«Wir waren selber erstaunt, was Aarau alles zu bieten hat», sagt Lydia Klotz lachend. «Es war schön, die Stadt, die man aus dem Alltag kennt, auch selber neu zu entdecken», stimmt Eleonora Sartori zu. Die beiden 19-jährigen Maturandinnen aus Aarau haben an der neuen Kantonsschule eine gemeinsame Maturarbeit geschrieben. Das Produkt: «insideaarau», ein Stadtplan für junge Leute. Bei der Präsentation der Arbeit im Home Barista Shop ist der Faltplan so gut angekommen, dass sich die beiden entschieden haben, das Projekt auf einer grösseren Ebene weiterzuführen. In verschiedenen Cafés, Geschäften und bei «Aarau Info» soll der Plan künftig für die Öffentlichkeit verfügbar sein. Nun sind sie dabei, mit Crowdfunding Geld für die Grossauflage zu sammeln.

Marktlücke geschlossen

Die Idee, einen neuen Stadtplan zu kreieren, kam den Freundinnen per Zufall. Es sei zwar von Anfang an klar gewesen, dass sie eine gemeinsame Arbeit schreiben wollen. «Aber zuerst hatten wir vor, etwas zum Thema Mode und Feminismus zu machen», erklärt Klotz. Doch ein wirklich spannendes Thema haben die Maturandinnen dazu nicht gefunden. Als dann eine Freundin von Eleonora Sartori aus Frankreich und eine von Lydia Klotz aus Berlin zu Besuch kamen, ist die Idee von «insideaarau» entstanden. «Wir haben bei «Aarau Info» nachgeschaut, was wir mit unseren Besucherinnen unternehmen könnten, um ihnen Aarau zu zeigen», so Sartori. Im Angebot haben sie jedoch nichts gefunden, das spezifisch auf junge Leute zugeschnitten ist. «Eine Marktlücke», findet Sartori.

Also begannen Sartori und Klotz selber, einen Plan zusammenzustellen. Aus Orten, die sie selber regelmässig besuchen, Tipps von Freunden und einer Umfrage, an der 280 junge Leute teilnahmen. Ergeben hat das eine Liste von 37 Orten, die man in Aarau entdecken kann – und welche die beiden Aarauerinnen teils selber noch nicht kannten. «Wir haben uns darauf geachtet, nur die Orte zu nehmen, die es nicht überall gibt», sagt Klotz. «Das, was Aarau eben ausmacht», erklärt Sartori. Starbucks und Migros sucht man auf dem Stadtplan also vergebens – dafür sind kleine, versteckte Perlen wie die «Alte Stadtgärtnerei», das «Petite Italie» oder das «Unverpackt» im Stadtrundgang inbegriffen. Auch historische Informationen und Zitate von jungen Leuten wurden integriert.

Dass der Plan ein Erfolg ist, zeigt sich auch in der Benotung: Mit der 5-6, die sie für die Arbeit erhalten haben, sind die beiden Maturandinnen zufrieden. Was sie ebenfalls glücklich macht: «Auch ältere Leute haben Freude daran und können Orte entdecken, die sie nicht kannten», so Sartori. «Es ist also nicht mehr nur ein Stadtplan für Junge, sondern für alle», fügt Klotz an.

Getrennte Wege

Ziel sei es deshalb auch, den Plan kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dies jedoch eher online, auf dem Instagram-Account von «insideaarau». Denn schon bald werden sich Klotz und Sartori nicht mehr jeden Tag treffen können, um gemeinsam am Plan zu arbeiten. Lydia Klotz geht nach St. Gallen, um Internationale Beziehungen zu studieren, Eleonora Sartori will in Zürich Jura studieren.

Dass das Projekt weitergeht, ist für die beiden jungen Frauen trotzdem klar. «Wir haben unser Finanzierungsziel schon fast erreicht, die Grossauflage wird also klappen», ist Sartori zuversichtlich. Diejenigen, die sie auf der Crowdfunding-Plattform «Lokalhelden» unterstützt haben, erhalten von den beiden eine Stadtführung nach Plan durch Aarau. Obwohl sich die Wege von Lydia Klotz und Eleonora Sartori also vorläufig trennen, werden sie sich auch wieder treffen – inside Aarau.