Berufsschule Aarau

Sie überzeugen mit ihren kunstvollen Kreaktionen die Besten der Welt

Die angehenden Bäckerinnen und Konditore der Berufsschule Aarau zeigen ihr Können dieses Jahr online.

Gerade war die Jury da. Europa- und Weltmeister gehören ihr an, Mitglieder der Koch-Nationalmannschaft. Nun stehen die begutachteten Kunstwerke von Aarauer Berufsschülern wieder allein im Schulzimmer, fein säuberlich aufgereiht in langen Reihen. Zu Kürbissen verzierte Spitzbuben, zu Hexen geformtes Brot und von Tim Burton inspirierte Skulpturen stehen hier im bläulichen Schimmer der Deckenlampen und warten auf Besucher, die nicht kommen werden.

In normalen Jahren wären sie Anziehungspunkt für Freunde, Eltern, Lehrmeister und alle, die sich für anspruchsvolle Bäckerei und Konditorei interessieren. Weil das im Covid-19-Jahr 2020 nicht geht, hat ­Fachlehrer Franz Ziegler im Auftrag des Aargauer Bäcker Confiseur Verbandes einen Lebensmittel-Fotografen engagiert und die Ausstellung ins Internet verschoben. Ziegler unterrichtet seit 15 Jahren an der Schule.

Rund hundert Arbeitsstunden für Hexen und Mumien

«Das Wichtigste ist, dass wir die Jungen fördern und fordern», sagt Ziegler. «Die Schokoladeskulptur einer Drittklässlerin ist derart filigran gearbeitet, dass ich immer noch darüber staune, dass sie es geschafft hat, die Skulptur heil in die Schule zu transportieren», so Ziegler. Hervorgestochen sind auch Jessica Rais aus Seon und Jana Fischer aus Seengen, beide im zweiten Lehrjahr. Ziegler, der sieben Bücher geschrieben hat, würde Jessica am liebsten nachträglich in dem einen Buch über Marzipan vorstellen: «Geniale Arbeit, oben hinaus», strahlt der Lehrer.

Die 19-Jährige macht ihre Ausbildung im Alterszentrum Lindenhof in Oftringen. Für die Ausstellung hat sie Marzipanmumien kreiert. «Die Inspiration dafür habe ich online gefunden», erzählt sie. Um die Binden aus Marzipan künstlich zu ­altern, hat sie Jessica Rais mit dem Bunsenbrenner bearbeitet. «Ich war immer gerne kreativ, liebe etwa zeichnen», erzählt sie.

Zu ihrem Beruf gefunden hat sie durch die Mutter, selber Bäckerin. «Ich habe dann bald gemerkt, dass ich eher eine ­Konditorin bin», schmunzelt sie. An den Mumien und zwei weiteren kleineren Arbeiten hat sie insgesamt 20 Stunden gearbeitet, dazu kommen weitere 20 Stunden Vorbereitung und Recherche.

Die 16-jährige Jana Fischer aus Seengen arbeitet in ihrem Wohnort in der Hächler Bäckerei. «Ich habe schon als Kind mit Grosi gerne gebacken», erzählt sie. Um sie geschehen, ist es schliesslich, als ihre Schwester eine Bäckerlehre angefangen hat: «Sie hat mich da hinein­gezogen.» Lachen.

Für die Ausstellung wollte sie ursprünglich eine Fledermaus gestalten, entschied sich dann aber anders: «War mir zu langweilig.» Stattdessen wurde es dann eine Hexe. Die Idee für die kopf­stehenden Besenreiterinnen hat sie von einem ähnlichen Bild, das ihr dank eines Kollegen in einem Gruppenchat zuge­flogen ist. Rund 60 Arbeits­stunden hat sie investiert. «Es gibt in jedem Lehrgang Talent, das lohnt, unterstützt zu werden», attestiert ihr Lehrer Franz Ziegler.

Und die Jury? Was sie ­beschlossen hat, darf noch nicht verraten werden. Nur so viel sagt Ziegler zu seinen beiden Schützlingen: «Ihr seid beide gut ­dabei.» Strahlen.

Alle Werke finden Sie auf www.aargauer-beck.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1