«Wichtelwerkstatt»

So versüsst uns diese Aarauer Unternehmerin die Adventszeit

© zvg/Pixstudios Zürich

Vor drei Jahren rief Andrea Eichenberger das Start-up adventsfreude.ch ins Leben und begann, Adventskalender auf Bestellung herzustellen. Der az erzählt die Bankerin und zweifache Mutter, wie sie in das ungewöhnliche Business einstieg.

Es bleiben Ihnen noch 15 Tage. Dann muss er hängen, der Adventskalender. Die schnelle Lösung: ein gekauftes Exemplar aus dem Laden, wahlweise mit Barbieschühli, Legofiguren, Parfummüsterli oder bloss mit Schöggeli.

Viele Eltern, Göttis und Grosis machen ihn aber noch selber. Auch Andrea Eichenberger. Für ihre zwei Kinder (6 und 8) hatte sie schon unzählige Mini-Päckli liebevoll eingepackt und mit Nümmerli versehen. Eine Riesenbüez. Irgendwann dachte sie: «Das muss doch schneller gehen.» Und: «Das könnte ich auch für andere machen.»

Vor drei Jahren rief sie das Start-up adventsfreude.ch ins Leben und begann, Adventskalender auf Bestellung herzustellen. Erst 50 Stück, im Freundeskreis. Dann berichtete ein Frauenmagazin über «adventsfreude.ch». Das war der Durchbruch.

Andrea Eichenbergerin, Inhaberin von «adventsfreude.ch»

Andrea Eichenbergerin, Inhaberin von «adventsfreude.ch»

Dieses Jahr dauerte es nur wenige Tage, bis Eichenberger die Bestellfunktion auf ihrer Website deaktivieren musste. 150 Kalender, viel mehr kann sie nicht machen, auch nicht mithilfe ihrer befreundeten «Wichtelfrauen». Wer jetzt noch einen Kalender von ihr will, muss eine gute Geschichte liefern: «In Ausnahmefällen könnte ich noch zwei, drei mehr machen», sagt die Aarauerin lachend.

Inhalte sind eine Überraschung

Während man bei anderen Anbietern personalisierter Adventskalender den Inhalt jedes einzelnen Päcklis auswählen kann, bleibt bei Eichenberger der Überraschungseffekt auch für den Schenkenden. Denn beim Bestellprozess gibt er Alter, Geschlecht und Interessen des Beschenkten an. Eichenberger und ihr Team stellen dann einen individuellen Überraschungskalender zusammen.

Impressionen aus der «Wichtelwerkstatt» von adventsfreude.ch:

Das geschieht im Keller ihres Hauses im Gönhardquartier. Dort hat Eichenberger eine «Wichtelwerkstatt» eingerichtet. Gleich beim Eingang hängt ein fertiger Kalender, 24 Päckli befestigt an einer kleinen Holztanne. Die Kunden können die Aufhänge-Vorrichtung für die Päckli gleich mitbestellen. An den Wänden stehen Regale, darauf schön sortiert Schachteln mit allerlei Krimskrams, der eingepackt werden will.

Glitzer für die Mädchen

Wobei – Eichenberger legt Wert darauf, dass kein sinnloser Kram im Kalender landet, der nachher herumliegt. Ihre Überraschungen soll man brauchen können. Wie etwa die farbigen Schnürsenkel für die Teenie-Jungs, Guetzliformen oder bunte Stifte fürs Schulkind, Gewürze vom Aarauer Gewürz-Lädeli oder eine feine Seife für Erwachsene oder der pinke Glitzer-Lippenstift für die Siebenjährige.

Überhaupt, Glitzer: «Meitli sind definitiv einfacher zu beschenken als Jungs», sagt Eichenberger, deren sechsjährige Tochter auch schon ganz fleissig in der Adventskalenderwerkstatt mithilft. «Prinzessin, Fee, Ballerina. Die Kalender haben wir in zwei Minuten beisammen.» Dennoch ist jeder Kalender ein Unikat. Gemeinsam haben sie nur zweierlei: Am 6. Dezember gibts immer etwas zum Thema Samichlaus und am 24. die Weihnachtsgeschichte.

Was braucht ein guter Kalender?

Während sich andere Eltern den Kopf darüber zerbrechen, was in den Kalender hinein soll, gehen Andrea Eichenberger die Ideen nicht aus. Auch nicht bei ihrem speziellsten Beschenkten, einem 80 Jahre alten Jäger mit einem sehr exklusiven Süssigkeitengeschmack.

Generell empfiehlt die Expertin: «Ein Kalender braucht eine gute Balance. An einem Tag etwas Ruhiges, beispielsweise ein Ausmalbild. Dann etwas Aktives, wie eine Guetzliform zum Backen. Am dritten Tag vielleicht etwas, das einfach schön anzuschauen ist.» Zufrieden ist Eichenberger, wenn «ein Kind jeden Abend mit Vorfreude auf das nächste Päckli einschläft».

Der Schlaf kommt bei Andrea Eichenberger im Moment ab und zu etwas zu kurz. Denn Geld verdient sie nicht primär im Adventskalenderbusiness, sondern in ihrem Teilzeitjob als Bankerin in Zürich. Der November sei immer wahnsinnig stressig, sagt die zweifache Mutter.

Und wenn sie jeweils fast daran verzweifle, wenn sie die sperrige Holztanne samt Päckli posttauglich verpacken müsse, sage sie jeweils schon, das sei jetzt das letzte Mal gewesen. «Aber ich liebe Weihnachten und die Adventszeit. Und am 1. Dezember ist der Stress fertig – dann gehört meine Zeit wieder ganz der Familie.» Diese bekommt übrigens einen gemeinsamen Adventskalender. Für das einzelne Mitglied gibts so zwar nur alle vier Tage ein Päckli. Dafür etwas ganz Besonderes.

Die Wichtelwerkstatt ist an einzelnen Tagen für Selberbastler geöffnet. Informationen: www.adventsfreude.ch

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