Zum Gedenken
Sie war die Barmaid der legendären Aarauer Brötlibar

Zum Gedenken an Luciana Speck-Spadetto, die von einer Italienerin zu einer Aarauerin durch und durch wurde.

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Die erste und einzige Barmaid Luci hatte in den 60er- und 60er-Jahren trotz ihres jugendlichen Alters das besondere Völklein in der «Brötlibar» im Griff.

Die erste und einzige Barmaid Luci hatte in den 60er- und 60er-Jahren trotz ihres jugendlichen Alters das besondere Völklein in der «Brötlibar» im Griff.

zvg

Am Gründonnerstag verbreitete sich die Nachricht vom Tod von Luciana Speck in Aarau wie ein Lauffeuer. «Luci», wie sie von allen genannt wurde, hat ihre Spuren über Jahrzehnte in der städtischen Gastronomie hinterlassen, wo sie bereits in den späten Sechzigerjahren zur Legende wurde.

Aufgewachsen ist Luciana Spadetto in einem kleinen Ort in der Provinz Treviso, rund 50 Kilometer nördlich von Venedig. Mit 17 Jahren wanderte sie – wie viele ihrer Landsleute – in die Schweiz aus und arbeitete zuerst in der Innerschweiz in einem Spinnereibetrieb. Dann kam sie in den Aargau und beruflich ins Gastgewerbe, zuerst in Rohr, anschliessend in das Restaurant Affenkasten zu Wirt Fritz Plüss, der sie anfänglich am Buffet, später in der neu eröffneten «Brötlibar» an der Vorderen Vorstadt beschäftigte.

Sie konnte mit der Kundschaft umgehen

Hier traf sich Ende der 60er- und in den 70er-Jahren die kleinstädtische Bohème, Künstler, Vertreter der 68er-Generation und andere Avantgardisten. Die erste und einzige Barmaid Luci hatte trotz ihres jugendlichen Alters das besondere Völklein im Griff, sie kannte ihre Pappenheimer und sorgte mit ihrem südländischen Temperament und ihrer herzensguten Art für einen einigermassen geordneten Betrieb. Sie wusste ganz genau, wer an welchem Tisch oder in der zweiten Reihe an der Bar wie viele Stangen Bier bestellt hatte und verdiente sich bei der nicht immer ganz einfachen Kundschaft Respekt.

Anfangs der 80er-Jahre hatte die Herrlichkeit der Aarauer «Brötlibar» ein Ende. Luci folgte ihrem Mentor Fritz Plüss ins Restaurant Rathausgarten, wechselte aber 1983 ins Restaurant Speck am Zollrain.

Mit Begeisterung auf dem Brügglifeld

Es folgten glückliche Jahre im heimeligen Aarauer Lokal, die mit der Heirat mit Wirt Friedrich «Fredy» Speck im Jahre 1992 ihre Krönung fanden. Aarau war ihr längst zur zweiten Heimat geworden, sie war glühende Anhängerin des FC Aarau und verpasste, sofern es die unregelmässige Arbeitszeit zuliess, keinen Match auf dem Brügglifeld. Zusammen mit ihrem Gatten Fredy besuchte sie auch mit Begeisterung die Aarauer Pferderennen im Schachen und freute sich am Apéro der Ehrengäste auf einen Schwatz mit ihrer zum Teil langjährigen Stammkundschaft aus der Gastronomie.

Noch bis in den Januar 2015 hinein versah sie in der Gaststube im «Speck» ihren Dienst, bis die gesundheitlichen Beschwerden zusehends schlimmer wurden. Am 2. April ist Luci im Alter von 76 Jahren friedlich eingeschlafen. (HR)

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