Gesundheit

Software-Panne legte Notfallknopf im Kantonsspital lahm – kreative Ideen als Ersatz

Auch das Kantonsspital Aarau war von der Software-Panne betroffen. Der Notfallknopf funktionierte nur auf einigen Abteilungen. Archiv

Auch das Kantonsspital Aarau war von der Software-Panne betroffen. Der Notfallknopf funktionierte nur auf einigen Abteilungen. Archiv

Vom Ausfall war auch das Kantonsspital Aarau betroffen. Doch das Spital war vorbereitet. Kreative Ausweichmöglichkeiten wie Handys für Patienten und Glocken im Gang sorgten für Sicherheit. Seit dem 3. Januar funktioniert das System wieder flächendeckend.

Die Silvesternacht im Spital zu verbringen, ist an sich schon keine besonders angenehme Erfahrung. Blöd, wenn auch noch ein technisches Problem auftritt: In rund 400 Spitälern, Altersheimen und anderen Pflegeeinrichtungen in der Schweiz fiel um genau eine Minute nach Mitternacht das Patientennotrufsystem aus – also zum Beispiel die Notfallknöpfe an den Betten, die dem Personal anzeigen, wenn ein Patient Hilfe benötigt. Diese elektronischen «Rufe» liefen ins Leere. 

Das Newsportal «Watson» berichtet, dass ein Softwarefehler Schuld sei an der Panne, die neben den Universitätsspitälern Zürich und Basel auch das Inselspital Bern sowie die Kantonsspitäler Aarau, Luzern, Zug und St. Gallen betroffen hat. Im Kantonsspital Aarau (KSA) trat die Störung jedoch nicht auf jeder Station gleichermassen auf, wie Mediensprecher Ralph Schröder gegenüber der AZ sagt. 

Notfallknopf  im KSA ist aufgefallen

Notfallknopf im KSA ist aufgefallen

Diese Woche fielen in mehreren Schweizer Spitäler, unter anderem im KSA, die Notfallknöpfe aus. Zum Glück macht Not erfinderisch.

Das KSA ist auf Störungen dieser Art vorbereitet. «Für solche technischen Probleme gibt es klar geregelte Szenarien, die in diesem Fall auch gegriffen haben», erklärt Schröder. «Bis zur Behebung des Problems wurde auf den Stationen den Umständen entsprechend und mit Erfolg das Notfallregime raufgefahren.» Sämtliche Stationen hätten vorbildlich reagiert und sich umgehend auf die Situation eingestellt. «Die betroffenen Patienten wurden informiert, es wurde teilweise mit offenen Türen gearbeitet und die Kontrollrunden durch das Pflegepersonal wurden deutlich intensiviert. Kritische Patienten aus dem Notfall wurden in störungsfreie Stationen verlegt.»

Die Patientinnen auf der Gebärabteilung hätten beispielsweise Mobiltelefone bekommen, auf denen sie per Knopfdruck die Hebamme erreichen konnten, ausserdem wurden auf dem Gang zwei normale Glocken deponiert. Da die Signalisation nicht nur anzeigt, wann ein Patient Hilfe anfordert, sondern auch, ob bereits eine Pflegekraft im Zimmer ist, griffen Letztere kurzerhand zu roten Bändeli, die sie an die Zimmertüre hängten, wenn die Patientin bereits betreut wird. 

Der KSA-Sprecher betont, mit all diesen Massnahmen seien «die Erreichbarkeit des Pflegepersonals und die Nothilfe jederzeit gewährleistet und sichergestellt» gewesen. Auch aus anderen Spitälern und Heimen gab es bis gestern keine Mitteilungen, wonach Patienten durch die Software-Panne zu Schaden gekommen wären. 

Der Softwarefehler bewirkte, dass die LED-Anzeigen der Displays mehr Strom bezogen. Dadurch brach das Datenübertragungssystem teilweise zusammen. Am Kantonsspital Aarau habe ein Grossteil des Problems bereits im Laufe des 1. Januars behoben werden können, sagt der Mediensprecher. Aber erst seit dem 3. Januar funktioniere das System wieder flächendeckend. «Da das System in zahlreichen Schweizer Spitälern im Einsatz steht und viele Spitäler betroffen waren, war das KSA auf die Verfügbarkeit von Programmiergeräten und technischem Personal des Systemherstellers angewiesen», so Sprecher Schröder. 

Laut «Watson» war die Panne gestern vielerorts noch nicht behoben, einige Institutionen müssen bis nächste Woche Geduld haben.

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