Ruhige Geschäftigkeit ist am Sonntagvormittag in der Stadtbibliothek Aarau zu spüren. Der Anlass «Gigampfe, Värsli stampfe» mit Krabbelmärchen und Fingerspielen für Kleinkinder ist eben zu Ende gegangen, das Lachen und Plaudern der Mädchen und Buben hallt noch durch das Treppenhaus.

Es herrscht nicht gerade der grosse Ansturm an der Theke der Bücherausleihe, doch regelmässig öffnet sich die Türe und neue Besucher betreten das Haus am Graben, schütteln die Regentropfen von Jacken und Schirmen und tauchen ein in die Welt der Bücher.

Besucherzahl schwankt noch

Seit Oktober hat die Stadtbibliothek auch am Sonntag geöffnet und Beatrice Altorfer, Leiterin Geschäftsgang und Kommunikation, berichtet, dass das Bibliotheksteam durchaus zufrieden sei mit den Besucherzahlen.

«Je nach Wetter haben wir zwischen 250 und 500 Eintritte. Das ist etwas weniger als unter der Woche, wo es jeweils rund 540 sind.» Das Ziel wäre, auch an Sonntagen diese Zahlen zu erreichen. «Es braucht aber ein bisschen Zeit, bis die Leute ihre Gewohnheiten umstellen», meint Altorfer. 

Die Stimmung sei am Sonntag allerdings anders als unter der Woche, erzählt die Bibliothekarin. «Die Leute nehmen sich mehr Zeit, sie bleiben länger, setzen sich eher hin und lesen ein bisschen.» Viele Familien würden die Chance ergreifen, um gemeinsam die Bibliothek aufzusuchen. «Man sieht mehr Väter als unter der Woche.»

Einen Familienausflug haben auch Christine und Adrian Peter aus Erlinsbach zusammen mit ihren Kindern Viviane und Valentin unternommen.

Der regnerische Morgen war wie geschaffen für ihren ersten Sonntags-Bibliotheksbesuch. «Es ist nicht so voll wie am Samstag oder unter der Woche», erklärt Christine Peter.

«Man kann viel entspannter die Bücher auslesen.» Die Erstklässlerin Viviane hat sich unter anderem das Leserabe-Buch «Zwei Freunde auf heisser Spur» ausgesucht, Valentin liebt «Papa Moll».

Zum Diskutieren ins Café

Selbstverständlich hat auch das Café littéraire geöffnet. Die gemütliche Atmosphäre im hellen Raum mit Blick auf den Kasinopark schätzen drei Frauen aus Suhr, die sich zum Kaffee treffen.

Aber nicht zum Kaffeeklatsch, wie sie betonen, sondern für politische Diskussionen. Anschliessend wollen sie noch Bücher ausleihen.

Brigitta und Albert Scheuber aus Oberentfelden hingegen sind gekommen, um in der Bibliothek die Zeitung zu lesen.

«Zu Hause haben wir sie auf dem iPad, aber hier geniesse ich es, darin zu blättern und das Rauschen zu hören», meint Brigitta Scheuber. Susanne Metzger nutzt gerne das Angebot an Hörbüchern.

«Ich bin viel im Auto unterwegs», erzählt die Küttigerin, die zum ersten Mal das Sonntagsangebot nutzt.

«Es herrscht eine ganz besondere Stimmung heute», meint sie. In Zukunft wohl häufiger werden Christine Speich Huber und ihre Töchter Anna und Erika Huber am Sonntag Bücher ausleihen. «Die Mädchen haben unter der Woche immer mehr zu tun», erklärt die Mutter.

Noch bis zum 3. April ist die Stadtbibliothek sonntags geöffnet. Im Sommer können Bücher in der Badi ausgeliehen werden, doch im nächsten Winterhalbjahr soll die Sonntagsöffnung wieder eingeführt werden.