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So wohnen die Aarauer Stadtrats-Kandidaten

Drei im Zelgli, zwei im Gönhard, einer am Hungerberg. Die grosse Mehrheit der Aarauer Stadtratskandidaten wohnt in den feinsten Quartieren. Und bis auf eine leben alle in eigenen Häusern.

Urs Helbling (Text)
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So wohnen die Aarauer Kandidaten
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Franziska Graf-Bruppacher (46, SP) Ausserfeld/Rohr «Wir haben 1997 das Einfamlienhaus gekauft – im Wochenbett meines ersten Kindes las ich das Inserat», sagt die Stadtratskandidatin. Das Haus steht in unmittelbarer Nähe des Autobahnzubringers T5, die gut zu hören ist.
Suzanne Marclay -Merz (44, FDP) Gönhard Die FDP-Präsidentin wohnt mit ihrer Familie (drei Kinder) seit vier Jahren in einer modernen Villa (mit Pool), die sie zusammen mit ihrem Mann hat bauen lassen. Vorher stand da ein älteres Einfamilienhaus.
Angelica Cavegn Leitner (57, «Pro Aarau») Zelgli Die aktuelle Vizepräsidentin der Stadt ist 1986 nach Aarau gezogen. Sie lebte mit ihrem Mann zuerst in einer Wohnung an der Entfelderstrasse. 1988 kauften sie das Haus mitten im Zelgli. Es hat einen Pool.
Daniel Siegenthaler (54, SP) Zelgli Der SP-Spitzenkandidat arbeitete ab 1996 an der Neuen Kanti. 2001 konnte die Familie (damals mit zwei kleinen Kindern) in unmittelbarer Nähe ein älteres Haus kaufen. Heute haben sie auf dem Dach Sonnenkollektoren.
Hanspeter Thür (68, Grüne) Hungerberg Der älteste Kandidat lebt seit einem Jahrzehnt in einer Art Terrassenhaus (im Braunton) oberhalb des IBA-Kraftwerks. Er liess es nach Minergiestandard bauen. Thür hat auf dem Dach eine Photovoltaikanlage – und im Garten einen Pool («ein kleines Becken von 5 auf 3 Metern»).
Werner Schib (45, CVP), Binzenhof Als diese Siedlung vor ungefähr vierzig Jahren gebaut wurde, war sie Stadtgespräch. Unter anderem wegen der schlichten Eternitfassade. Die Schibs wohnen seit 2011 mit ihrem Töchterchen im Reiheneinfamilienhaus.
Silvia Dell’Aquila (41, «Für unser Aarau») Obere Vorstadt Die Soziologin und VPOD-Regionalleiterin lebt in einer Wohnung an der stark befahrenen Oberen Vorstadt. In unmittelbarer Nachbarschaft hat es den Gebetsraum einer Sekte, eine Kontaktbar, ein Tattoo-Studio und bis Ende 2016 ein Waffengeschäft.

So wohnen die Aarauer Kandidaten

az

Spätestens seit die SP-Kandidatin Franziska Graf-Bruppacher in der «Schweiz am Wochenende» (1. 8.) erklärt hatte, das grösste Problem der Aarauer Politik sei die Konzentration auf die zwei Quartiere Zelgli und Gönhard, ist die Diskussion lanciert. Der ehemalige Einwohnerrat und aktuelle Leiter der Arbeitsgruppe Wahlen in der SVP, Marc Dübendorfer, sprach das Thema in der Parteizeitschrift «Kontrapunkt» diese Woche wieder an: «Es wäre schön, wenn sich Personen aus allen Quartieren für politische Ämter zur Verfügung stellen würden.

Dass die Kandidatensuche, insbesondere eine quartierbezogene, kein leichtes Unterfangen darstellt, musste selbst die SP feststellen. Immerhin stammt ihr Kandidat für das Stadtpräsidium auch ‹nur› aus dem Zelgli-Quartier.» Dübendorfer weist darauf hin, dass die SVP Aarau-Rohr die einzige Partei ist, die mit der Nennung des Ortsteils Rohrs in ihrem Namen ihre Verbundenheit zum neuen Stadtteil zum Ausdruck bringt.

Nur eine Mieterin

Hungerberg, Gönhard, Zelgli: Sechs der neun Stadtratskandidaten stammen aus den Quartieren, die als Premium-Wohnlagen gelten und einen besonders guten Ruf geniessen. Sie alle wohnen in Eigenheimen. Mehrheitlich in älteren Häusern, die sanft renoviert worden sind. Am modernsten ist der Neubau der Familie Marclay.

Telli, Damm, Scheibenschachen. In all diesen Quartieren lässt es sich zwar gut leben, sie haben aber kein allzu gutes Image – und niemanden in ihrem Kreis, der in den Stadtrat gewählt werden möchte. «Das ist ein Problem», sagte Franziska Graf im Interview vom Juli.

Massiv untervertreten sind die Mieter. Es hätte sie im Kreis der Stadtratskandidaten gar nicht gegeben, wenn nicht Silvia Dell’Aquila Last Minute als wilde Kandidatin in den Stadtratswahlkampf eingestiegen wäre. Sie ist die Einzige, die nicht in einem Eigenheim, sondern in einer Mietwohnung lebt. Und das an einer sehr stark befahrenen Strasse.

Auch Burger wohnt im Zelgli

Die Informationen zu den Häusern stammen aus den Interviews, die die az ab Februar abgedruckt hat. Die Fotos wurden von öffentlichem Grund aus gemacht.

Warum fehlt das Foto mit dem Haus von SVP-Kandidat Simon Burger? Weil er und seine Frau einen exponierten Beruf ausüben: Er ist Leitender Staatsanwalt, sie ist Staatsanwältin.

Die Burgers wohnen mit ihren drei Kindern im Zelgli. Er sagte im Interview: «In einem kleinen Einfamilienhaus. Wir hatten Riesenglück, dass wir das Haus 2013 erwerben konnten.»