Gränichen

«Snoopy» übergibt das Kommando der Feuerwehr

Der Gränicher Feuerwehrkommandant Thomas Wiederkehr wurde an seiner letzten Hauptübung mit der Drehleiter aus dem Vogtshaus geholt.

Rund 320-mal rückte Feuerwehrmann Thomas Wiederkehr aus. Er löschte mit seinen Kameraden Dutzende Brände, war bei Elementarereignissen und Verkehrsunfällen im Einsatz und rettete Büsis von Bäumen. Am Freitag wurde der abtretende Kommandant der Feuerwehr Gränichen nun selbst gerettet. Bei der Hauptübung holten seine Feuerwehrleute ihn mitsamt Familie per Drehleiter aus dem Vogtshaus, in dem ein Brand simuliert wurde. Der 46-Jährige kannte den Ablauf der Übung nicht. Es war nicht die einzige Überraschung, die auf den beliebten Kommandanten wartete.

Von Anfang an stand der Abend im Zeichen des Kommandowechsels. Kaum hatte Vize-Kommandant Jürg Meyer das Publikum begrüsst, bogen drei ehemalige Feuerwehrmänner hupend auf einer vom Traktor gezogenen Handdruckspritze aus dem Jahre 1903 in die Lochgasse ein – in den Händen antike Feuerwehrhörner, im Gesicht ein breites Grinsen. Ihnen folgten mit Blaulicht und Sirene die Kommandanten und Leiter der umliegenden Feuerwehren, der Repol Suret sowie weiterer Partnerorganisationen. Nach der Parade ging die Übung in die heisse Phase. Die Einsatzkräfte simulierten einen Grossbrand im Vogtshaus. Die Kinder am Strassenrand wurden hinter die Absperrung zitiert, das heranbrausende Löschfahrzeug stationiert und der Verkehr gesichert. Feuerwehrleute rannten zum Brandort, zogen den ersten Schlauch und löschten mit Atemschutz den Hauseingang.

Rebekka und Thomas Wiederkehr (r.) haben bald wieder sicheren Boden unter den Füssen.

   

Noch spektakulärer war die Rettung der Kommandanten-Familie per Drehleiter vom dritten Stock des Hauses. Nachdem die beiden Töchter sicheren Boden unter den Füssen hatten, stiegen Wiederkehr und seine Ehefrau in den Korb. Dieses Mal ging es nicht auf direktem Weg nach unten, sondern in schwindelerregende Höhe. Die Leiter wurde auf 32 Meter ausgefahren und einmal um die Achse gedreht. Dem Ehepaar bot sich eine Fahrt über den Dächern Gränichens mit Blick auf die Hauptübung. 

Im Anschluss verabschiedete sich der als «Snoopy» bekannte Noch-Kommandant sichtlich gerührt von seiner Mannschaft. «Kameradschaftlich tut es weh», sagte er.

Gemeinderat André Muhmenthaler sagte lobend: «Du hast die Feuerwehr Gränichen entscheidend geprägt.» 1999 trat Thomas Wiederkehr ein, seit 2012 ist er Kommandant. «In spezieller Erinnerung bleibt sicher der Rütihof-Brand.» Zu kämpfen hatte der Familienvater mit Verkehrsunfällen, bei denen Kinder verunglückten.

Simon Schnell übernimmt ab Neujahr

Trotz Wehmut: Die Vorfreude auf die neugewonnene Freizeit sei gross. «Für meine Frau und Töchter war es nicht immer leicht.» Projekte wie zuletzt die Planung des neuen Magazins verlangten einiges ab. Ausserdem gibt es Nachwuchsprobleme. Derzeit fehlen der Feuerwehr Gränichen 18 Leute – mindestens 94 sollten es sein.

Ab Neujahr stellt sich Simon Schnell den Herausforderungen des Kommandantenpostens. «Ich habe grossen Respekt vor der Aufgabe», sagte der 41-Jährige. Sein Vorgänger ist zuversichtlich: «Ich bin überzeugt, er ist der richtige Mann.»

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