«In der Walpurgisnacht vermählen sich die Maikönigin und der Waldgott. Durch diese Verbindung wird das Land fruchtbar gemacht, alles beginnt wieder zu blühen», sagt Wicca Meier-Spring vom Hexenmuseum Schweiz, die sich selber als moderne Hexe bezeichnet. Früher wurde dieses Freudenfest mit einem Feuer zelebriert, bei dem man einen Feuerzauber (einen Wunsch) den Flammen übergeben durfte.

Auch heute hat die Walpurgisnacht noch eine Bedeutung. Etwa beim Alpaufzug, bei dem die Kühe mit Blumen geschmückt werden und an zwei Feuern vorbeilaufen müssen, damit sie «von Bösem gereinigt» werden. In Bayern und Österreich wird das Brauchtum noch kräftig gelebt. So stellen etwa junge Männer ihrer insgeheim Angebeteten ein mit Bändern geschmücktes Maibäumchen vor das Haus. Landet es auf dem Miststock, hat die Traumfrau kein Interesse.

Erweiterung wird eingeweiht

Gefeiert wird die Walpurgisnacht auch im Hexenmuseum Schweiz in Auenstein. Bei einer Waldmeisterbowle und Fingerfood können die Besucher in die Geschichte der Walpurgisnacht eintauchen, dürfen einen Wunsch dem Feuer übergeben. «Zudem wird der Erweiterungsbau an diesem Abend eingeweiht», sagt Meier-Spring. Diese Erweiterung habe sich aufgedrängt, weil das Museum über immer mehr Exponate verfüge und weiteren Themen rund um das Hexentum Platz bieten wollte.

Im neuen Teil wird nun alles aus den Bereichen Magie, Tiere, Bäume, Universalheilmittel, Liebeszauber, Götter sowie Volks- und Aberglaube gezeigt. «Die Texte und die dekorative Gestaltung stammen von mir, für das Technische zeichnet mein Mann Biba verantwortlich.» Im unteren, bisherigen Bereich des Museums sind ein Kräuterraum mit Heil- und Hexenpflanzen zu finden sowie ein Raum, der sich der Hexenverfolgung widmet.

Aber auch Tarot, Astrologie, Handlesen, Amulette, Talismane, Geisterspuk und moderne Hexen werden in separaten Räumen vorgestellt. «Nicht fehlen darf natürlich der Hexenshop», sagt die Museumsleiterin augenzwinkernd. Die gut 1000 Objekte im Museum stammen teilweise aus Schenkungen, das meiste hat jedoch Wicca Meier-Spring in den letzten 30 Jahren selbst zusammengetragen und berappt.

Woher das Interesse am Hexenkult? «Schon als Kind hat mich dieses Thema interessiert. Mit der Romanfigur ‹die kleine Hexe› habe ich mich gerne identifiziert. Sie war auch allein, wie ich
als Einzelkind, hat jedoch viel bewirken können», sagt sie. Zudem haben ihr die Eltern, vor allem der Vater, oft Sagen und Geschichten von Kobolden erzählt. Der grosse Bauernhof des Grossvaters diente damals als idealer Schauplatz, um diese Szenen dann mit ihren Cousins und Cousinen nachzuspielen. Das habe sie fasziniert, geprägt. Schon als Kind hat sie Bücher verschlungen, bis heute wohl an die 3000 Stück. Die meisten davon rund ums Thema Hexen.

Aber Hexen haftet doch Böses an, ausser vielleicht der Romanfigur «kleine Hexe»? Wicca Meier-Spring: «Hexen sind Menschen, nicht mystische Wesen. Und somit können sie gut oder böse sein. Diejenigen Frauen, Männer und Kinder, die jedoch früher auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, dürften wohl die meisten einfach wegen Verleumdung und Unwissen ihrer Mitmenschen dort gelandet sein. Und nicht, weil sie Unrechtes taten.» Es sei schwierig, die Hexenverfolgung und -verbrennung, die über 300 Jahre praktiziert wurde, einfach aus den Köpfen der Menschen zu löschen.

Sie weiss um die Kraft der Natur

Was zeichnet denn eine moderne Hexe aus? «Eine moderne Hexe ist auf der Reise zu sich selbst, lotet ihre Kräfte und Schwächen aus, sucht den Sinn des Lebens und trägt Eigenverantwortung für all das, was ihr widerfährt», erklärt sie. Sie wisse um die Kräfte der Natur, schöpfe diese für sich aus und helfe Menschen, die Unterstützung benötigen.

Das Hexenmuseum ist an den meisten Mittwoch- und Freitagnachmittagen sowie jeweils an einem Samstagabend und Sonntag im Monat geöffnet. Und natürlich an den Vollmondnächten. Nebst Führungen durchs Museum bietet Wicca Meier-Spring auch diverse Workshops auf dem Schloss Liebegg in Gränichen an. «Im Hexenbesenkurs lernt man Kräuter-Besen zu binden. Fliegen lernen muss man allerdings selber», sagt sie lachend. Sagts und macht sich auf, um dem Erweiterungsbau zusammen mit ihrem Mann noch den letzten Schliff vor der Einweihung zu verleihen.

Hexenmuseum Schweiz in Auenstein, Event Walpurgisnacht am 30. April, 20 bis 22 Uhr, Eintritt 10 Franken.