Aarau

Sofortiges Aus für den Telli-Zoo – nun regt sich Widerstand

Die Zoo-Anlage ist veraltet.

Die Zoo-Anlage ist veraltet.

Die Tiere sind weg, die jahrzehntealte Anlage muss weichen. Das stimmt Anwohner traurig. Was folgt?

Seit die beiden «Telli-Staumauern» an der Delfterstrasse in den 1970er-Jahren gebaut wurden, verfügten sie über einen öffentlichen Kleintierzoo. Generationen von Meersäuli, Ziegen, Po-nys, Eseln und weiteren Vierbeinern haben hier schon gelebt.

Doch die Anlage ganz im Norden des Areals ist in die Jahre gekommen, über ihre Zukunft wurde schon länger diskutiert. Dies im Zusammenhang mit der gross angelegten Sanierung der zwei Häuserzeilen samt Tiefgaragen an der Delfterstrasse durch die Liegenschaftsbesitzerin AXA – sie geht mit einer neuen Umgebungsgestaltung einher. Der Zoo sei nicht mehr zeitgemäss und nicht mehr gleich beliebt wie früher, hiess es vonseiten der Bauherrin. Verschiedene Bewohner und Institutionen hätten zudem den Wunsch nach einer Umnutzung des Areals geäussert.

Eine Facebook-Seite zur Rettung des Zoos

Obwohl die Zoo-Schliessung schon seit einiger Zeit im Raum stand: Erst in den letzten Tagen regt sich Widerstand. Tellianer Stefan Weissen, der in der «Staumauer» an der Neuenburgerstrasse wohnt, hat eine Facebook-Seite zur Rettung der Anlage gegründet. «Eine Auffrischung des Areals wäre wünschenswert, und möglicherweise sind die Gehege für grössere Tiere wie Esel und Pony tatsächlich nicht mehr so geeignet. Aber Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel, aber auch Ziegen, könnte man hier problemlos weiter halten», sagt Weissen. Er hat auch bereits Ideen, wie man den Zoo mit Rahmenprogramm und Freiwilligenarbeit attraktiver machen könnte. «Die Reaktionen auf mein Engagement zeigen, dass das Bedürfnis für einen Kleintierzoo da ist.»

Überraschend vorzeitige Schliessung

Doch offenbar kommt Weissens Engagement zu spät. Gestern informierten überraschend die Liegenschaftsbesitzerin AXA und die Bewirtschafterin Wincasa, dass der Zoo ab sofort zu ist – und nicht erst ab Ende 2020 wie ursprünglich geplant. Dann läuft nämlich pensionsbedingt der Vertrag mit den Tierwärtern, dem Ehepaar Heinrich und Johanna Zimmermann, aus.

Die Tiere waren noch bis vor kurzem im Telli und wurden vom Ehepaar Zimmermann betreut, der Zoo war jedoch seit Mitte März wegen Corona geschossen. Auf Grund der Bauarbeiten für die Tiefgaragensanierung kamen die Tiere nun vor wenigen Tagen in ihr neues Zuhause auf dem Hof der Familie Zimmermann in Veltheim, wo die AXA ein neues Esel-Gehege finanziert. Und: Man hat jetzt offenbar entschieden, dass den Tieren eine spätere Rückkehr in die Telli für nur wenige verbleibende Monate nicht mehr zugemutet werden soll. «Wir bedauern, dass auf Grund der Umstände nun kein Abschiedsfest möglich ist; aber das Tierwohl erfordert die vorzeitige Schliessung», teilen AXA und Wincasa den Bewohnern mit.

Was mit dem Zoo-Areal in Zukunft geschieht, ist noch offen. Das werde in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit den Anwohnern, dem Quartierverein und dem Gemeinschaftszentrum Telli entwickelt, heisst es vonseiten der AXA. Naturnah und gemeinschaftlich soll es sein. Ob das auch eine Tierhaltung beinhalten könnte? Darauf wollte sich die AXA gestern auf Anfrage der AZ nicht festlegen.

Vom Umbau-Projekt der AXA sind in den zwei Wohnzeilen etwa 1500 bis 1600 Personen in 581 Wohnungen direkt betroffen. Saniert werden unter anderem die Tiefgaragen (700 Parkplätze), die Treppenhäuser und die Lifte sowie jede einzelne Wohnung. Die AXA spricht von «einer der grössten energetischen Sanierungen der Schweiz». Kostenpunkt: ein dreistelliger Millionenbetrag.

Die Arbeiten kommen trotz Coronakrise voran. Die Aussensanierung der Tiefgarage B ist fast abgeschlossen. Bald werden die Mieter auf deren Dach parkieren, damit die Garage ab Ende Juli auch innen saniert werden kann. Im Herbst startet die Innensanierung der Tiefgarage C.

Derweil haben die Sanierungsarbeiten in den ersten Treppenhäusern sowie das Auswechseln der Lifte begonnen. Das bedeutet für die betroffenen Mieter: Treppensteigen. Freiwillige des «Telli-Powerteam» helfen beim Tragen der Einkäufe. «Auch sonst stehen sich die Bewohner häufig für unkomplizierte und rasche Hilfestellungen zur Seite», sagt AXA-Mediensprecher Urban Henzirohs. Das Mieter-Café, das während des Shutdowns nicht stattfinden konnte, ist wieder als Anlaufstelle für die betroffenen Mieter in Betrieb. Man kommuniziert auch via Crossiety-App und über das Radio Tellifon – eine Gratis-Telefonnummer, die einmal pro Woche über den neusten Stand informiert.

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