Aarau

«So ein Ende ist traurig»: Das Tenniscenter in Oberentfelden schliesst

Freddy Blatter war bereits bei der Halleneröffnung 1980 dabei.

Freddy Blatter war bereits bei der Halleneröffnung 1980 dabei.

Im Herbst kommenden Jahres ist Schluss mit dem Tenniscenter. Eine Anpassung an die Kundenwünsche ist zu teuer. Die Eigentümer haben sich deshalb für einen Neubau von Miet- und Eigentumswohnungen auf dem Gelände entschieden.

Sieben Hallen- und vier Aussenplätze für Tennisspieler. Eine Badminton- und Squash-Anlage, Minigolf und Pit-Pat: Der Aargau verliert eine der wichtigsten privaten Sportanlagen. Wie die «Tennis aarau-West AG» am Montag mitteilte, wird sie das Tenniscenter in Oberentfelden schliessen, abbrechen und durch ein Wohn- und Dienstleistungscenter ersetzen. In einer Medienmitteilung heisst es, der Betrieb werde «sicher bis im Sommer 2021» weitergeführt. Wenn nichts dazwischen kommt, ist im Herbst kommenden Jahres Schluss. So läuft der Vertrag mit der «Tennisschule aarau-West» von Freddy Blatter im September 2021 aus.

«Der finanzielle Aufwand rechnet sich nicht mehr»

Blatter betreibt neben der Schule den Shop und einen Fitnesscorner. Nichts zu tun hat er mit der Vermietung von Plätzen an Spieler, die von der «Tennis aarau-West» (Beat Mutter) besorgt wird. Diese gehört der KasperGroup von Rolf Kasper (unter anderem «Aargau Hotels», Golf Entfelden). Die Kasper Group besitzt auch das Grundstück und die Immobilien.

Warum die Neubaupläne? «Das Tenniscenter ist in die Jahre gekommen», schreibt die «Tennis aarau-­West» in der Medienmitteilung. Die Anlage habe beim Bau 1980 als modernstes und grösstes Center in der Schweiz gegolten. 1998 sei sie umfassend renoviert worden. «Will man das Center den Kundenwünschen angepasst weiterführen, bräuchte es eine tiefgreifende Erneuerung, wenn nicht gar einen kompletten Neubau», heisst es. Also eine Investition in der Höhe von mehreren Millionen Franken.

Architekturwettbewerb in Auftrag

«Der finanzielle Aufwand rechnet sich nicht mehr», steht dazu in der Medienmitteilung. Hätte allenfalls ein zusätzliches Angebot etwas gebracht? Um die hohen Kosten zu decken, sei eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben worden, die prüfen sollte, ob ein erweitertes sportliches Angebot «Tennis aarau-­West» für einen grösseren Kundenkreis attraktiv machen könnte, heisst es. «Das Resultat fiel negativ aus.»

Die Eigentümer haben sich für den Rückbau des Tenniscenters und für einen Neubau von Miet- und Eigentumswohnungen auf dem Gelände entschieden. Die Wohnungen werden laut Medienmitteilung über einen Hotelservice verfügen. Den Bewohnern stehe ein Fitness- und Wellnesscenter zur Verfügung. Eine Arztpraxis und ein Physiotherapeut seien bereits vor Ort. Weitere Dienstleistungsbetriebe würden dazukommen. «Das Angebot richtet sich an Familien- und Kleinhaushalte, an Einzelpersonen wie auch an Senioren», heisst es. Wie geht es weiter? «Ein Architekturwettbewerb wurde in Auftrag gegeben, erste Entwürfe sollten im Frühjahr 2021 vorliegen», steht in der Medienmitteilung.

Er ist fündig geworden

Die Entwicklung der Sportanlage ist eng mit dem Namen Freddy Blatter verknüpft. Er war schon als Geschäftsführer dabei, als der damalige Bauherr Herbert Strittmatter die Anlage vor 40 Jahren eröffnete. Als Strittmatters Reich unterging, kam Kasper. Das Comeback von Freddy Blatter erfolgte ab 2002. Er baute die Tennisschule auf, die er 2007 übernahm.

Zur aktuellen Entwicklung sagt Blatter: «Das bedaure ich ausserordentlich. So ein Ende ist traurig.» Auf der Suche nach einer Alternative ist Blatter bereits fündig geworden. Doch wie viele der 100 bis 120 Kinder sowie der Erwachsenen mitkommen können und wollen, ist offen. Blatter wird im Herbst 2021 Pächter der Tennisanlage in Reinach. Diese hat drei Hallenplätze. Die Gemeindeversammlung wird am 11. November über einen Sanierungskredit in noch nicht kommunizierter Höhe entscheiden.

Keine sportlichen Grossanlässe mehr

Freddy Blatter ist letzte Woche 71 Jahre alt geworden. Er und seine Frau Monica Blatter-Simmen denken nicht ans Aufhören. «Am liebsten stehe ich auf dem Platz», sagt der ehemalige Davis-Cup-Spieler. Das konnte er zuletzt nicht so oft, weil er in Oberentfelden auch gewichtige internationale Anlässe organisierte. Diese wird es nicht mehr geben. Wegen der anstehenden Schliessung der Anlage, aber auch wegen zusätzlicher Auflagen, verursacht durch Corona. Das Tenniscenter war während des Lockdowns zwei Monate lang geschlossen. Nach der Wiedereröffnung am 11. Mai ist es wieder gut angelaufen.

Blatter hatte für seine Tennisschule, die 25 Trainer beschäftigt (viele in Teilzeit), eine Nachfolgeregelung aufgegleist. Doch diese wird nun abgebrochen. Muhamed Fetov wird nur noch wenige Tage in Oberentfelden bleiben und dann ins Tennis Training Baden West zurückkehren.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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