Aarau
Sitzplatz-Abbau: In acht WSB-Zügen müssen mehr Passagiere stehen

In acht Wagen baut die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) Sitzplätze zurück. Grund: Die Stehplatz-Zonen werden so vergrössert, mehr Fahrgäste haben Platz. Das sei nötig, heisst es bei der WSB.

Hubert Keller
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Dieser Wagen verkehrt probehalber bereits ohne Klappsitze und Armlehnen zum Seitengang hin.

Dieser Wagen verkehrt probehalber bereits ohne Klappsitze und Armlehnen zum Seitengang hin.

Mario Heller

Baut die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) Komfort ab? Dies fragt sich Hansueli Lory aus Unterentfelden. Ihm ist nämlich aufgefallen, dass in einem Wagen der WSB acht Sitzplätze abmontiert worden sind. Dabei handelte es sich ausgerechnet um Klappsitze, die bei zu vielen Leuten platzsparend bleiben könnten.

Lory regt sich auch darüber auf, dass auf der Fenster- als auch auf der Gangseite sämtliche Armlehnen entfernt worden sind. In einem Brief an die az schreibt Lory: «Im Wegfall der Armlehnen sehe ich keinen Vorteil.» Er befürchtet sogar, dass das Sturzrisiko dadurch erhöht worden ist.

Dass in der vergrösserten Stehplatzzone keine Klappsitze mehr angebracht worden sind, sei für Frauen mit Kinderwagen unangenehm, besonders bei längeren Fahrten in die Täler.

WSB will so Platz schaffen

Erwin Rosenast, Leiter Kommunikation bei der WSB, bestätigt, dass in einem Wagen Sitzplätze und Armlehnen entfernt worden sind, um die Stehplatzkapazität zu erhöhen. Und bei diesem einen Wagen soll es gemäss Rosenast nicht bleiben: «Die Stehplatz-Massnahme ist in weiteren sieben Wagen geplant.»

«Mit dieser Massnahme erhöhen wir die Transportkapazität», sagt Erwin Rosensast, «so können wir die steigenden Frequenzen auf dem WSB-Netz besser bewältigen.» Das Aus- und Einsteigen der Passagiere werde dadurch beschleunigt und das Risiko von Verspätungen verringert. Die Fahrpläne könnten besser eingehalten werden. Auch andere Bahnunternehmen hätten, so Rosenast, diese Massnahme umgesetzt.

Indem die Armlehnen abmontiert worden sind, wurde der Korridor leicht verbreitert. Erwin Rosenast führt dazu ähnliche Argumente auf: «Auch mit dieser Massnahme wurde mehr Platz geschaffen, damit die Fahrgäste besser zirkulieren können.» Das Aus- und Einsteigen werde erleichtert, das Verspätungsrisiko minimiert.

Auch Fahrgast Lory beobachtet, dass das Platzangebot in den Pendlerspitzen knapp ist. Er findet jedoch: «Mag sein, dass die WSB mit diesen Massnahmen die Platzkapazität sowie den Passagierfluss erhöhen. Doch handelt es sich bei dieser Bahn nicht um ein städtisches Tram mit stetem Fahrgastwechsel über kurze Fahrstrecken, sondern um eine Überlandbahn.»

Dass mehr Plätze nötig sind, liegt laut Lory auch an den Fahrgästen: Oft habe es noch einzelne Plätze, die nicht besetzt würden, weil man sich nicht zu anderen Leuten setzen wolle oder die Sitze durch Handgepäck belegt seien.

Er befürchtet, dass durch das Abmontieren der Armlehnen und weniger Sitzplätze die Sicherheit eingeschränkt wird, zum Beispiel bei unverhofften Bremsungen. Dies verneint Erwin Rosenast: «Die Sicherheit ist weiterhin gewährleistet. Der Umbau erfolgt gemäss den Sicherheitsbestimmungen des Bundesamtes für Verkehr (BAV) und wurden von diesem abgenommen.»