Die jungen Unternehmer empfangen in der Mensa der Alten Kanti. Der Termin fällt auf einen Freitagmorgen, die Mensa ist dementsprechend leer und gut geeignet für ein geschäftliches Treffen.

Im Wirtschaftsunterricht der dritten Klasse haben die sieben Kantischüler das YES-Unternehmen Young Pepper Company gegründet. YES steht für Young Enterprise Switzerland, die Schüler haben ein Jahr Zeit, um die Miniunternehmung zu gründen und zu führen.

Die Jungunternehmer hatten eine gute Geschäftsidee: Sie verkaufen fair und biologisch produzierten Kampot-Pfeffer aus Kambodscha. Am Anfang haben sie mit dem Gedanken gespielt, ein ganz neues Produkt zu erfinden.

«Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass die erfolgreichsten YES-Unternehmen etwas Bekanntes neu aufrollen», erklärt CFO Mike Ulmann. So war es auch mit dem Pfeffer. Weisse, rote und schwarze Körner sind im Angebot.

Sie stammen alle von der gleichen Pflanze, der Reifegrad macht die Farbe und die Schärfe aus. Das Geschäft läuft gut, die Kantischüler verkaufen den Pfeffer auf Messen, Märkten und im Internet.

Nach einer Erwähnung in der Zeitschrift «kochen» explodierten die Verkaufszahlen.

«Zuerst haben wir uns gewundert, warum plötzlich Leute aus der Innerschweiz bei uns bestellten», sagt Ulmann und lacht. Auch YES war vom Konzept überzeugt, das Unternehmen gewann in der Schweiz den ersten Platz. Ende Juli findet in Luzern das europäische Finale statt.

Schon 35 Kilo Pfeffer verschickt

Die Young Pepper Company lagert ihren Pfeffer beim CFO im Keller. Die Körner füllen sie in Handarbeit in Säckchen. Schon 35 Kilo Pfeffer haben sie abgepackt und verschickt.

Die Waage brauchen sie nur noch zum Kontrollieren. «Die Bewegung ist zur Routine geworden», sagt Ulmann und tut so, als ob er mit einer Schaufel in einen Pfeffersack stechen würde.

Jeder der sieben Unternehmer hat eine Rolle im Geschäft, vom CEO bis zum Marketing sind alle Stellen besetzt.

Gerangel um den Chefposten gab es keines, ein Persönlichkeitstest von YES wies jedem die geeignetste Position zu. Benjamin Meier ist CEO, aber eher symbolisch. «Wir können uns meistens friedlich einigen», sagt er.

Da muss der IT-Verantwortliche husten. «Beim Namen gab es längere Diskussionen», räumt Meier ein. Eigentlich hätte das Unternehmen Royal Pepper Company heissen sollen. Doch in Lettland gab es schon eine Firma mit ähnlichem Namen. Dieses Risiko wollte man nicht eingehen. Und Young passe ja sehr gut. Das Logo hat der CEO gleich selbst entworfen.

Firmenauflösung trotz Erfolg

Die YES-Regeln schreiben vor, dass das Unternehmen nach einem Jahr aufgelöst wird. Weitermachen wäre möglich, aber unternehmerisch keine gute Idee. «Der Aufwand für die Produktion ist sehr gross», sagt Ulmann.

Noch machen die Pfefferhändler nicht genug Umsatz, um sich angemessene Löhne auszahlen zu können. Das nächste Schuljahr ist das letzte und wird deshalb mit den Vorbereitungen für die Matur besonders anstrengend. Wie es mit dem Unternehmen weitergeht, ist also noch unklar. Für die Schüler ist vorerst die Geografieprüfung in zehn Minuten wichtiger.