Aarau

Simon Burger (SVP) über bemalte und beklebte Wahlplakate: «Stillos und auch gefährlich»

Simon Burger will in den Stadtrat.

Simon Burger will in den Stadtrat.

Simon Burger (SVP) spricht über verklebte Plakate und Vorwürfe der Fremdenfeindlichkeit.

Wie fühlen Sie sich zehn Tage vor dem Wahltag?

Simon Burger: Ich fühle mich erstaunlich gelassen und freue mich auf das Abstimmungswochenende. Wir haben einen guten und fairen Wahlkampf geführt und ich bin gespannt, wie das Ergebnis aussieht.

Der «Ungesund für Aarau»-Kleber, die gemalten Hitler-Schnäuze auf ihren Plakaten: Anders als die anderen acht Kandidaten sind Sie in den letzten Tagen massiv angefeindet worden. Wie haben Sie das erlebt?

Der Wahlkampf war bisher sehr fair, weshalb mich das sehr überrascht hat. Angefangen hat es mit polemischen Kommentaren auf den sozialen Medien, gefolgt von Klebern, Hitler-Schnäuzen und begleitet von hetzerischen Leserbriefen. Die Anwürfe bewegten sich zwischen Fremdenfeindlichkeit, Kulturhass und Sparwut.

Ist «SVP» ein Schimpfwort?

Für ein paar gegnerische Aktivisten offenbar schon. Es ist aber weder lustig noch stilvoll, Plakate zu verunstalten oder mit extremen politischen Botschaften zu versehen. Zudem ist es ehrrührig, wenn man in die rechtsextreme Ecke gestellt wird.

In einem Leserbrief wird Ihnen vorgeworfen, Sie seien wegen Ihrer Mitgliedschaft in der Fachkommission Migration und Asyl der SVP Schweiz ein «fremdenfeindlicher Mensch»…

... ich bin mit Ausländern aufgewachsen, habe zahlreiche Freunde mit Migrationshintergrund und der Götti meiner ältesten Tochter ist Serbe. Meine Frau und ich waren viel im Ausland und wir sind international vernetzt. Da kann man nicht ernsthaft von «Fremdenfeindlichkeit» sprechen. Mit solchen Äusserungen lassen sich einfach gut Klischees bedienen. Ich vertrete keine «linke» Migrations- und Asylpolitik und gelte darum bei gewissen Leuten als fremdenfeindlich. Solche «Etiketten» sind nicht nur stillos, sondern auch gefährlich. Sie motivieren und mobilisieren militante extremistische Kreise.

Was macht die Fachkommission Migration und Asyl der SVP Schweiz?

Die Fachkommission verfolgt den Wissensaustausch zwischen Politik und Praxis. Ihr gehören Bundesparlamentarier und Spezialisten aus den Bereichen Migration und Justiz an. Am Ende entscheidet jedoch immer die Politik.

Es dürfte Sie gefreut haben, dass Sie von den Exponenten des Clubs Schlaflos zur Wahl empfohlen werden.

Diese Empfehlung dieser jungen Kulturschaffenden hat mich wirklich sehr gefreut. Es widerspricht auch der Kritik des gegnerischen Lagers, ich sei kulturfeindlich. Ich schätze die Kultur sehr. Ich vertrete in diesem Bereich einfach eine andere Meinung als die Linke: Kultur soll nicht primär Staatsaufgabe sein, sondern soll von unten wachsen.

Angesichts der Strapazen der letzten Wochen: Würden Sie nochmals antreten?

Ganz klar ja. Die jüngsten Anfeindungen haben zwar auch meiner Familie zu schaffen gemacht und der Wahlkampf war zeitintensiv. Ich engagiere mich aber gerne für die Gesellschaft und hoffe drum auch, dass ich gewählt werde.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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