«Rahmenvertrag betreffend Entflechtung der Schulanlage Telli.» Der Titel der Botschaft an den Einwohnerrat deutet es an: Es geht im Grunde genommen um etwas Staubtrockenes. Aber im Bericht und im Rahmenvertrag werden Aussagen über die Zukunft des Primarschulstandortes Telli sowie der Schule und des Internats für Körperbehinderte (Schulanlage Telli) gemacht. Letztere ist Teil der Stiftung Zentrum für Körperbehinderte (Zeka), die auch in Baden eine Schule betreibt und deren Stiftungsrat vom Anwalt Markus Leimbacher präsidiert wird.

Die Ausgangslage: In den Achtzigerjahren hat die Stadt Aarau zusammen mit der heutigen Zeka die Schulanlage Telli realisiert. Integriert war die städtische Heilpädagogische Sonderschule. Die Schulanlage Telli steht auf einem städtischen Grundstück unmittelbar vor der ersten Wohnzeile («Staumauer»). Das Schulheim besteht aus Backsteinbauten, die zu einem grossen Teil eine Wabenform haben. 1992 kam das Primarschulhaus mit der gräulichen Fassade dazu (es wurde 2013 aufgestockt).

Das Problem: Die Besitz- und Nutzungsverhältnisse sind aktuell derart kompliziert, dass eine Weiterentwicklung des Schulheims und der Primarschule verhindert wird.

Baut die Stiftung oder zieht sie weg?

Die Lösung: Der neue Rahmenvertrag bringt hier eine Entflechtung. Und es wird ein Pfad definiert, wie sich die beiden Schulen in den nächsten zwei Jahrzehnten entwickeln können. Das entscheidende Datum ist dabei der 30. Juni 2029. Bis dahin muss die Stiftung wissen, ob sie in der Telli eine ganze oder eine teilweise Neuüberbauung erstellen will. Ober ob sie wegziehen möchte. Im Fall des Wegzugs gingen die bestehenden Gebäude spätestens am 31. Dezember 2031 entschädigungslos an die Einwohnergemeinde über. Andernfalls würde das Baurecht verlängert (bis 2121).

Was heisst das für die Primarschule? Seit der Aufstockung (2013) bietet sie Platz für dreizehn Primarschulabteilungen. Sie bräuchte eigentlich eine zweite Turnhalle. In der Übergangsphase (bis spätestens 2031) kann sie die Zeka-Turnhalle mitbenützen. Die Primarschule kämpft auch damit, dass sie zu wenig Aussenraum hat. Da soll es bereits im Sommer 2019 eine Verbesserung geben: Die Stiftung verpflichtet sich, bis Ende des Schuljahres 2018/19 ihren provisorischen, relativ kleinen Pavillon unmittelbar neben der Primarschule zu entfernen.

Vertrag für Hort verlängert

Im Telli-Quartier ist die Frage der schulergänzenden Tagesstrukturen noch nicht definitiv gelöst. Immerhin konnte der Stadtrat den Vertrag für den Hort am bestehenden Standort (Clubhaus Telli, östlich der vierten «Staumauer») bis zum 31. Dezember 2031 verlängern. Offen ist, ob es bereits vorher eine andere Lösung gibt und was danach passieren wird.

Stiftung soll bauen können

Der Rahmenvertrag ist so abgefasst, dass der Stadtrat der Stiftung den Weiterbetrieb der Sonderschule über das Jahr 2032 hinaus ermöglichen will – also die Voraussetzungen schafft, dass gebaut werden könnte. Die Stiftung betreibt heute in der Telli eine Schule für 100 normalbildungsfähige und lernbehinderte Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderungen. Zudem betreibt sie ein Wocheninternat mit 15 Plätzen.

Verzichtete die Stiftung auf den Standort Telli, würde die Stadt die Sonderschule verlieren, gleichzeitig aber auch Handlungsspielraum für die Lösung ihrer Primarschul-Probleme gewinnen. Es wäre Platz da für einen Ausbau auf 19 Abteilungen, eine zusätzliche Turnhalle und die definitive Realisierung der Tagesstrukturen.

Es ist davon auszugehen, dass sich in den nächsten zehn Jahren – abgesehen vom neuen Vertrag – auf dem Schulgelände westlich der ersten «Staumauer» nichts Grosses ändern wird. Dank dem Rahmenvertrag ist sichergestellt, dass die Stadt von der Stiftung weiterhin Mietzinsen bekommt – ohne dass sie grosse Erneuerungsinvestitionen tätigen muss.