Ständeratswahlen

So schätzt Longchamp die Chancen von Humbel, Müller und Knecht ein

Claude Longchamp erklärt, welcher der drei Aargauer Ständeratskandidaten welche Chancen hat.

Beobachter

Claude Longchamp erklärt, welcher der drei Aargauer Ständeratskandidaten welche Chancen hat.

Der Politologe Claude Longchamp blickte am Businesslunch in Erlinsbach auf die Ständeratswahlen. Als Historiker hatte er aber noch einen besonderen Tipp für die Gäste parat.

Claude Longchamps Auftritt wurde im «Hirschen» in Erlinsbach mit grossen Worten angekündigt. Er habe die Politik zum Ereignis gemacht: «Ohne ihn können wir uns Wahlen und Abstimmungen fast nicht mehr vorstellen.»

Etwas weniger präsent wird der Mann mit der Fliege – gestern trug er eine blaue – künftig allerdings schon sein. Hat er mit seinem Forschungsinstitut GfS Bern doch die Ausschreibung für die Nachbefragungen und Analysen zu den eidgenössischen Abstimmungen gegen eine Gruppe um das Zentrum für Demokratie Aarau verloren. Ob er gegen den letzte Woche gefällten Entscheid der Bundeskanzlei Rekurs einlegen will, kommentierte der Freiburger an dem vom Business Club Mittelland durchgeführten Anlass nicht.

Der Tipp: Besucht den historischen Dorfbach

Auch auf die Analyse der zurückliegenden Parlamentswahlen und den Ausblick auf die Bundesratswahlen vom 9. Dezember mussten sich die Zuhörer etwas gedulden. Als Historiker, der leidenschaftlich mit dem Mittelalter verbunden ist, legte ihnen Longchamp zuerst einmal einen Besuch des am Restaurant vorbeifliessenden Dorfbachs ans Herz. Dieser sei «historisch extrem wichtig». Denn nach der Reformation von 1528 bespuckten sich über ihn hinweg die reformierten Berner und die katholischen Solothurner.

Die drei Aargauer Ständeratskandidaten im «TalkTäglich» vom 27.10.: Sehen Sie die wichtigsten Momente in unserem Zusammenschnitt.

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Gemäss Soziologen sei die Reformation «die wahrscheinlich tief greifendste Spaltung, die die Schweiz je durchgemacht hat», so Longchamp. Die zweite grosse Spaltung – diesmal zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft – war die Industrialisierung. Und heute? «Heute leben wir vermutlich in der dritten grossen Spaltung», so Longchamp. Die Frage: «Ist die Schweiz ein Teil der europäischen Gesellschaft? Oder ist sie ein Teil von sich selber, eine Nation, die sich vom europäischen Markt und der europäischen Gesellschaft unterscheiden will?»

Einschätzung für 2. Wahlgang

Auch die zurückliegenden Parlamentswahlen konnten diese Frage natürlich nicht abschliessend beantworten. Klar aber ist: Es kam zu einem Rechtsrutsch. Er sei zuerst skeptisch gewesen, ob dieser Ausdruck angemessen sei, so Longchamp. «Wir haben deshalb abgemacht, ihn erst zu benutzen, wenn es im Nationalrat eine rechtsbürgerliche Mehrheit gibt.» Die gibt es bekanntlich. «Alles andere als die Wahl eines zweiten SVP-Bundesrates halte ich für unwahrscheinlich», prognostiziert Longchamp denn auch. Zuerst steht im Aargau am kommenden Sonntag aber noch der zweite Ständerats-Wahlgang auf dem Programm.

Die drei Ständeratskandidaten Humbel, Knecht und Müller im Talk mit AZ-Chefredaktor Christian Dorer:

Die Chancen von Ruth Humbel (CVP) schätze er als eher klein ein, erklärte Longchamp am Rande der Businessveranstaltung. Das Rennen zwischen Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) hält er dagegen für völlig offen. «Das Problem von Müller ist, dass er von links und rechts angegriffen wird.» Zudem seien Ständeratskandidaturen für Parteipräsidenten immer schwierig. In dieser Funktion habe Müller in der Vergangenheit wiederholt die SP angegriffen. Ob er genug Stimmen von links erhalte, um gegen Knecht und dessen grosse Hausmacht zu bestehen, sei deshalb fraglich.

Dreikampf bei den Aargauer Ständeratswahlen

Dreikampf bei den Aargauer Ständeratswahlen – sehen Sie hier die ganze Sendung mit den drei Kandidaten.

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