Aarau
Signer bringt frischen Wind in die Aargauer Bahnhofhalle

Am Rande des Künstlergesprächs zu seiner Ausstellung im Kunsthaus zeigte Roman Signer seine Pläne für das Kunstprojekt im Bahnhof Aarau: Paarweise sollen bald acht Ventilatoren von der Bahnhofdecke hängen

Anna Wanner
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Ausprobiert im Atelier: Laufende Ventilatoren drücken sich weg. zvg

Ausprobiert im Atelier: Laufende Ventilatoren drücken sich weg. zvg

Auf der Leinwand steht ein einsamer Mann mit Mütze. Neben ihm eine Rakete, die gezündet wird. Weil die Mütze mit einer Schnur an der Rakete befestigt ist, rupft es diese vom Kopf, als die Rakete loszischt. Das Experiment zeigt Roman Signer in einem seiner Super-8-Filme, die zurzeit im Kunsthaus ausgestellt sind. Roman Signer ist bekannt als «Sprengkünstler». Auch wenn er das laut eigener Aussage nicht gerne hört. Er erklärt im Gespräch am Mittwoch der Kunsthausdirektorin Madeleine Schuppli: «Ich arbeite gerne mit den Elementen. Wasser und Wind sind ebenso wichtig wie Feuer – einfach weniger spektakulär.» Momentan habe er gerade wieder eine Windphase, sagt Signer.

Wenn der Zug durchfährt

So ist auch das von ihm geplante Kunstwerk in der Bahnhofhalle von Wind angetrieben. Paarweise sollen acht Ventilatoren von der Bahnhofdecke hängen. Immer wenn ein Zug durchfährt, würden sie angetrieben. Und zwar in der Reihenfolge, aus welcher der Zug kommt. «Eins, zwei, drei, vier», sagt Signer und zeigt auf der Skizze, wie sich die vier Ventilatorenpaare bewegen. Und in derselben Ordnung hören sie wieder auf, wenn der Zug den Bahnhof verlässt.

Weil die Ventilatoren gegeneinandergerichtet sind und sich anblasen, drücken sie sich gegenseitig weg. Im Ruhezustand hängen sie einfach nebeneinander. Im Gespräch mit Schuppli erklärt Signer: «Ich versuche Materie zu beleben.»

Damit er das Projekt umsetzen kann, braucht es noch Überzeugungsarbeit. Zunächst hätten die SBB den Einwand vorgebracht, dass die Passagiere vor lauter Ventilatoren die Anzeigetafel nicht mehr sähen. Der Künstler will aber die Ventilatoren so hoch hängen, dass sie auch vom Perron aus zu sehen sind. Kurzerhand suchte Roman Signer selbst die ideale Höhe, indem er sie vor Ort mit Metallstangen und Kartonscheiben ausmass. «Es würde also gehen. Wir haben die Höhe herausgefunden», entgegnet Signer möglichen Skeptikern.

Hilft, schlechte Luft umzuwälzen

Der Bahnhofarchitekt Theo Hotz lud Signer ein, das Kunstwerk zu entwerfen. Auf dem Bahnhofplatz sei es unmöglich eine Skulptur zu machen, da der Platz für die Busse vorgesehen sei. Also konzentrierte er sich auf den Innenraum. Signer: «Das ist gar nicht so einfach.» Von aussen sehe der Bahnhof zwar gross aus. «Die Bahnhofhalle ist aber eigentlich keine Halle, sondern eine enge Ladenstrasse.» Deshalb sehe er auch keine Alternative zu seinem Projekt: «Entweder ist es das oder es ist nichts.»

Dennoch sagt er: «Ich hätte Freude, wenn das Projekt realisiert würde.» Aber seine Welt breche sonst nicht gleich zusammen. Auch dass nicht alle Menschen gleich viel Verständnis haben für seine Kunst, nimmt er gelassen. «Die meisten denken wahrscheinlich sowieso, die Ventilatoren seien wichtig für die Ventilation, um die schlechte Luft umzuwälzen», sagt er und lacht.