Aarau Rohr
Sie wollte das Christkind sehen – und zwängte sich dafür durch den Ofen

Regula Herzig aus Aarau Rohr fand als Meitli einen Weg, heimlich das Christkindli zu beobachten.

Katja Schlegel
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Regula Herzig aus Aarau Rohr wollte sich die einmalige Chance nicht entgehen lassen.

Regula Herzig aus Aarau Rohr wollte sich die einmalige Chance nicht entgehen lassen.

Katja Schlegel

In der Adventszeit wurde aus Vaters Studierstube die Weihnachtsstube. Für Regula Herzig und ihre Geschwister war der Raum von diesem Moment an tabu. Denn da stand der Weihnachtsbaum und lagen all die Geschenke, schon Tage vor Heiligabend. Vater war der einzige, der hier noch ein- und ausgehen durfte.

«Er müsse dem Christkind helfen, sagte er jeweils geheimnisvoll», erinnert sich Regula Herzig (heute 79).
Die Familie wohnte damals in Fahrwangen, in einer Wohnung in der ehemaligen Dorfwirtschaft, dem «Rössli». «In dieser Wohnung gab es zwei grosse Stuben. Die eine war unsere Wohnstube, die andere eben Vaters Studierstube», sagt Regula Herzig.

Die beiden Stuben lagen nebeneinander und wurden beide von einem grossen, grünen Kachelofen beheizt. «Der Ofen reichte bis fast zur Decke hinauf und hatte in der oberen Hälfte auf beiden Seiten ein Türchen.» Da wurden jeweils die Kirschsteinsäckchen zum Aufwärmen hineingelegt.

Nun war also Vorweihnachtszeit und Regula vier oder fünf Jahre alt. Die Studierstube war wieder zur Weihnachtsstube erklärt worden. Und da stupfte es das Mädchen. «Wenn mein Vater dem Christkind hilft, muss es also da in der Stube sein.»

Schon lange habe sie das Christkind mit eigenen Augen sehen wollen, es aber immer verpasst. «Denn jedes Jahr, wenn wir vom Weihnachtsglöcklein in die Stube geklingelt wurden, war das Christkind ja just in dem Moment schon aus dem Fenster geflogen», sagt Regula Herzig.

Da hatte es auch nicht geholfen, im Weihnachtszimmer zu übernachten. «Ich schlief jedes Jahr eine Nacht auf dem Canapé neben dem Christbaum, weil ich das so heimelig fand.» Dieses Jahr aber wollte sie es nicht dabei bewenden lassen. «Ich wollte das Christkind unbedingt sehen.» Und so suchte sie sich einen Weg, das Christkind heimlich zu beobachten.

Sie fand ihn im Kachelofen. «Ich zwängte mich durch das kleine Ofentürchen in der Wohnstube, kroch durch den Ofen hindurch, blinzelte durchs andere Türchen ins Weihnachtszimmer – und sah das Christkind.» Davon ist sie noch heute überzeugt.