Nach Messerattacke
SP-Einwohnerrätinnen: "Aarau muss Verantwortung für die Flüchtlinge übernehmen"

Die Stadt soll sich mehr um die Situation der in Aarau untergebrachten Flüchtlinge kümmern. Das fordern die Einwohnerrätinnen Silvia Dell'Aquila und Lelia Hunziker nach der tödlichen Messerattacke in der Asylunterkunft.

Nadja Rohner
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Die Stadt Aarau solle dafür besorgt sein, dass es den Asylsuchenden in Aarau gut gehe, fordern die SP-Einwohnerrätinnen. (Symbolbild)

Die Stadt Aarau solle dafür besorgt sein, dass es den Asylsuchenden in Aarau gut gehe, fordern die SP-Einwohnerrätinnen. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

"Die Stadt Aarau ist zwar nicht zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen – doch die Menschen, die in den Unterkünften leben, sind Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Aarau." Mit diesem Argument begründet die SP-Einwohnerratsfraktion, namentlich Lelia Hunziker und Silvia Dell'Aquila, ihre aktuelle Anfrage an den Stadtrat. Dieser solle sich beim Kanton mehr dafür einsetzen, dass die Flüchtlinge in der Stadt gut versorgt seien. Das Problem: "Der Standard der Unterbringung und die Betreuung sind sehr unterschiedlich."

Berichten von Privaten zufolge, so die Anfrage weiter, sei die Infrastruktur und die Hygiene in einigen Unterkünften mangelhaft. Auf Anfrage der az nennt Lelia Hunziker als Beispiel eine defekte Waschmaschine, die während mehrerer Wochen nicht repariert worden sei, sodass die Bewohner in der betroffenen Asylunterkunft nicht mehr hätten waschen können.

Lelia Hunziker und Silvia Dell'Aquila stellen sich auf den Standpunkt, dass, wer in Aarau wohne, Teil der Bevölkerung sei – auch Flüchtlinge. "Das sind Aarauerinnen und Aarauer", sagt Hunziker. "Oder wo fängt dann bitte das Aarauer-Sein an und wo hört es auf?"

Der Einwohnerrat sei für die ganze Bevölkerung der Stadt zuständig. Deshalb wollen die Einwohnerrätinnen in ihrer Anfrage wissen, ob der Stadtrat "Kenntnis hat über die Situation sämtlicher Unterkünfte in Aarau". Und: "Inwieweit kann die Stadt bei Missständen Einfluss nehmen?"

Ihre Anfrage basiere auf der Forderung, "dass wir von der Stadt erwarten, dass sie auch für die Menschen in den Unterkünften Verantwortung übernimmt", sagt Lelia Hunziker, die die Anlaufstelle Integration Aargau leitet.

"Uns ist es wichtig, dass alle menschenwürdig leben, dass die Kinder zur Schule gehen und dass alle am Leben in Aarau partizipieren", so Hunziker. "Wir hoffen – oder wir werden allenfalls fordern –, dass regelmässig jemand von der Stadt in die Unterkünfte geht und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern redet. Klappt alles? Fühlen sie sich sicher? Funktionieren die Geräte? Gibt es genug Decken? Können die Kinder die Schule besuchen und in der Unterkunft lernen, oder ist es zu laut? Gibt es Schimmel? Gibt es Reinigungsmittel? Was müsste sich ändern? Einfach: die Menschen willkommen heissen."

Lelia Hunziker betont, dass "viele Unterkünfte ganz viel sehr gut machen". Trotzdem schade es nicht, das Gespräch mit den Geflüchteten zu suchen – bestenfalls gewinne man die Erkenntnis, dass es gut laufe.

Die Anfrage wurde zwar just zwei Wochen vor dem gewaltsamen Tod eines Asylsuchenden in der unterirdischen Unterkunft beim Kantonsspital Aarau eingereicht. "Das ist aber Zufall", sagt Lelia Hunziker. "Mit so etwas konnte niemand rechnen."