Gränichen

Sozialhilfeempfänger räumen zwei Mal pro Woche das Dorf auf

Silvio Hochuli (links), Leiter der Abfalltruppe: «Solche Dosen finden wir wirklich überall.» kus

Silvio Hochuli (links), Leiter der Abfalltruppe: «Solche Dosen finden wir wirklich überall.» kus

Liegen gelassener Abfall, also «Littering», ist ein Top-Thema in der Bevölkerung. In Aarau gründete einer eine «Güselwehr», in Buchs lancierte ein Polizist eine Plakatkampagne. Nun schickt Gränichen arbeitslose Bürger durch das Dorf, um aufzuräumen.

Seit Mitte April sind sechs Sozialhilfeempfänger in Zweier-Teams jeweils samstags und dienstags auf verschiedenen Routen unterwegs und sorgen für ein blank geputztes Dorf.

«Die Leute regen sich auf, wenn es nicht sauber ist», sagt Gemeinderat Ruedi Gautschi, «wir konnten nicht länger zusehen.» Auch bei der Leiterin der Sozialen Dienste, Maraj Dürig, beklagten sich Gränicher. Speziell über die Zustände bei den Bänkli bei der Jowa, am Hans-Schaffner-Platz und dem Parkplatz bei der Liebegg.

Jetzt ist Gränichen wieder sauber. Bis im Herbst werden die Teams unterwegs sein – je nach dem, wie sich das Projekt entwickelt, auch im Winter.

«Wir hatten überhaupt keine Mühe sechs Arbeitslose zu finden, die mitmachen», sagt Maraj Dürig, das habe sie selbst überrascht.

Zumal die Abfallsammler zwar einen Lohn bekommen, dafür aber die Sozialhilfe im gleichen Rahmen gekürzt wird.

Positives oder negative Wirkung?

Gemeinderat Ruedi Gautschi, ist sich bewusst, dass damit den Abfallsündern auch signalisiert werden könnte, dass es egal ist, den Abfall nicht zum nächsten Kübel zu tragen, weil ja ohnehin die Littering-Truppe vorbei kommt.

«Aber es könnte auch eine positive Signalwirkung haben», sagt er, «die Männer in den orangen Westen fallen auf, die Bevölkerung sieht, dass Abfall nicht toleriert wird.» An der Gemeindeversammlung gab es für das Projekt spontanen Applaus.

Lohn: Ein gutes Arbeitszeugnis

Und die Abfallsammler selbst? Woher nehmen sie die Courage gekennzeichnet mit Abfallwägeli und Klemmzange durchs Dorf zu gehen?

«Es tut gut, mal wieder etwas tun zu können und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können», sagt Silvio Hochuli, seit längerem arbeitslos. Er ist der Gruppenleiter.

«Die Leute sollen sehen, dass wir nicht alle faule Hunde sind.» Die Sozialhilfebezüger hoffen, mit einem guten Arbeitszeugnis der Gemeinde schneller wieder eine Stelle zu finden.

Die Werkhofarbeiter sind trotz der Truppe noch im Dorf unterwegs und leeren die Kübel. Doch der geringere Arbeitsaufwand sei spürbar, sagt Gemeinderat Gautschi.

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