicht dem Kanton gehört, sondern den SBB – die Brücken wurden für das Wasserkraftwerk Rupperswil-Auenstein gebaut.» Und drittens sei das Projekt auch optisch ansprechend: «Das gibt zwei wunderschöne Brücken.»

Ausgeführt werden die Brückenträger in Holz – «Schweizer Holz», präzisierte Regierungsrat Stephan Attiger. Der Kanton sei angehalten, solches bei seinen Bauwerken zu nutzen, aber bei Brücken, die Schwerverkehr aufnehmen müssen, sei das eher schwierig. «Hier haben wir ein Leuchtturmprojekt, das zeigt, was man mit dem wertvollen Baustoff Holz alles machen kann.»
Für den Kanton sei klar gewesen, dass man aufgrund der gestiegenen Mobilität in Beruf und Freizeit hier im Auenschutzpark investieren müsse. «Es hat aber lange gedauert – vielleicht ein bisschen zu lange.» Mit ein Grund für die Verzögerung seien die speziellen Eigentumsverhältnisse gewesen.

Die beiden Gemeindeammänner Reto Porta (Auenstein) und Ruedi Hediger (Rupperswil) brachten ihre Freude über den Baustart und das weitere verbindende Element zwischen den beiden Gemeinden zum Ausdruck. «Wir warten schon so lange auf diese Brücken», sagte Porta. «Unsere Wünsche gehen in Erfüllung», doppelte Hediger nach, der erzählte, wie er sich jeweils als Primarschüler gefürchtet habe, von Rupperswil über die engen Brücken zur Badi Auenstein zu fahren. Ab Frühling 2020 wird das nicht mehr nötig sein.