Zu diesem Schluss kommt eine Kommission unter dem Präsidium von Willy Sprenger und mit Thomas Hasler, Kurt Fischer und Erich Stocker. Die Kommission hat in einem Bericht den Ensembleschutz analysiert und fordert einer Lockerung der Bestimmungen. Diese wollen sie in die Revision der städtischen Nutzungsplanung einbringen.

Der 1994 in Aarau eingeführte Ensembleschutz wird von der Kommission nicht grundsätzlich infrage gestellt, soll aber namentlich im Bereich der Herzbergsiedlung «den heutigen Bedürfnissen angepasst werden». So, dass das Eigentumsrecht nicht zu stark eingeschränkt wird und eine moderate Entwicklung und Erneuerung möglich bleibt.

Eine von neun Schutzzonen

Aarau kennt insgesamt neun Schutzzonen für die Erhaltung einer baulichen Einheit. Während der Stadtrat zum Beispiel am Schlossplatz mit der laufenden Erneuerung und Erweiterung des Stadtmuseums die Kriterien sehr offen interpretiert hat, wendet die Behörde in den Augen der Herzbergsiedlungsbewohner im Scheibenschachen einen harten Massstab an.

Das hat in den letzten Jahren nicht nur zu wachsendem Unmut, sondern bei Baugesuchen auch zu vermehrten Auseinandersetzungen auf dem Gerichtsweg geführt.

Deshalb hat die Generalversammlung des Quartiervereins Scheibenschachen vor Jahresfrist eine Kommission mit dem Auftrag eingesetzt, Vorschläge für ein modernes Schutz- und Entwicklungskonzept für die Herzbergsiedlung zu erarbeiten, die vor rund 70 Jahren erbaut worden ist.

Der Abschlussbericht des Gremiums enthält konkrete Forderungen an den Stadtrat, die den Artikel 35 der Bau- und Nutzungsordnung respektive die dazu gehörenden Richtlinien betreffen. So sollen künftig Dachaufbauten wie Lukarnen «durchgehend auf der ganzen Breite möglich sein» und Dachfenster eine adäquate Grösse umfassen. Bezüglich Fassaden postuliert die Kommission die Erlaubnis für eine Isolation der Aussenhülle, möchte man doch auch ökologische Aspekte einbringen. Auf der Strassenseite geht man davon aus, dass die Balkone in ihren Dimensionen unverändert bleiben.

Im Weiteren sollte das Erstellen eines Autoabstellplatzes auf dem eigenen Grundstück künftig im gesamten Gebiet der Herzbergsiedlung möglich sein. Und für die Garten- und Stirnfront fordert die Kommission Anbauten bis zur Erreichung einer Ausnützungsziffer von 0,5. Rückseitig schliesslich wären laut den Vorschlägen im Schlussbericht Wintergärten, Anbauten in Leichtbauweise oder Balkone mit darunter liegender Verglasung neu gestattet.

Sprenger: «Partielle Enteignung»

Die heutigen Einschränkungen sind laut Kommissionspräsident Willy Sprenger «so gravierend, dass bei Hausschätzungen durch Immobilienfachleute der Wert einer Liegenschaft wegen des Ensembleschutzes vermindert wird». Es entstehe an diesem Ort also eine «partielle Enteignung». Ob diese Ansicht alle Bewohner teilen und ob weitere Anliegen im Rahmen der Mitwirkung zur Revision der städtischen Nutzungsplanung unter den Nägel brennen, wird sich an einer ausserordentlichen Quartierversammlung weisen, zu der der Vorstand auf Montag, 4. März, 20 Uhr, ins Zwinglihaus eingeladen hat.