Biberstein

Sohn von «Käpten Jo»: «Die ‹Aarfähre› war mein Leben»

«Dieses Restaurant sollte man im bisherigen Stil weiterbetreiben»: Markus Schupp.

«Dieses Restaurant sollte man im bisherigen Stil weiterbetreiben»: Markus Schupp.

Am 1. April wird das landesweit bekannte Lokal «Aarfähre» nach 47 Jahren geschlossen. Markus Schupp (64), der Sohn von «Käpten Jo», erzählt, wie er über 40 Jahre in Biberstein wirtete.

«Die Reaktionen waren überwältigend, vor allem von den Stammgästen. Die Leute verstehen, dass wir aufhören – und sie hoffen, dass es weitergeht». Das sagt Markus Schupp (64), der zusammen mit seiner Schwester Irene (63) in Pension geht.

Vor drei Wochen berichtete die «Schweiz am Wochenende», dass das landesweit bekannte Lokal von «Käpten Jo» nach 47 Jahren geschlossen wird. Bis und mit Sonntag, 1. April, ist die «Aarfähre» offen. Was danach mit dem Restaurant passiert, ist noch unklar. Es steht zum Verkauf.

«Der Betrieb läuft sehr gut», betont Markus Schupp. Er würde sich freuen, wenn ein neuer Besitzer gefunden würde, der das Lokal im Seemannstil weiterführt. Anders ist das Haus kaum nutzbar. Fest steht, dass die «Aarfähre» vorerst für eine unbestimmte Zeit geschlossen bleiben wird. Die 30 Angestellten (inklusive Aushilfen) haben praktisch alle bereits eine neue Stelle gefunden. Und auch für die Tiere, Papageien und Fische, ist gesorgt.

Über 40 Jahre im gleichen Betrieb

«Die ‹Aarfähre› war mein Leben», erklärt «Käpten Jo Junior». Er ist am 24. Dezember 1953 in Rorschach geboren worden. Als er 18 war, eröffnete sein Vater die «Aarfähre». Markus Schupp besuchte die Hotelfachschule in Lausanne und wurde für die Gastronomie aufs Beste ausgebildet. Schon im Alter von 25 Jahren kam er, nachdem er zwei Jahre in der familieneigenen «Haifischbar» (Zürich) gearbeitet hatte, nach Biberstein. Dort fand er seine Lebensaufgabe und führte den Betrieb über 40 Jahre im Sinne von «Käpten Jo».

Im «Käptens-Salon» der «Aarfähre» hängen zwei Bilder. Eines von Josef Schupp («Käpten Jo») und eines von Hans Albers. «Er war das Idol meines Vaters. Er verkörperte alles, was mein Vater in die Schweiz bringen wollte», erzählt Markus Schupp. In den 70er-Jahren war die Seefahrt in der Schweiz noch etwas Exotisches. Der in Buchs aufgewachsenen «Käpten Jo» wollte ein Restaurant, das aussieht wie ein Schiff. Als er begann, seinen Traum zu realisieren, hatte er bereits einen erfolgreichen Start in der Gastronomie hinter sich. Als Betreiber seiner «Haifischbar» war er in Zürich stadtbekannt –auch wegen seiner Auftritte mit Schimpansen.

Käpten Jo’s Aarfähre geht zu

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2200-mal «Piraten-Frass»

«Käpten Jo» besass schon eine ganze Halle voll mit Seefahrtsutensilien, als sich ihm 1969 die Möglichkeit bot, das ehemalige Fischrestaurant «Aarfähre» zu ersteigern. 1971 gings los, mit dem Ehrengast Jürgen Blin, der zwei Tage später in Zürich gegen den Weltmeister Cassius Clay (Muhammad Ali) boxte. «Mein Vater hat viel Geld und Herzblut in die ‹Aarfähre› gesteckt», erklärt Markus Schupp. Das hat sich für den Pionier der Erlebnisgastronomie gelohnt. Die «Aarfähre» florierte, machte Biberstein landesweit und darüber hinaus bekannt. Der extrovertierte «Käpten Jo» wurde zu einem Gastro-Pionier. Er hat sich erst nach dem Brand im Jahr 2004 allmählich aus dem Betrieb zurückgezogen. «Käpten Jo» ist 2010 im Alter von 80 Jahren gestorben. Von der Öffentlichkeit unbemerkt – so wie er es sich gewünscht hatte.

Legendär sind die «Piraten-Frass»-Abende, 4½ Stunden Essen und Trinken auf dem Piratendeck (aktueller Preis 114 Franken). «Mein Vater war von Anfang an der ‹Käpten›, der durch den Abend führte», berichtet Markus Schupp. Nach dem Brand sei der Event leicht modernisiert worden und er, «Käpten Jo Junior», habe das Zepter übernommen. Der allerletzte «Piraten-Frass», es wird der 2200. sein, ist ausgebucht. Noch wenige freie Plätze hat es am kommenden Freitag, dem 16. März 2018.

Der traumhafte Silvester 1999

Wie hat sich die Gastronomie in den 47 Jahren verändert? «Es wird weniger Alkohol getrunken und wir haben jetzt das Rauchverbot», sagt Markus Schupp. «Und die jüngeren Gäste reservieren viel spontaner, kurzfristiger.» Dies hatte Auswirkungen auf den Personalbestand: Die «Aarfähre» beschäftigte früher mehr Festangestellte. Heute wird die Spitzenauslastung mit gut eingearbeiteten Aushilfen abgedeckt. Es ist im Übrigen ein saisonaler Betrieb: Im Frühling liegt das Schwergewicht jeweils auf Familienfeiern und Vereinsevents, im Sommer kommen die Ausflügler und im Herbst und Winter sind die Geschäftsessen wichtig.

Und was war der schönste Moment seiner «Aarfähre»-Zeit? Markus Schupp spricht von Silvester 1999 (Millenniumswechsel): «Wir bewirteten über 250 Gäste. Um 24 Uhr standen alle auf der Terrasse und bewunderten unser Feuerwerk. Das war eine ganz spezielle Atmosphäre.» Und was war die schwierigste Zeit? Die Bewältigung des Brandes und der Wiederaufbau des Restaurants.

«Wie bisher weiterbetreiben»

Und jetzt, was macht Wirt, wenn er in Rente gegangen sein wird? «Ich möchte so viel wie möglich reisen», erklärt Markus Schupp. «Käpten Jo Junior» ist übrigens nie zur See gefahren.

Ein grosses Ziel hat Markus Schupp noch: Er will seinen Nachfolger, sobald es ihn gibt, sorgfältig einarbeiten. Denn: «Dieses Restaurant sollte man im bisherigen Stil weiterbetreiben – einfach ein bisschen aufgefrischt, mit etwas neuem Wind.»

Unsere Aargauer Gastro-Karte mit den News zu den Restaurants:

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