Schulpflege
Sie unterschätzen das Amt: Jeder dritte Schulpfleger tritt vorzeitig zurück

Seit Beginn der Amtsperiode 2014-17 haben rund 125 Schulpfleger vorzeitig das Handtuch geworfen. Hochgerechnet tritt jedes dritte Mitglied vorzeitig zurück, ein weiterer Drittel bleibt nur vier Jahre. Die hohe Fluktuation hat verschiedene Gründe.

Pascal Meier
Merken
Drucken
Teilen
Der Schule wird komplexer, und die Anforderungen an die Schulpflege steigen – auch im Tellischulhaus Aarau. ARCHIV/Lüscher

Der Schule wird komplexer, und die Anforderungen an die Schulpflege steigen – auch im Tellischulhaus Aarau. ARCHIV/Lüscher

Otto Lüscher, Aarau

In den Schulpflegen herrscht ein Kommen und Gehen. Jede Woche landen mehrere Rücktrittsschreiben auf den Schreibtischen der kantonalen Gemeindeabteilung. Die Zahlen lassen aufhorchen: Seit Beginn der Amtsperiode 2014-17 haben rund 125 Schulpfleger das Handtuch geworfen.

Rechnet man diese Zahl auf die ganze Amtsperiode hoch, tritt jeder dritte der 883 Schulpflegerinnen und Schulpfleger im Kanton vorzeitig zurück. Ein weiteres Drittel kandidiert nach Ende einer Amtsperiode nicht mehr. Damit liegt die Fluktuation bei Schulpflegen etwa 1,5-mal höher als bei Gemeinderäten.

Die Rücktrittsschreiben der Schulpfleger kommen aus allen Ecken der Region, zuletzt aus Oberkulm, Biberstein und Teufenthal. Die Gründe sind meistens dieselben: Das Amt lässt sich zeitlich nicht mit Beruf und Familie vereinbaren. «Die Rücktritte hängen vermutlich mit dem Milizsystem und der erhöhten Belastung zusammen», sagt Martin Süess, Leiter des Rechtsdienstes der Gemeindeabteilung.

Seriösere Auswahl gefordert

Die Belastung ist unter anderem wegen der zunehmenden Komplexität der Schulentwicklung gestiegen und somit ein Hauptgrund für die Rücktritte. Das sagt Franco Corsiglia, Präsident des Verbandes Aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten. «Die Schulpflege hat sich zum strategischen Führungsorgan entwickelt.» Je nach Grösse der Schule sei dieses Nebenamt kaum mehr mit einem 100-Prozent-Job zu vereinbaren.

Corsiglia vermisst die Bereitschaft der Wirtschaft, ein solches Engagement für die Allgemeinheit zu fördern. «Früher wurde man gelobt, wenn man sich in der Gemeinde engagiert. Heute sehen das Firmen nicht gerne.»

Parallel zum Zeitaufwand sind laut Corsiglia die Anforderungen an das Amt gestiegen: «Wer heute in einer Schulpflege sitzt, muss sich nebst der Didaktik in Finanz- und Personalfragen auskennen.» Das seien sich viele Schulpflegekandidaten nicht bewusst. «Es braucht deshalb eine seriösere Rekrutierung.» Ortsparteien würden sich prioritär um vakante Gemeinderats- und Einwohnerratsitze kümmern und einem freien Sitz in der Schulpflege weniger Beachtung schenken. «Vielfach wird kurz vor den Wahlen noch jemand zur Kandidatur ‹überredet›.» Corsiglia nimmt auch die Schulpflegen in die Pflicht: «Oft suchen diese bei absehbaren Vakanzen keine Kandidaten. Das private und politische Netzwerk muss besser genutzt werden.»

Der Verband Aargauischer Schulpflegepräsidentinnen und -präsidenten will jetzt aktiv werden, damit die Zahl der vorzeitigen Rücktritte kleiner wird. «Wir möchten, dass sich Kandidierende besser auf ihr Amt vorbereiten können», sagt Franco Corsiglia. Denn die Schulpflege habe eine wichtige Aufgabe: «Immerhin ist sie vom Volk gewählt und in der Regel für einen der grössten Bereiche einer Gemeinde verantwortlich.»