Rund 100 Aargauer Gemeinden lassen ihre Sozialhilfefälle vom Aussendienst des Kantonalen Sozialdienstes abklären, der auch Unregelmässigkeiten aufdecken soll. Oberentfelden setzt dafür aus Spargründen neu auf eine private Firma. Die Stadt Aarau geht einen dritten Weg: Sie macht die Abklärungen selber. Die az hat mit Johannes Enkelmann, Stellvertretender Leiter der Sozialen Dienste Aarau, gesprochen.

Herr Enkelmann, was machen Sie in Aarau gegen Sozialhilfemissbrauch?

Johannes Enkelmann: Wir haben eine wichtige Philosophie: Die beste Vorbeugung ist eine professionelle Sozialarbeit. Wir investieren sehr viele Ressourcen in die persönliche Kommunikation mit den Klienten. In Gesprächen lassen sich Widersprüche am besten aufdecken. Und wenn wir auf Widersprüche stossen, konfrontieren wir die Klienten konsequent damit. Wenn sich der Verdacht auf einen Missbrauch nicht ausräumen lässt, ziehen wir einen Experten zu, zum Beispiel einen Detektiv oder einen Sozialversicherungsexperten. Der Stadtrat hat dafür einen jährlichen Kredit bewilligt.

Und wenn es sich tatsächlich um einen Missbrauch handelt?

Dann bringen wir das konsequent zur Anzeige. Das ist sehr hart für den Klienten, hat aber auch eine deutliche Signalwirkung nach aussen.

Wie oft kommt das im Jahr vor?

So selten, dass eine Angabe nicht repräsentativ wäre. Es sind aber sicher weniger als ein Prozent der Fälle. Die Fallzahlen schwanken in Aarau insgesamt zwischen 450 und 500 Dossiers. Ein sogenannter «Sozialhilfefall» kann mehrere Personen beinhalten, zum Beispiel Familien. Im Schnitt besteht ein Dossier wohl aus etwa eineinhalb Personen.

Die Stadt Aarau arbeitet nicht mit dem Aussendienst des Kantonalen Sozialdienstes (KSD) zusammen. Warum?

Wir haben uns sehr intensiv mit dem Angebot auseinandergesetzt, auch in Zusammenarbeit mit Fachleuten. Für uns geht das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht auf. Flächendeckende Hausbesuche bei allen Gesuchstellern, wie sie der KSD macht, halten wir nicht für zielführend. Besser wäre, der Kanton würde ein zweites Angebot für die Gemeinden schaffen, das Besuche nur bei Bedarf beinhaltet oder bei einem Verdacht ganz gezielte Abklärungen vornimmt.

So wie es die Sozialen Dienste Aarau machen?

Ja. Wir machen auch Hausbesuche, aber immer angemeldet. Der KSD leistet sicherlich gute Arbeit, aber wir setzen andere Prioritäten. Ein Beispiel: Der Aussendienst des KSD merkt, ob ein Sozialhilfebezüger nicht allein in seiner Wohnung wohnt. Er merkt aber nicht, ob der Klient einen IV-Rentenanspruch hätte, der noch nicht geltend gemacht wurde. Letzteres würde die Stadtkasse jedoch ungleich mehr entlasten. Wenn wir von den Sozialen Diensten Aarau die Abklärungen selber machen, können wir den Fall ganzheitlicher betrachten.