Aarau

Sieben Asylanten aus Eritrea führen in Aarau ein Theater auf

Die az war bei einer Probe zum Theaterstück ‹Eritrean Comedy› dabei: Sieben Flüchtlinge aus Eritrea, von denen sechs noch nie Theater gespielt haben, erzählen Geschichten aus ihrem Leben.

«‹Eritrean Comedy› ist in Afrika ein bekannter Film. Nun wird er zum ersten Mal hier in Europa vorgeführt.» Mit diesem Satz beginnt Moderatorin Kathrin Jordi das Stück. Dann stellt sie jeden der sieben Schauspieler vor, als fände gerade eine Filmpremiere statt.

Sieben Flüchtlinge aus Eritrea – von denen sechs noch nie Theater gespielt haben – erzählen Geschichten aus ihrem Leben. Die Flucht vor dem eritreischen Regime, die lange und meist erfolglose Arbeitssuche in der Schweiz, die Begegnung mit regimefreundlichen Eritreern, die sich in der Schweiz als Flüchtlinge ausgeben – solche Szenen spielen sie auf der Bühne nach. In einer langen Passage zu Beginn des Stücks tun sie dies in ihrer Muttersprache Tigrinya, die meistgesprochene Sprache in Eritrea. Dann stellen sie auf Deutsch um. «Habt ihr alles verstanden? Nein? Das wollte ich hören», sagt einer der Männer zum Publikum. «Ich erzähle euch eine Geschichte.»

Teame Frezgy, einer der sieben Darsteller, war vor seiner Flucht in die Schweiz ein bekannter Comedy-Schauspieler in Eritrea. In der tatsächlich existierenden Fernsehserie «Eritrean Comedy» spielte er früher die Figur des Hadera. Im Stück, das nun in Aarau aufgeführt wird, flüchtet Hadera vom eritreischen Diktator und kommt in die Schweiz.

«Wir zeigen euch, wie das Leben von Hadera in Aarau ist», sagt einer der Darsteller. Verschiedene Szenen werden vorgeführt. In einer trifft Hadera auf einen anderen Eritreer. «Zahlst du zwei Prozent deines Einkommens an den Diktator?» – «Ja», sagt Hadera. «Bist du also für den Diktator?» – «Nein, bin ich nicht.»

Regimefreundliche Eritreer, die im Ausland leben, zahlen der Regierung in ihrem Heimatland einen Beitrag. Dies tun zum Teil auch Eritreer, die gegen das Regime sind; aus Angst vor Strafen gegen sie selber und ihre Familien, die in Eritrea leben. In einer anderen Szene steht einer der Darsteller in einem Arbeitsvermittlungsbüro. «Haben Sie Sprachkenntnisse?», wird er gefragt. «Ich spreche Englisch, Italienisch und ein bisschen Deutsch», antwortet er. «Haben Sie ein Diplom?» – «Nein, ich habe kein Diplom.» Mit einer Absage verlässt der Darsteller das Büro wieder.

Abschlussarbeit an der Hochschule

«In Eritrea gibt es Arbeit für Personen ohne Ausbildung. Hier gibt es das nicht», sagt einer der Schauspieler nach der Probe. Und ohne Diplome oder Arbeitszeugnisse sei es sehr schwierig, in der Schweiz eine Arbeit zu finden. Im Stück möchten die sieben Flüchtlinge diese und andere Situationen schildern. «Zu den Proben haben sie immer wieder Texte gebracht über Dinge, die sie dem Schweizer Publikum mitteilen wollen», sagt Regisseur Jonas Egloff. Der junge Aarauer studiert an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) Theaterpädagogik, «Eritrean Comedy» ist seine Abschlussarbeit.

«Letztes Jahr führten wir an der ZHdK ein Projekt mit Asylbewerbern durch», sagt Egloff. Diese Erfahrung wollte er nach Aarau bringen. «Ich hatte das Gefühl, ein solches Projekt bringt Aarau viel mehr als Zürich.» In einer kleinen Stadt seien sich die Menschen näher und Asylanten in der Öffentlichkeit präsent.

Die sieben Schauspieler leben seit zwei bis fünf Jahren in der Region. Alle haben genehmigte Asylgesuche und eine Aufenthaltsbewilligung. «Es ist eine schwierige Situation: Sie dürfen zwar hier sein und arbeiten, können aber kaum eine Stelle finden», sagt Egloff. Mit dem Theater erhielten die Flüchtlinge immerhin ein Sprachrohr. Für die Zuschauer ist das Stück aber nicht immer einfach zu verstehen. Nicht alle Schauspieler sprechen gut Deutsch. Neben der Anfangszene auf Tigrinya gibt es deshalb auch einen langen Monolog auf Englisch. «Es war schwierig, das Stück zusammenzustellen. Aber es war auch eine bereichernde Herausforderung», sagt Egloff.

Eritrean Comedy 12. und 13.12., 20 Uhr, 16.12., 17 Uhr, im Roschtige Hund, Aarau

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