Bevölkerungsentwicklung

So hat sich der Ausländer-Anteil im Aargauer Westen verändert

In fast allen Gemeinden im Aargauer Westen leben heute mehr Ausländer als vor 10 Jahren. In Dintikon ist der Anstieg am grössten. Völlig aus dem Rahmen fällt Dürrenäsch.

In Dintikon wurden die Einbürgerungsgesuche einer russischen und einer mazedonischen Familie abgelehnt. Der mazedonische Familienvater mutmasste gegenüber der az, die Dintiker hätten Angst um ihr Dorf, weil in den letzten Jahren sehr viele Ausländer zugezogen seien.

Eine Auswertung der Bevölkerungsstatistik durch die az stützt diese These. Vergleicht man den Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung per Ende 2004 und 2014, zeigt sich, dass der Ausländeranteil in Dintikon überdurchschnittlich stark gewachsen ist (von 11 auf 24 Prozent). Innert zehn Jahren wuchs die Gemeinde um 797 Personen – davon waren die Hälfte keine Schweizer.

Kantonaler Schnitt: 24 Prozent

Dintikon ist diesbezüglich zwar ein Extremfall. Aber in den meisten Gemeinden ist der Ausländeranteil gestiegen, wenn auch weniger stark.

Zunächst lohnt sich eine Betrachtung des Status quo. Der Kanton Aargau hatte Ende 2014 einen Ausländeranteil* von 24 Prozent, genau wie der Bezirk Rheinfelden. Der Bezirk Aarau liegt mit 23 Prozent knapp darunter, gleichauf mit Bremgarten, Brugg und Zofingen. Der Bezirk Kulm weist 25 Prozent auf. Spitzenreiter sind Baden und Zurzach mit 28 Prozent. Prozentual am wenigsten Ausländer gibt es in den Bezirken Muri (16 Prozent) Laufenburg (18) und Lenzburg (21).

In den Bezirken Aarau, Lenzburg, Kulm und Zofingen hat Aarburg den mit Abstand höchsten Ausländeranteil, gefolgt von Reinach, Menziken, Burg, Oftringen, Buchs und Suhr. Alles relativ grosse Gemeinden – mit Ausnahme von Burg. Von 977 Burgern waren Ende 2014 344 Ausländer. Das ist mehr als ein Drittel – ungewöhnlich viel für eine Gemeinde dieser Grösse. «Wir haben relativ viele alte und günstige Liegenschaften, was attraktiv auf Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen wirkt», sagt Ammann Marcel Schuller. In Burg gebe es weder in der Schule noch im Dorfleben grosse Probleme mit Ausländern. «Wir bemühen uns allerdings auch sehr darum, die Menschen bei uns zu integrieren.» Beim Dorffest letzten August wurden die Ausländer explizit eingebunden. Eben erst haben die Burger sieben Personen problemlos eingebürgert.

Am anderen Ende der Skala liegt Wiliberg – bloss 1 Prozent der Einwohner hat keinen Schweizer Pass. Allerdings handelt es sich dabei um genau zwei Personen, denn in Wiliberg leben nur deren 165. Hier zeigt sich, wie schwierig Vergleiche sind: Eine ausländische Familie mehr oder weniger schlägt sich in kleinen Gemeinden deutlicher in der Statistik nieder als in Aarau. Auch Attelwil hatte Ende 2014 nur 6 Ausländer (2 Prozent). Tiefe Ausländeranteile haben weiter Vordemwald, Leutwil, Schlossrued, Egliswil, Bottenwil, Staffelbach, Uerkheim, Biberstein und Schmiedrued – alles Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohner.

Anstiege sehr unterschiedlich

Vergleicht man die Veränderungen des Ausländeranteils in den letzten zehn Jahren, dann zeigt sich: Fast überall ist der Ausländeranteil gestiegen, im Schnitt um etwa drei Prozent. In Dintikon ist der Anstieg am deutlichsten: Von 11 Prozent im 2004 auf 24 Prozent 2014 – plus 13 Prozentpunkte, davon 10 zwischen 2004 und 2009. Einen markanten Anstieg des Ausländeranteils verzeichnen auch Brunegg (von 9 auf 19 Prozent), Leimbach (von 4 auf 13) oder Hendschiken (von 8 auf 16).

Das ist einerseits zwar viel. Andererseits wiesen diese Gemeinden vor zehn Jahren noch einen sehr tiefen Ausländeranteil auf und nähern sich nun lediglich dem Durchschnitt. In Gemeinden wie Buchs, Suhr oder Lenzburg, deren Bevölkerung bereits 2004 aus überdurchschnittlich vielen Ausländern bestand, ist deren Anteil nur wenig gestiegen. Ausnahmen sind lediglich Aarburg oder Menziken, wo der eh schon hohe Ausländeranteil weiter deutlich gestiegen ist.

Völlig aus dem Rahmen fällt Dürrenäsch – die einzige Gemeinde, in welcher der Ausländeranteil gesunken ist. Der Grund: viele neue Einfamilienhäuser, kaum billige Mietwohnungen. Es seien einerseits viele Schweizer zugewandert, andererseits ein paar ausländische Grossfamilien weggezogen, sagt Manuela Riner vom Einwohnerdienst. Eingebürgert wurde spärlich.

* Gezählt werden Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung von über 12 Monaten sowie Asylbewerber und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge in Gemeindeunterkünften. Ausgenommen sind Bewohner kantonaler Asyl-Durchgangszentren.

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