Plötzlich geht in der Heilpädagogischen Schule Aarau der Alarm los. In der Küche der Einrichtung breitet sich immer mehr Rauch aus. Die Betreuer strömen mit ihren Klassen auf den Gang.

«Es brennt in der Villa blau. Verlasst das Schulhaus zügig über den Notausgang», weist Schulleiterin Carmen Pirovano die Klassen an. Nur wenige Minuten später befinden sich alle auf dem Parkplatz hinter der Schule.

Carmen Pirovano ist froh, dass die Übung geglückt ist. «Eine Evakuationsübung durchzuführen, ist mir sehr wichtig», betont sie.

Denn die Schulleiterin hat Erfahrung damit, was passiert, wenn der Ernstfall nicht geübt wird. «Ich komme aus dem sonderpädagogischen Bereich. Da haben wir immer wieder mit Leuten zu tun, die austicken und auf andere losgehen.»

So auch vor einigen Jahren in einer Einrichtung im Berner Oberland. «Ich konnte den Schüler zwar beruhigen und von der Schule wegbringen, aber es hat mich einfach niemand gesehen, der mir hätte helfen können, und zurück in die Schule konnte ich nicht. Am Schluss musste die Polizei kommen.» Einen solchen Fall will Carmen Pirovano nie wieder erleben. Deshalb hat sie die Feuerwehr angefragt, eine Übung an der HPS durchzuführen.

Erste Übung an der HPS

Für die Schule ist es die erste Evakuationsübung überhaupt. «Mit kognitiv behinderten Kindern ist es schwierig, da man ihnen so eine Übung nicht wirklich erklären kann», sagt Carmen Pirovano. Beunruhigt war sie deshalb aber nicht. «Wir haben die Sache in der Hand. Wenn die Angestellten sich ruhig verhalten, bleiben auch die Schüler ruhig.»

Und tatsächlich: Die Übung klappt wie am Schnürchen. Nach anfänglicher leichter Unsicherheit und Verwirrung von Seiten der Schüler sind die Gemüter schnell wieder beruhigt. «Bleibt zusammen», hört man auf dem Weg zum Sammelplatz mehrmals.

«Ich will nur nicht, dass mein Handy verbrennt», sagt ein Mädchen besorgt. Dann fährt das Feuerwehrauto am Parkplatz vorbei und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

«Düda, düda, düda», imitieren einige Kinder die Sirene. Nach einer Weile tritt der Einsatzleiter der Feuerwehr auf den Platz und informiert Carmen Pirovano über den Einsatz.

Im Ernstfall würden die Klassen nun ins Aareschulhaus gehen, um von dort die Eltern der Schüler zu informieren. Das ist heute nicht nötig. Nach kurzer Zeit ist der künstliche Rauch durch die Lüftung abgezogen und die Klassen gehen zurück in den Unterricht. «Schulhäuser sind sehr gross. Es kann viel Unvorhergesehenes passieren», sagt Carmen Pirovano, «nun konnten wir den Ernstfall wenigstens üben.»